Der Pavillon aus Glas- und Kohlefaser für die Bundesgartenschau wurde digital geplant und von Robotern Stück für Stück präzise gefertigt.
Der Pavillon aus Glas- und Kohlefaser für die Bundesgartenschau wurde digital geplant und von Robotern Stück für Stück präzise gefertigt. | Foto: dpa

Innovation für Industriestadt

Bundesgartenschau Heilbronn: Erstmals leben Menschen auf dem Gelände

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Farbenprächtig strahlen Goldlack, Narzissen, Tulpen und Primeln auf dem früheren Industriegelände mitten in Heilbronn. Dabei sollen bei der Bundesgartenschau (Buga) 2019 von 17. April bis 6. Oktober Pflanzen nicht der einzige Blickfang sein – die Organisatoren in Heilbronn wagen eine Zukunftsvision.

Erstmals in der 68-jährigen Geschichte leben während der Buga auch Menschen auf dem Ausstellungsgelände. 22 Wohngebäude und eine Jugendherberge stehen dort – 400 Bewohner sind bereits eingezogen, ein Café und ein Kindergarten haben geöffnet. „Ein reales Labor“, so nennt das Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas.

Thema der Schau ist die Zukunft

Denn die Buga widme sich diesmal Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren, der Digitalisierung und Stadtentwicklung. Für die Besucher gibt es in manchen der Häuser Musterwohnungen zum Erkunden – Stadtausstellung heißt das Konzept.

Harry Mergel (SPD, l-r), Oberbürgermeister von Heilbronn, Thomas Strobel (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg, Oliver Toellner, Leiter Planung und Ausstellungskonzeption der Bundesgartenschau, und Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Bundesgartenschau, stehen vor der Eröffnung der Bundesgartenschau neben dem Maskottchen Karl.
Harry Mergel, Oberbürgermeister von Heilbronn, Thomas Strobel, Innenminister von Baden-Württemberg, Oliver Toellner, Leiter Planung und Ausstellungskonzeption der Bundesgartenschau, und Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Bundesgartenschau, stehen vor der Eröffnung der Bundesgartenschau neben dem Maskottchen Karl. | Foto: dpa

Flächenverbrauch ist beim Blick in die Zukunft der Städte ein drängendes Thema. Die Buga setzt auf verdichtete Bauweise, also viele Wohnungen auf wenig Raum. Das werde auch kritisch hinterfragt, räumt Faas ein. Aber es sei nun mal ressourcenschonend, es bliebe mehr Platz für Grünflächen oder Seen.

Nach Ende der Buga soll daraus ein Wohnquartier werden

Der Geschäftsführer betont: „Es geht darum, langfristig zu denken und langfristig zu verändern.“ Endet die Buga nach 173 Tagen, soll aus der Stadtausstellung ein Wohnquartier werden – mit 3 500 Wohn- und 1 000 Arbeitsplätzen. Trotz aller Zukunftsvisionen, die Pflanze steht nach Angaben der Macher weiterhin im Mittelpunkt.

Eine Million Blumenzwiebeln und Hunderttausende Frühjahrsblüher wurden auf dem Gelände inmitten von Heilbronn gesteckt und gepflanzt. Rund 100 bis 150 Gärtner hätten daran mitgearbeitet, sagt Rüdiger Eckhardt. Der Gärtner ist für die Bepflanzung verantwortlich. „Der Nachtfrost ist zum Glück ausgeblieben. Anfang nächster Woche soll es wärmer werden, dann geben die Blumen noch mal richtig Gas.“

Bundespräsident kommt zur Eröffnung

Die Vorbereitungen für die Eröffnung am Mittwoch kommender Woche, zu der sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angekündigt hat, laufen. Mit 13 000 Besuchern am Tag rechnen die Organisatoren, 30 000 könnten es zu Spitzenzeiten werden. Durch Eintrittsgelder müssen der Kalkulation zufolge rund 40 Millionen Euro in die Kassen gespült werden.

Gebäude der Stadtausstellung stehen vor der Eröffnung der Bundesgartenschau auf dem Gelände. Die Bundesgartenschau findet 17. April bis zum 6. Oktober statt.
Gebäude der Stadtausstellung stehen vor der Eröffnung der Bundesgartenschau auf dem Gelände. Die Bundesgartenschau findet 17. April bis zum 6. Oktober statt. | Foto: dpa

Die Kosten für die Buga liegen demnach bei etwa 194 Millionen Euro – die Stadt Heilbronn übernimmt davon rund 94 Millionen Euro, das Land Baden-Württemberg rund 60 Millionen Euro. Innenminister Thomas Strobl (CDU) bezeichnete die Ausstellung als Aushängeschild für das ganze Land. Baden-Württemberg zeige sich „auf der Buga als ein innovatives, zukunftsorientiertes und facettenreiches Land“, sagte Strobl.

Stadtteil war ehemals eher schmuddelig

Dafür musste unter anderem das Areal direkt hinter dem Heilbronner Hauptbahnhof – früher Hafen- und Industriegebiet, zuletzt Brachfläche – komplett umgekrempelt werden. Die Ecke war eher als schmuddelig verrufen und das Aufräumen gestaltete sich entsprechend aufwendig.

Gut 300 Tonnen Schrott wurden aus dem Boden geholt, 13 Tonnen Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg entsorgt. Zur Buga sind rund 5 000 Veranstaltungen geplant, darunter Konzerte, Theater, Lesungen und Tanz. Diese Veranstaltungen sind in der Tageskarte inklusive.

dpa