Life Ball - Conchita
Conchita ist der Zirkusdirektor. | Foto: Georg Hochmuth/APA

Aids-Charity

Tanz, Tüll und ein paar Tränen: Letzter Life Ball in Wien

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Wien (dpa) – In rauschenden Roben und teils gewagten Kostümen haben die Wiener mit internationaler Prominenz den letzten Life Ball am Rathaus gefeiert.

Passend zum Thema Zirkusspektakel ließen sich am Samstagabend mehrere tausend Gäste zu fantasievollen Kostümen mit Tüll oder Federn, groteskem Make-up oder XXL-Perücken inspirieren. «Bis ans Ende des Regenbogens» müsse an dem Abend getanzt werden, forderte Mitgründer Gery Keszler zum Auftakt.

«Die menschliche Spezies treibt wunderbare Blüten. Sehen Sie das Leben in all seiner Pracht», lud Tom Neuwirth die Gäste ein. Der Künstler, der als Dragqueen Conchita Wurst 2014 für Österreich den Eurovision Song Contest gewonnen hatte, führte als gruseliger Zirkusdirektor durch den Abend. Die «Rocky Horror Picture Show» ließ grüßen: Neuwirth trat mit schwarz geschminkten Augen, Zylinder, Netzstrümpfen und viel nackter Haut unter einem schwarzen Mantel auf. Motto des Balls war «United in Diversity» (In Vielfalt vereint).

Den Life Ball gibt es seit 1993. Es war eine der größten Wohltätigkeitsveranstaltungen Europas zugunsten der Aidshilfe. In den vergangenen Jahren kamen jeweils mehr als zwei Millionen Euro Erlös für die Unterstützung von Menschen, die mit dem Aids-Erreger HIV infiziert sind, und zur Bekämpfung der Immunschwäche zusammen. Jedes Jahr nahmen daran viele Prominente, Models, Politiker und wohlhabende Spender teil.

Über einen großen weißen Teppich schritten Horrorclowns, Freaks, sexy Artisten und Paradiesvögel in Regenbogenfarben zum Rathaus. Unter den Promis waren die US-Schauspielerin Katie Holmes und die deutsche Schauspielerin Nastassja Kinski. Burlesque Tänzerin Dita Von Teese trat im rot- weißen Federkleid auf. Die US-Sängerin Keala Settle schmetterte den Song «This Is Me» über Toleranz und Gleichberechtigung, dann erinnerte der Ball an die Stonewall-Aufstände in New York vor 50 Jahren, die als Startpunkt der Lesben- und Schwulenbewegung gelten.

Viele Prominente waren per Videobotschaft dabei, darunter der frühere US-Präsident Bill Clinton. Lorna Luft, die Tochter von Judy Garland, sang wie einst ihre Mutter im Film «Der Zauberer von Oz» aus dem Jahr 1939, zum Schluss «Somewhere Over the Rainbow».

Mitgründer Gery Keszler hatte zuvor angekündigt, es werde der letzte Life Ball sein. «Wir haben einen Leuchtturm der Lebensfreude gebaut», sagte er und musste sich zeitweise mit tränenerstickter Stimme durch seinen Text kämpfen. «Wir werden uns hier, am Wiener Rathausplatz, wiedersehen: wenn es das Ende von Aids zu feiern gibt. Das Leben darf siegen.»

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig will das Ende des Fests nicht akzeptieren: «Ich bin ganz sicher, die Idee des Life Balls muss weiter bestehen, weil wir den Life Ball brauchen, auch in Zukunft. Ich bin bereit dazu, der Life Ball muss weitergehen», meinte er. Organisator Keszler hatte im Mai mitgeteilt, das Event könne nicht mehr finanziert werden. Es sei in letzter Zeit immer schwieriger geworden, Sponsoren und Spender für den Ball gewinnen zu können.