Ein Borkenkäfer krabbelt im Schwarzwald über eine Ein-Cent-Münze, die auf einer Fichtenrinde liegt.
Ein Borkenkäfer krabbelt im Schwarzwald über eine Ein-Cent-Münze, die auf einer Fichtenrinde liegt. | Foto: Deck (dpa)

Entwarnung im Nationalpark

Borkenkäfer bedroht Wälder im Südschwarzwald und Oberschwaben

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Der Borkenkäfer bedroht Wälder in Oberschwaben und im Südschwarzwald. Das bestätigt das Agrarministerium in Stuttgart auf eine Anfrage der FDP-Landtagsabgeordneten Friedrich Bullinger und Klaus Hoher. In diesen Gebieten habe die Gefährdungslage durch den Buchdrucker, dem gefährlichsten Fichtenborkenkäfer, „deutlich zugenommen“.

Fichte ist häufigste Baumart im Schwarzwald

Die Fichte ist die häufigste Baumart im Schwarzwald. Ursprünglich dominierten dort Tannen und Buchen. Unter dem Einfluss des Menschen erhielten Fichte und Kiefer jedoch ein Übergewicht.

An den Rändern des Nationalparks Schwarzwald, die an private und kommunale Waldflächen grenzen, droht dagegen an der Borkenkäferfront derzeit keine Gefahr. Dort seien „nur geringe Mengen an Borkenkäferholz“ angefallen, heißt es in der Stellungnahme.

Nur geringer Befall im Nationalpark

Die Angst vor einer massiven Vermehrung des Borkenkäfers und dessen Ausbreitung auf angrenzende private und kommunale Wälder war eines der Hauptargumente der Nationalpark-Gegner. Obwohl die Witterung die Vermehrung des Borkenkäfers begünstigt habe, sei bislang im Schutzgebiet zwischen Freudenstadt und Baden-Baden nur ein „geringer Borkenkäferbefall“ aufgetreten, resümiert das Ministerium.

Pufferzone um den Nationalpark wird kontrolliert

In der Pufferzone – rund 1 300 Hektar – um den in zwei Flächen aufgeteilten Nationalpark seien bis jetzt 50 Festmeter Käferholz entdeckt und aufgearbeitet worden. Auch in der Kernzone des Schutzgebiets – dort wird die Natur sich selbst überlassen und der Mensch greift nicht mehr ein – seien „keine nennenswerten neuen Befallsflächen“ in Erscheinung getreten.

Lage kann sich schlagartig ändern

Insgesamt beschränkten sich die Borkenkäferherde in der Kern- und Entwicklungszone des Nationalparks, die 75 Prozent der Gesamtfläche von 10 000 Hektar ausmachen, auf Flächen mit einer Größe von „maximal 0,3 Hektar“, hatte jüngst das Staatsministerium in Stuttgart auf eine Anfrage der SPD mitgeteilt. Allerdings wird eingeräumt, dass sich die Situation nach „Normaljahren“ bei einer massiven Vermehrung des Käfers „schlagartig ändern“ könne.

Befallene Bäume werden in Pufferstreifen sofort gefällt

In den Pufferstreifen um das Schutzgebiet, für die die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg zuständig ist, sei die Borkenkäferkontrolle „sehr intensiv“ – mit wöchentlichen Rundgängen. Das Borkenkäfermanagements ist auch im Nationalparkplan festgeschrieben. Werden befallene Bäume entdeckt, würden diese sofort gefällt und alle am Management Beteiligten über den aktuellen Sachstand informiert.

Der Nationalpark Schwarzwald war in der Region heftig umstritten. Inzwischen sind die Kritiker weitgehend verstummt.
Der Nationalpark Schwarzwald war in der Region heftig umstritten. Inzwischen sind die Kritiker weitgehend verstummt. | Foto: Deck (dpa)

„Eine Ausbreitung des Borkenkäfers vom Nationalpark in die angrenzenden Wirtschaftswälder hat nicht stattgefunden“ heißt es aus dem Staatsministerium. Ein regelmäßiger Borkenkäfer-Informationsdienst (Newsletter) wird auf der FAV-Homepage der (www.fva-bw.de) veröffentlicht.

Rückläufige Preise für Nadel-Stammholz erwartet

Sturmschäden im Osten des Landes und im Südschwarzwald sowie trocken-warme Sommermonate in den Jahren 2015 und 2016 seien die Ursache für Borkenkäfer-Massenvermehrungen gewesen, bilanziert das Agrarministerium. Diese Gradationen würden dort bis heute anhalten.

Stumholz aus anderen Bundesländern ist auf dem Markt

Das Fichtenholz, das wegen des Käferbefalls geschlagen wird, sei aber nicht die Hauptursache für den erwarteten Preisrückgang bei Nadel-Stammholz. Diesen Trend hätten die sehr großen Sturmholzmengen vom Januar in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie „erhebliche Käferholzmengen“ in Bayern eingeleitet.

 Borkenkäfer gehören zum Wald wie Bäume, Fuchs und Co. Der Buchdrucker ist der gefährlichste Fichtenborkenkäfer. Er bevorzugt ältere Fichten. Gegen einen Käferangriff kann sich der Baum mit Harzfluss wehren, der den Feind tötet. Bohren sich jedoch sehr viele Käfer in den Stamm, ist das natürliche Abwehrsystem machtlos. Hat sich der Käfer erst einmal eingenistet, lockt er mit einem Duftstoff seine Artgenossen an. Nach dem massiven Befall droht eine massive Vermehrung. Dann werden auch jüngere Bäume attackiert.