In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd.
In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd. | Foto: Bodamer/Zemlianichenko/dpa/Montage: BNN

Privet Rossija!

Blauer Schnee und andere Umweltsünden

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400 Kilometer hinter dem Polarkreis in Russland liegt die nördlichste Großstadt der Welt. Sie ist auch eine der dreckigsten.

Das 130.000 Einwohner zählende Norilsk steht auf den Knochen von 180.000 Häftlingen, die zur Stalin-Zeit auf die Halbinsel Taimyr getrieben worden waren, um dort Erze zu fördern. Ein Drittel der Weltvorkommen von Nickel sind hier. Und zehn Prozent Kupfer.

Nachmittags Hustanfall

Ihr Eigentümer ist die Norilsker Bergbaugesellschaft, die zwei Prozent des nationalen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Das hat seinen Preis: Wer erstmals in Norilsk ist, fällt auf, wenn er nachmittags um zwei einen Hustenanfall kriegt. Um diese Uhrzeit blasen die Schlote des Hüttenwerks eine Portion Schwefelgase in die Luft. Sie spucken grauen, gelben, grünen Rauch. An manchen Tagen werden die ohnehin großzügigen Höchstwerte ums 25-fache überschritten. Die Tundra bei Norilsk ist von dem sauren Regen ausgebrannt.

Viele Umweltsünden

Wer durch Russland reist, sieht viele Umweltsünden: gigantische Mühlhalden in freier Natur, blau verfärbten Schnee oder Lkw, die Chemikalien am Straßenrand entsorgen. Auch in der reichsten Stadt des Landes ist es um die Umwelt nicht gut bestellt. Moskau mit 31 000 Industriebetrieben verpestet seine Luft jährlich mit 1,1 Millionen Tonnen Dreck und Giften. Was viele nicht wissen: Auf dem Gelände eines Forschungsinstituts mitten in der Hauptstadt liegen angeblich etwa 2 000 Tonnen nukleare Abfälle. In der Metropole nutzen 1 000 Organisationen und Betriebe insgesamt 150 000 radioaktive Quellen. Damit ist Moskau wohl die „strahlendste“ Hauptstadt der Welt.