ICE
Ein betrunkener Lokführer ist an Wittenberg vorbeigefahren. Die Deutsche Bahn hat sich inzwischen bei den betroffenen Fahrgästen entschuldigt. | Foto: Jan Woitas/Archiv

Mit 2,5 Promille unterwegs

Betrunkener Lokführer verpasst Halt in Wittenberg

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Die Fahrt mit dem ICE 993 von Hamburg nach Wittenberg dauert planmäßig etwas mehr als zweieinhalb Stunden. Verspätungen kann es zwar immer mal geben. Die Reisenden, die am Dienstagabend im Zug der Deutschen Bahn (DB) saßen und in der Lutherstadt aussteigen wollten, hatten jedoch mit großen Hindernissen zu kämpfen, wie nun bekannt wurde. Als „Verzögerung im Betriebsablauf“ bezeichnete die Bahn laut dpa später den Zwischenfall, der die abendliche Zugreise nun in die Schlagzeilen bringt.

Lokführer wird von Bundespolizei aus Führerstand geholt

Was war passiert? Statt planmäßig um 22:11 Uhr in Wittenberg im Hauptbahnhof zu halten, fuhr der Schnellzug an der Stadt in Sachsen-Anhalt vorbei. Der Zugchef habe dann Bundespolizisten angesprochen, die in dem ICE saßen. In Bitterfeld – dem nächsten planmäßigen Halt – sei der Lokführer dann aus dem Frührerstand geholt worden. Dies bestätigte inzwischen auch ein Sprecher der Bundespolizei Prina.

Atemalkoholwert von 2,49 Promille festgestellt

Die örtliche Polizei habe anschließend einen Atemalkoholwert von 2,49 Promille bei dem Lokführer festgestellt. Die Deutsche Bahn – die sich zu diesem Umstand laut dpa nicht äußern wollte – teilte lediglich mit, dass die genauen Umstände „derzeit gründlich untersucht“ würden. Die Reisenden, die in Wittenberg aussteigen wollten, mussten mit der S-Bahn zu ihrem eigentlichen Ziel zurückfahren. Die Deutsche Bahn entschuldigte sich bei den betroffenen Personen und kündigte entsprechende Entschädigungen an.

Züge fahren immer mal wieder an Bahnhöfen vorbei

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Lokführer mit dem Halt in Wittenberg schwertun: Vor zwei Jahren war am 4. Januar 2017 schon einmal ein ICE an der Stadt vorbeigefahren ohne zu halten. Glücklicherweise wurde das Missgeschick im letzten Augenblick bemerkt. Der Zug fuhr in den Bahnhof zurück. Ähnliche Fälle gibt es deutschlandweit immer wieder. Auch an Wolfsburg waren Züge bereits mehrfach vorbeigefahren.

Der Vorfall vom Dienstagabend könnte für den betrunkenen Mitarbeiter nun Konsequenzen haben. Für Lokführer gilt eine Null-Promille-Grenze. Diese dürfen ihre Arbeit nicht antreten oder fortsetzen, wenn sie durch berauschende Mittel – oder auch Medikamente – in ihrer „Arbeitsausführung beeinträchtigt“ sind. So steht es unter anderem im Haustarifvertrag für DB-Lokomotivführer, den die Gewerkschaft GDL mit der Deutschen Bahn ausgehandelt hat.