Haus in Wuppertal
Blick auf das Wohnhaus des ermordeten Unternehmer-Ehepaares in Wuppertal. | Foto: Holger Battefeld

Ging es ums Erbe?

Doppelmord an Unternehmer-Paar: Enkel vor Gericht

Wuppertal (dpa) – Ein Jahr nach dem Doppelmord an einem vermögenden Wuppertaler Unternehmer-Ehepaar beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter. Am Wuppertaler Landgericht ist der 26-jährige Enkel der Mordopfer angeklagt sowie sein 45-jähriger mutmaßlicher Komplize.

Beide sollen die 91 und 88 Jahre alten Eheleute erst niedergeschlagen und dann erdrosselt haben.

Die Anklage wirft dem Spross der Fabrikantenfamilie Mord aus Habgier vor. Es soll ums beträchtliche Erbe gegangen sein. Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer Anklage auf DNA-Spuren, Faserfunde und Telekommunikationsdaten. 76 Zeugen und acht Sachverständige wurden benannt.

Bereits am ersten Verhandlungstag ist eine Reihe von Zeugen geladen. Das Gericht hat bis September zunächst 35 Verhandlungstage angesetzt. Den Angeklagten droht lebenslange Haft.  

Der Spross der Fabrikantenfamilie war von seinen Großeltern finanziell unterstützt worden und soll befürchtet haben, dass der Geldfluss abreißt, weil er heimlich sein Studium abgebrochen hatte. Es soll sogar im Raum gestanden haben, dass seine Großeltern ihn als Haupterben aus dem Testament streichen.

Als Nebenkläger tritt in dem Verfahren der Sohn der Mordopfer auf – der zugleich der Vater des mutmaßlichen Doppelmörders ist. Um die Tat wie einen Einbruch aussehen zu lassen, sollen die Angeklagten nach dem Doppelmord das Wohnzimmer durchwühlt und unter anderem eine Vitrine zerstört haben. Doch die Mordkommission war schon zu Beginn der Ermittlungen stutzig geworden, weil am Tatort nichts Wertvolles zu fehlen schien.

Als Mäzene und Sponsoren hatten die Opfer, Enno und Christa Springmann, viele Jahre lang in Wuppertal Künstler und Kunst unterstützt. Entsprechend groß war in der Stadt die Bestürzung über das Verbrechen.