HIER RIECHT’S WÜRZIG: Tonnenweise lagern getrocknete Ginkgo-Blätter bei Dr. Willmar Schwabe in Karlsruhe-Durlach. Daraus entsteht der Mega-Seller Tebonin. Davon werden 2016 fast 20 Millionen Packungen nach China verkauft. | Foto: Fabry

Tebonin ist ein Top-Seller

Bei der Karlsruher Schwabe-Gruppe brummt das China-Geschäft

Von Baden ins Reich der Mitte: Die Chinesen fahren auf das Ginkgo-Präparat Tebonin aus Karlsruhe-Durlach ab. „Wir werden im Jahr 2016 fast 20 Millionen Packungen Tebonin in China verkaufen“, sagt Olaf Schwabe (Foto: pr), Chef der Karlsruher Schwabe-Gruppe. In fünf Jahren sollen es gar 35 bis 40 Millionen Packungen des Produkts sein, das für ein leistungsstärkeres Gehirn und
bei Tinnitus-Erkrankungen eingesetzt wird. Den deutschen Markt werde man trotz der enormen Nachfrage aus Fernost aber auch künftig bedienen können.

China ist drittwichtigstes Land der Schwabe-Gruppe

China trägt mittlerweile mit 135 Millionen Euro zum Umsatz der Schwabe-Gruppe bei, die 2016 insgesamt rund 880 Millionen Euro erlösen werde. Zum Vergleich: 2006 kam China noch auf 13 Millionen Euro. Dies ist umso erstaunlicher, zumal Schwabe in China neben Tebonin nur noch zwei weitere Präparate – gegen Venenleiden und gegen Depressionen – verkauft. Die chinesischen Ärzte wüssten die Arzneien aus einem Pflanzenextrakt (Phytopharmaka) made in Germany zu schätzen und verschreiben sie laut Schwabe in ihren Krankenhäusern. China ist nach den USA und Deutschland mittlerweile der drittwichtigste Schwabe-Markt.
Olaf Schwabe, der das Familienunternehmen seit Mai 2016 in fünfter Generation führt, kennt auch die Kehrseite der Medaille: eine Abhängigkeit vom chinesischen Markt. Er sieht dort aber auch noch „absolutes Wachstumspotenzial“. Indien und die USA seien ebenfalls vielversprechende Märkte.

Auslandsanteil von 75 Prozent

Mittlerweile kommt die Schwabe-Gruppe beim Umsatz auf einen Auslandsanteil von 75 Prozent – Tendenz steigend. Auch hier ein Vergleich: Vor zehn Jahren flossen noch zwei Drittel der Erlöse aus Deutschland in die Kassen der Karlsruher.
Die Internationalisierung ist ein Teil der Strategie, die Schwabe verfolgt. Dabei legt das Unternehmen neben Europa den Fokus auf die genannten Wachstumsmärkte. Zugleich will man – bei all der Vielfalt – noch stärker die Hauptpräparate betonen. Der Unternehmens-Lenker nennt hier Mittel zur mentalen Gesundheit, bei Atemwegs- sowie bei Magen-Darm-Erkrankungen und zur Prävention. Schwabes große Standbeine sind Phytopharmaka mit einem Umsatzanteil von 47 Prozent, homöopathische Produkte der Tochter DHU (19 Prozent) und Nahrungsergänzungsmittel der US-Tochter Nature’s Way (34 Prozent). „Das Umsatzziel von einer Milliarde Euro wollen wir bis 2020 schaffen. Wenn alles gut läuft, erreichen wir es 2018“, so der 40-jährige Wirtschaftsingenieur im BNN-Gespräch. Deutschland wachse um jährlich drei bis fünf Prozent, die Gruppe insgesamt um fünf bis sieben Prozent.

Kräftige Investitionen in der Region

Schwabe hat auch Werke in den USA, in Indien, Mexiko und in Österreich. Vieles für Europa und für den Fernost-Markt wird aber in der Region hergestellt, wo es zwei Werke in Karlsruhe, eines in Ettlingen sowie eine Plantage in Stutensee gibt. „Dort wird kräftig investiert.“ Schwabe nennt rund 100 Millionen Euro in den kommenden acht Jahren.
Dazu zählt ein neues zentrales Logistikzentrum für die Gruppe auf dem DHU-Areal in der Karlsruher Ottostraße. Noch 2017 soll mit dem Bau begonnen werden. Investitionsvolumen: 30 Millionen Euro. Ein ähnlich hoher Betrag soll danach, ebenfalls an diesem Standort, für eine zentrales Verpackungszentrum folgen. Schwabe ist stolz auf die hohe Eigenkapitalquote – ohne präziser werden zu wollen – und auf die Unabhängigkeit von Banken. Die Rendite der Unternehmensgruppe reiche, um weiter investieren zu können. Freilich habe die Rentabilität in den vergangenen zehn Jahren stark abgenommen, räumt der Manager ein.
Wie mehrfach berichtet, wurde das Unternehmen umstrukturiert. Ein Auslöser dafür war, dass deutsche Ärzte seit 2004 in der Regel keine Phytopharmaka mehr per rotem Rezept verordnen dürfen. Der Patient muss also selbst bezahlen. Auch die Internationalisierung kostet erst einmal Geld.
Je nach Indikation muss Schwabe unterschiedliche Zielgruppen adressieren. Beispiel: Bei einer Depression wird der Arzt zu einem Schwabe-Präparat raten, bei einer Erkältung eher der Apotheker oder vielleicht auch ein Nachbar, der damit gute Erfahrungen gemacht hat. Bei den vielen Präparaten spiele man die gesamte Klaviatur, sagt Schwabe.
Eine Herausforderung sei es, noch mehr von den Kundenbedürfnissen auszugehen. Früher habe vor allem das Präparat im Vordergrund gestanden. Eine Herausforderung für die gesamte Branche seien Verbraucherschutz und Regulatorik, die zunehmen. „Das können wir“, sagt Schwabe selbstbewusst. Schließlich verkaufe die Schwabe-Gruppe mit ihren 3 500 Mitarbeitern viele Produkte in die ganze Welt.

„Die Trends sind alle positiv für uns“

„Die Trends sind alle positiv für uns“, ist der Unternehmer überzeugt, der 2009 bei dem großen Familienunternehmen Schwabe im operativen Geschäft eingestiegen ist. Er nennt die alternde Bevölkerung sowie das steigende Gesundheitsbewusstsein. Hier kämen vor allem Produkte aus der Natur zum Einsatz. „Wir haben die gesamte Wertschöpfungskette im Griff: von den eigenen Plantagen bis zum Endprodukt.