Sebastian Kurz
Sebastian Kurz ist zwar nicht mehr Bundeskanzler von Österreich – für Gesprächsstoff sorgt er aber dennoch. | Foto: Barbara Gindl/APA

Österreichisches Buch

50 Shades of Kurz: Kanzler-Biografie sorgt für Twitter-Spaß

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Sebastian Kurz ist zwar nicht mehr Bundeskanzler von Österreich – für Gesprächsstoff sorgt er aber dennoch. Am 11. September erscheint eine neue Biografie des jungen Politikers. Und der fragwürdige Schreibstil des Buchs erheitert die Internetgemeinde.

50 Shades of Grey, die Erotik-Romanreihe der US-amerikanischen Autorin E.L. James, sorgte beim Erscheinen für einen Hype. Der ist eigentlich schon lange vorbei, dennoch ist das Buch derzeit wieder Thema – wenn auch in einem ganz anderen Kontext. Am 11. September nämlich erscheint eine Biografie über den ehemaligen Bundeskanzler von Österreich, Sebastian Kurz – zwei Wochen vor der Wahl, bei der er erneut antritt. Kurz gilt als Favorit.

Bereits jetzt kursieren Leseproben und Rezensionen der Biografie im Internet – und die lassen Schlimmes erahnen: Der schwülstige Schreibstil der Texte lässt viele Leser offensichtlich an „50 Shades of Grey“ denken, die Reihe, die vielleicht für ihre Soft-Erotik bekannt, aber für die Qualität des Textes auch berüchtigt ist. Da war der Twitter-Hashtag schnell geboren: Unter #50shadesofkurz machen sich die User über die Biografie lustig, die noch gar nicht offiziell im Handel erschienen ist.

Link zur Leseprobe (Verlagshomepage) 

In der 20-seitigen Leseprobe, die den Prolog und Teile des ersten Kapitels umfasst, lassen sich beispielsweise Passagen wie diese lesen:

Zunächst erblickte ich nur eine Silhouette. ›Ist er es wirklich?‹, dachte ich mir. Ich sah lediglich einen Teil eines Kopfes, doch der kam mir bekannt vor. Diese dunkelbraunen Haare, die streng nach hinten gekämmt waren, und die kleine, spitze Nase, die aus seinem Gesicht hervorlachte. (…) Er trug einen dunkelgrauen Anzug, dazu schwarze Socken, schwarze Schuhe und ein weißes Hemd mit einer dunklen Krawatte, die fest saß. Und völlig unerwartet trat er mit einem Mal durch die Tür. Er sah aus dem Fenster und blickte gedankenversunken in die Ferne. Ob er uns wahrgenommen hatte, war fraglich. Das helle Sonnenlicht leuchtete in den Raum hinein. Doch das störte ihn nicht. Die Herbstsonne blendete sein Gesicht. Er war vertieft und in Gedanken versunken. Er fokussierte, und das schien – wie ich später erfuhr – ein Markenzeichen von ihm zu sein. Ein paar Sekunden lang beobachteten wir ihn gemeinsam.

Und für Leser, die noch nicht genug haben:

Der junge Außenminister war konzentriert und überdachte eine Angelegenheit, die ihn offensichtlich stark beschäftigte, so viel war gewiss. Es war ein besonderer Augenblick für mich. Denn ich sah einen Politiker bei seiner täglichen Arbeit, versunken in Gedanken über die beste Strategie. (…) Schließlich atmete er tief durch. Also sprang ich auf und ging einen Schritt auf ihn zu: »Herr Minister, wollen Sie sich zu uns setzen?« Dabei machte ich eine einladende Handbewegung zum schwarzen Ledersofa. Doch der Mann, der an die Türe gelehnt stand, schüttelte nur sanft seinen Kopf, weiter in die Leere blickend. Noch einmal atmete er tief durch, dann sah er uns in die Augen und nickte uns zu, bevor er sich umdrehte und wortlos aus dem Raum verschwand.

„Sebastian Kurz – Die offizielle Biografie“ lautet der Titel des Buchs, Autorin ist die österreichische Journalistin Judith Grohmann. Die habe Sebastian Kurz über die Jahre als Journalistin „intensiv“ begleitet, heißt es im Pressetext zu der Biografie – und das nimmt man der Leseprobe auch ab. Das Buch erscheint im Münchner Finanzbuchverlag und kostet 25 Euro.

Klar, dass die Twitter-Gemeinde ihren Heidenspaß mit dem Text hat. Unter dem Hashtag #50shadesofkurz schreiben die User an ihrer eigenen Kurz-Biografie:

Sebastian Kurz wurde 2017 mit 31 Jahren zum jüngsten Kanzer in der österreichischen Geschichte gewählt. Der konservative ÖVP-Politiker koalierte mit der rechten FPÖ. Nach der Ibiza-Affäre beendete Kurz die Koalition und kündigte Neuwahlen an, im Mai 2019 wurde er nach einem Misstrauensvotum seines Amtes enthoben. Bei der für den 29. September terminierten Nationalratswahl tritt Kurz erneut als Spitzenkandidat der ÖVP an. Kurz gilt als Favorit.