WDR in Köln
Der WDR hat sein satirisches Kinderchorlied gelöscht. | Foto: Oliver Berg/dpa

Kommentar

Oma als „Umweltsau“: Schlechte Satire ist gefährlich

Anzeige

Der Kinderchor des WDR stellte in einem Lied die Oma als „Umweltsau“ dar. Die missglückte Satire des Senders heizt einen ohnehin vorhandenen Generationen-Konflikt unnötig an. Ein Kommentar.

Die Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt, war schon längst vergessen. Das alte Kinderlied wurde nun aber in einer schlechten Version erneuert. Der Kinderchor des WDR sang von der Oma als „Umweltsau“. Es ist übertrieben, die Satire als Affront auf die eigenen Großeltern zu sehen – schließlich handelt die originale Fassung auch nicht von einer realen alten Dame.

Und doch hat der WDR mit der missglückten Satire-Aktion Schaden angerichtet. Das Lied verstärkt unnötigerweise einen Generationen-Konflikt, der in der Umwelt-Debatte ohnehin vorherrscht. Tausende demonstrierende Schüler auf den Marktplätzen weisen deutlich darauf hin: Wir sind nicht zufrieden mit euch. Angesprochen werden Politiker, Unternehmer, Eltern – ältere Semester als die protestierenden Schüler.

Schlechte Satire ist gefährlich

Die Oma als „Umweltsau“ geriet auch deswegen zum Marketing-Desaster. Viel zu leicht machte es der WDR den Rechtsextremen, die die Vorlage gerne aufnahmen und am Sonntag in der Nähe des Senders demonstrierten. Die Rechtfertigung des Programmchefs, man habe nicht lange genug darüber nachgedacht, ist bedenklich.

Ähnlich kurz gedacht war der als Umwelt-Satire gedachte Tweet der „Fridays for Future“-Bewegung vor Weihnachten („Warum reden uns die Großeltern eigentlich noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.“). Die Diskussion drehte sich über Tage nur noch um den Generationen-Konflikt.

Die Fälle zeigen: Schlechte Satire ist gefährlich bei elementaren Themen, die mit weniger Emotion und mehr Sachlichkeit vorangetrieben werden müssten.