Notre-Dame steht in Flammen
Notre-Dame stand am Montagabend in Flammen. | Foto: Michael Euler/AP

Kuppenheimer erlebt Brand mit

Augenzeugenbericht aus Paris: Chorgesang und Alarmsirenen in Notre Dame

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Am Tag danach steht Mathias Eisele im berühmten Kaufhaus Galerie Lafayette und beobachtet die Menschen im fröhlichen Einkaufstrubel. Es ist, als wäre in Paris gar nichts außergewöhnliches passiert. Dann fällt aber sein Blick auf einen Zeitungskiosk mit den Katastrophenbildern auf vielen Titelseiten, und dem 43-Jährigen aus Kuppenheim wird wieder bewusst, dass er nur Stunden zuvor Augenzeuge einer großen Tragödie war, die einmal in den französischen Geschichtsbüchern stehen wird.

Gemeinsam mit seiner Freundin war Eisele am Montagabend einer der letzten Besucher von Notre Dame, die aus dem brennenden Wahrzeichen von Paris in Sicherheit gebracht wurden. Er sei schon häufiger in Paris gewesen, aber die Kathedrale noch nie gesehen, erzählt der Lehrer an einer Gernsbacher Gemeinschaftsschule am Dienstag in einem Telefongespräch mit den BNN.

Er betrat die Kathedrale kurz nach 18 Uhr

„Die Warteschlange für den Eintritt war ewig lang. Wir kamen darum erst kurz nach 18 Uhr hinein und wollten uns zunächst einen Reliquienschrein anschauen. Der Gottesdienst hatte eben begonnen, die Glocken läuteten, es gab einen schönen Chorgesang – und dann ist es plötzlich passiert.“

Mein erster Gedanke war also: Terroralarm.

Ein lauter Sirenenton schreckte den Badener auf, der in dem Moment direkt vor einem Lautsprecher stand. Eine Durchsage vom Band bat alle Besucher, sich „zu ihrer eigenen Sicherheit“ zum Ausgang zu begeben.

Binnen fünf Minuten war Notre Dame plötzlich leer

„Drinnen war es sehr voll, aber die Evakuierung lief sehr entspannt und professionell ab. Gar keine Panik, binnen fünf Minuten war die Kathedrale leer“, erinnert sich Eisele. Einen Brandgeruch habe er nicht gemerkt.
Draußen fielen dem Paris-Urlauber einige bewaffnete Polizisten auf, die vor Notre Dame standen.

„Mein erster Gedanke war also: Terroralarm. Vielleicht ist in Paris etwas passiert.“ Er wählte die Nummer seines Vaters in Deutschland und sagte ihm, er solle sich keine Sorgen machen, wenn er am Abend die Nachrichten schauen werde.

Auf einmal hing eine Rauchglocke über der Stadt.

Von einer Brücke auf dem Weg zum Hotel sah Eisele dann die Flammen an der Kathedrale hochschlagen. Und dann war da noch der giftige, grüngelbe Rauch: „Man sah nicht genau, wo der herkam, aber auf einmal hing eine Rauchglocke über der Stadt. Und von überall kam dieses Blaulicht-Geheul her.“

Auf der Straße weinten Menschen

Im Internet hätte er erfahren, wie schlimm es um das Kulturdenkmal stand. „Einige Menschen weinten, die Stimmung war bedrückt“, sagt Eisele, „aber auf der nächsten Brücke sah ich strahlende Brautpaare, die sich fotografieren ließen, als wäre dies ein ganz normaler Tag.“