Trump besucht Waldbrandgebiet
Donald Trump spricht mit Jody Jones, der Bürgermeisterin von Paradise, das von den Waldbränden zerstört wurde. | Foto: Evan Vucci/AP

Opferzahl auf 73 gestiegen

Trump besucht Brandgebiet in Kalifornien

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Paradise (dpa) – US-Präsident Donald Trump hat sich vor Ort ein Bild der Zerstörung bei den schweren Waldbränden in Kalifornien gemacht.

Der Präsident besuchte die Gegend um den besonders heftig betroffenen Ort Paradise im Norden des Westküstenstaates. «Das ist sehr traurig mit anzusehen», sagte er zum Ausmaß der Schäden. Der Republikaner dankte den Rettungskräften und sagte Kalifornien die Unterstützung der Regierung in Washington zu.

Die Brände haben in Kalifornien seit der vergangenen Woche gigantische Schäden angerichtet. Allein das «Camp Fire» im Norden konnte sich auf einer Fläche von fast 60.000 Hektar ausbreiten. Nach Angaben von Kaliforniens Feuerschutzbehörde wurden davon inzwischen 55 Prozent eingedämmt. Nach dem bisherigen Stand gab es dort mindestens 71 Tote. Mehr als 1000 Menschen wurden noch vermisst. Im «Woolsey»-Feuer nahe Los Angeles kamen laut US-Medienberichten insgesamt drei Menschen ums Leben.

Der kleine Ort Paradise nördlich von Sacramento wurde durch das Feuer zu großen Teilen zerstört. Trump besuchte dort einen Wohnwagenpark, von dem nur noch Trümmer übrig waren. Aufnahmen zeigten ausgebrannte Autos, verkohlte Ofen und ein Haus, von dem offenbar nur noch der Schornstein stand. Im Anschluss reiste der Präsident weiter in eine Einsatzzentrale in Chico. Dort pries er erneut die Arbeit der Rettungskräfte. Sie würden «wie verrückt» gegen die Brände kämpfen. Es sei eine «totale Verwüstung», erklärte er.

Trump hat für die schlimme Lage das Forstmanagement verantwortlich gemacht. Auf die Frage, ob der Klimawandel eine Ursache sei, sagte er am Samstag, es gebe mehrere Faktoren. Derzeit scheine das Forstmanagement ein «sehr großes Problem» zu sein.

Kaliforniens Feuerwehrverband hatte zu Trumps Vorwürfen in den vergangenen Tagen erklärt, die Brände entstünden und verbreiteten sich nicht nur in Forstgebieten. Zudem seien fast 60 Prozent der kalifornischen Wälder unter Bundeskontrolle und rund ein Drittel in privater Hand. Experten hatten eine lange Dürre, verdorrte Vegetation und extreme Winde als Mitursachen für das Ausmaß der Brände genannt.

Trump wurde bei seinem Besuch vom scheidenden Gouverneur des Bundesstaates, Jerry Brown, sowie dessen Nachfolger Gavin Newsom begleitet. Brown lag in der Vergangenheit immer wieder im Clinch mit Trump – dabei ging es etwa um Fragen der Umwelt- und Migrationspolitik. Kalifornien gilt unter den US-Bundesstaaten als führend im Kampf gegen den Klimawandel.

Als Trump am Samstag gefragt wurde, ob das Ausmaß der Zerstörung etwas an seiner Haltung zum Klimawandel geändert habe, verneinte er dies. Der Präsident hatte die Existenz eines von Menschen verursachten Klimawandels in der Vergangenheit immer wieder angezweifelt.

Während Trump Kalifornien besuchte, setzten Rettungskräfte ihre Suche nach Überlebenden und Toten fort. Viele der geborgenen Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Nach offiziellen Angaben wurden 1011 Menschen vermisst. Die Behörden sprachen aber davon, dass viele Menschen wegen ausgefallener Mobilfunknetze nicht zu erreichen seien oder sich nicht gemeldet hätten. «Viele Leute sind vom Feuer vertrieben worden, und wir stellen fest, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass wir nach ihnen suchen», zitierte der Sender CNN den Sheriff von Butte County, Kory Honea.

Die Folgen der Katastrophen sind in weiten Teilen Kaliforniens zu spüren. Die Behörden warnten vielerorts vor gefährlicher Rauchbelastung und schlechter Luftqualität. Im Raum San Francisco, rund 250 Kilometer südlich von Paradise, trugen vielen Menschen auf den Straßen Schutzmasken. Vor allem älteren Personen, Kranken und Kindern wurde geraten, in ihren Häusern zu bleiben.

Auf dem Weg nach Kalifornien: Donald Trump auf der Gangway der Air Force One. | Foto: Evan Vucci/AP
Unfassbare Flammengewalt: Die Frontscheibe eines VW Käfer ist durch die Hitze des Camp-Feuers geschmolzen. | Foto: Paul Kuroda/ZUMA Wire
Überreste von ausgebrannten Wohnhäusern in der Stadt Paradise. | Foto: Noah Berger/AP
Freiwillige Rettungskräfte suchen in den Trümmern von Häusern, die dem «Camp»-Feuer zum Opfer gefallen sind, nach menschlichen Überresten. | Foto: Terry Chea/AP
Wie aus einem Horrorfilm: Ein bei den kalifornischen Waldbränden ausgebranntes Auto wird in der Nacht von einem patrouillierenden Feuerwehrfahrzeug beleuchtet. | Foto: Paul Kuroda/ZUMA Wire
Paradise als Hölle: Ein ausgebrannter Pkw, Trümmer, ein einsamer Kaminschlot. | Foto: Barbara Munker
Mitglieder der California Army National Guard machen bei der Suche nach Leichen in abgebrannten Häusern eine Pause. | Foto: John Locher/AP
Die Brände in Kalifornien haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald verkohlt, Tausende Häuser zerstört – und sind noch lange nicht eingedämmt. | Foto: Zhao Hanrong/XinHua
Nachdem David Castro (29) und sein dreijähriger Sohn Harlan ihr Haus im sogenannten «Camp»-Feuer verloren haben leben sie jetzt teilweise im Auto von Freunden oder in Notunterkünften. | Foto: Barbara Munker
Der Ort Paradise nördlich von Sacramento gleicht nach dem «Camp»-Inferno einer Geisterstadt. An der Zugangsstraße warnen Grundstücksbesitzer Plünderer vor Diebstählen. | Foto: Hector Amezcua/Sacramento Bee