Für eine moderne Arbeitswelt steht Frank Roth, Chef der AppSphere AG in Ettlingen. | Foto: Fabry

Digitale Köpfe in der Region

Beim Thema Arbeiten 4.0 ist Frank Roth rast- und ruhelos

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Frank Roth ist außer Atem. Hastig biegt er mit seinem Rollkoffer um die Ecke und begrüßt – ein wenig nach Luft schnappend – die Gäste im Konferenzraum seiner Firma AppSphere. Diese Szene beschreibt den Menschen Frank Roth bereits ein Stück weit. Der 52-Jährige hetzt oft von einem Termin zum nächsten. Und bezeichnet sich selbst als „Außenminister“ des Ettlinger IT-Beratungsunternehmens. „Bei mir müsste der Tag eigentlich 48 Stunden haben“, sagt Roth, jetzt wieder ruhig atmend. Der zweifache Familienvater ist ein Getriebener. Seine Mission lautet: Arbeiten 4.0 – „dieses Thema treibt mich um“.

Digitalisierung kommt mit voller Wucht

Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt mit voller Wucht getroffen. Roth will Unternehmen erklären, wie sie damit am besten umgehen. Und das nicht nur über die Beratung mit AppSphere, sondern auch auf zig Vorträgen, in Arbeitskreisen oder eben beim Gespräch zwischendurch. „Gerade komme ich von einer Konferenz, bei der es wieder um den Fachkräftemangel ging. Um dem als Arbeitgeber zu begegnen, muss ich mich anders aufstellen“, sagt Roth. Einmal auf das Thema angesprochen, ist der großgewachsene Ex-Handballer kaum mehr zu stoppen. „Es geht darum, Lebensqualität mit Arbeit zu kombinieren.“ Roth zählt zu der Kategorie Mensch, die sich nicht von Wochenende zu Wochenende hangelt. „Es gibt keine klassische Freizeit und keine Arbeitszeit. Es gibt nur Lebenszeit“, ist der gebürtige Südbadener überzeugt.

Während Roth über sein Lieblingsthema spricht, vibriert immer wieder sein Handy. Die Augen wandern kurz auf das Display, er bleibt dennoch konzentriert bei der Sache. Wer das Beobachtet, würde kaum auf die Idee kommen, dass der 52-Jährige in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen ist. Fürs Kühemelken oder Felderbeackern brachte er jedoch nie Begeisterung auf. „Bei mir hat sich die Technikaffinität schon früh eingestellt.“ Folglich hieß es immer „Frank, du!“, wenn auf dem Hof der Eltern etwas zu reparieren war. Ebenso logisch war der Schritt auf das technische Gymnasium, gefolgt vom Elektrotechnik-Studium an der FH Offenburg. „Danach bin ich ins Silicon Valley Europas gezogen“, erzählt Roth. Gemeint ist damit der Raum Karlsruhe. Roth sagt das nicht, weil es in den Ohren der Stadtoberen gut ankommt, sondern weil er selbst davon überzeugt ist: „Wir sind ein Motor der Digitalisierung. Karlsruhe kann da mächtig etwas bewegen.“

Ein Netzwerker auf allen Kanälen

Die Region im IT-Bereich noch stärker aufstellen, das ist Roths zweite Mission. Dafür netzwerkt er auf allen Kanälen. „Das macht mir auch Spaß. Man darf aber kein Dampfplauderer sein.“ So kommt der Mann, der stets darum bemüht ist, den südbadischen Akzent im Zaum zu halten, auch nicht rüber. Wenn er spricht, geht es oft um praktische Beispiele. Sein Gegenüber benötigt kein IT-Wörterbuch, um Roth zu verstehen. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, warum er immer wieder als Redner angefragt wird und in zig Gremien sitzt, vom IHK-Ausschuss über den Cyberforum-Vorstand bis zu einem Expertenpool des Digitalen Innovationszentrums (DIZ) in Karlsruhe.

Den Kontakt zu seinen Wurzeln hat Roth deshalb nicht verloren. Er engagiert sich ehrenamtlich im Handballverein, ist Stammgast bei den Handballspielen seiner Kinder und hält sich auch technisch auf dem neusten Stand – trotz der Funktion als „Außenminister“. WhatsApp, Facebook, Twitter, „ich nutze alles quer durch die Bank. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, über welchen Kanal eine Nachricht eingegangen ist“, sagt Roth und lacht. „Ich will wissen, wie alles funktioniert, muss alles ausprobieren.“ Nur so entstehe ein breiter Erfahrungsschatz, nur so könne ihm niemand etwas vormachen. Selbst in seinem Handballverein HSG Ettlingen/Bruchhausen habe er alle Funktionen mitgemacht – vom Zeugwart bis zum Abteilungsleiter. „Ich bin schon ein bisschen rast- und ruhelos“, sagt Roth. Kurz danach eilt er zum nächsten Termin. Irgendwo unterwegs bleibt seine Einschränkung „ein bisschen“ sehr wahrscheinlich auf der Strecke.