Daniela Katzenberger
Auch TV-Sternchen Daniela Katzenberger macht bei der #10YearChallenge mit. | Foto: Henning Kaiser

Künstliche Intelligenz

#10YearChallenge: Gratis Datenschatz für Facebook?

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Der „Zeige ein Bild von dir vor zehn Jahren und von heute“-Herausforderung (auch Ten-Year-Challenge und #10YearChallenge genannt) in den sozialen Netzwerken können Nutzer derzeit kaum entkommen. Ob Instagram, Facebook oder Twitter, aktuell sind die Startseiten der sozialen Netzwerke voll von früher-und-heute-Bildern der Nutzer. Jetzt steht die Herausforderung in der Kritik. Mit den hochgeladenen Bildern könnten Social-Media-Plattformen ihre Künstliche Intelligenz (KI) schulen, um anschließend die Daten für sich zu nutzen.

Nutzer laden bei der Herausforderung auf Facebook, Instagram oder Twitter zwei Bilder hoch: ein aktuelles sowie eins, das die Nutzer vor zehn Jahren zeigt. Den Beitrag markieren sie mit dem Hashtag – der Alleinstellungswortkette #10YearChallenge. Die KI bekommt drei Daten: den Hashtag mit dem sich die Bilder eindeutig zuordnen lassen sowie zwei Bilder für die Gesichtserkennung. Fast alle Nutzer zeigen das alte Bild rechts und das neue links – das macht es der KI noch einfacher, die Bilder auszulesen. Mit diesen Daten kann sie lernen wie Menschen altern.

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#10yearchallenge 😁

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Millionen machen mit

Auf Instagram gibt es bereits 2,7 Millionen Bilder zum Hashtag #10yearchallenge – stündlich kommen tausende dazu. Alternativ wird auch der Hashtag #2009to2019 genutzt, unter dem bereits fast 200.000 Bilder zu finden sind. Tendenz für beide: Rasant steigend. Die Millionen Fotos sind ein Geschenk, jedes Bild hilft der KI, besser und genauer zu werden. Mangelnde Datensätze sind etwa für die KI von Maschinen ein Problem, wie Torsten Kröger, Professor am Karlsruher Institut für Technologie, im BNN-Gespräch im Vorjahr erläutert.

Wie kann Facebook die Daten nutzen?

Im englischsprachigen Magazin Wired gibt es drei Deutungen wie die die Social-Media-Plattformen die Daten nutzen könnten:

  • In der positiven Variante dient das erlernte Können dazu, vermisste Menschen leichter ausfindig zu machen. Je besser das Wissen um den Alterungsprozess von verschwundenen Person ist, desto größer wird die Chance, sie noch zu finden.
  • Die wahrscheinlichere Variante dürfte sein, dass das Können für besser auf den Nutzer abgestimmte Werbung genutzt wird. Auf Instagram wird häufig kein Alter angegeben, in Facebook wird das Profil nicht immer vollständig ausgefüllt. Jetzt lässt sich über die Bilder ermitteln, wie alt ein Nutzer ist. Damit kann die Werbung besser auf das  aktuelle Nutzerinteresse optimiert werden.
  • Will man den Anbietern böses, könnten sie die Daten auch an Versicherungen verkaufen. Etwa, wenn ein Nutzer älter aussieht als er ist, Raucherzähne hat oder Pigmentauffälligkeiten, die ein höheres Hautkrebsrisiko vermuten ließen.

Besser nicht mitmachen?

Wenn Familie, Freunde und Bekannte ihr Fotos hochladen, sollten sie wissen, wozu ihre Daten genutzt werden könnten. Wer mitmacht befindet sich in illustrer Gesellschaft, so haben schon zig Stars ihre Bilder gezeigt wie Sängerin Madonna, TV-Sternchen Daniela Katzenberger oder Schauspielerin Reese Witherspoon und den Erfolg der Herausforderung zusätzlich angefeuert.

Und was sagt Facebook?

In einem offiziellen Statement auf Twitter heißt es seitens Facebook, dass die Aktion vor allem ein Nutzerspaß sei, den man als Unternehmen nicht initiiert habe.