Menschenliebe und leisen Humor bringt der finnische Film "Die andere Seite der Hoffnung" in den Berlinale-Wettbewerb. | Foto: Malla Hukkanen/Berlinale

Eindrücke von der Berlinale

Britischer Zoff und finnischer Tango

Anzeige

Kurz, aber heftig ist der britische Berlinale-Beitrag “The Party”, in dem Regisseurin Sally Potter eine exzellente Besetzung – unter anderem Kristin Scott Thomas, Bruno Ganz, Patricia Clarkson, Timothy Spall und Cillian Murphy – in einem Wohnraum aufeinanderprallen lässt. Was als kleine Party zur Feier eines großen politischen Erfolgs gedacht ist, wächst sich in 70 furiosen Filmminuten zur Abrissbirne sämtlicher Partner- und Bekanntschaften aus – und zwar so wendungsreich und irrwitzig, dass schon bei der Pressevorstellung lauthals gelacht und heftig applaudiert wurde. 

Wortgefechte in Schwarzweiß: Patricia Clarkson und Bruno Ganz in "The Party".
Wortgefechte in Schwarzweiß: Patricia Clarkson und Bruno Ganz in „The Party“. | Foto: Adventure Pictures / Berlinale

Noch euphorischer aufgenommen wurde der neue Film von Aki Kaurismäki. “Toivon Tuolla Puolen” (Die andere Seite der Hoffnung), der erste Film des finnischen Kultregisseurs seit sechs Jahren, handelt von zwei Neuanfängen: Der junge Syrer Khaled hofft in Finnland auf Asyl, der ehemalige Hemdenhändler Wikström hofft auf Erfolg in seinem Versuch, als Restaurantbesitzer ein neues Leben zu beginnen.

Schicksalsgemeinschaft: Die Figuren in Aki Kaurismäkis neuem Film "Die andere Seite der Hoffnung".
Schicksalsgemeinschaft: Die Figuren in Aki Kaurismäkis neuem Film „Die andere Seite der Hoffnung“. | Foto: Malla Hukkanen/Berlinale

Bis beide sich begegnen, erzählt Kaurismäki mit dem ihm eigenen lakonischen Humor einerseits von den unbeirrbaren Mühlen der Asylbürokratie und andererseits von der unerschütterlichen Improvisationskunst des neuen Restaurantchefs und seiner Angestellten. Ganz unaufdringlich vermittelt der Film, dass Überleben auf Anpassungsfähigkeit beruht – und dass Empathie für den Fremden nicht das Aufgeben der eigenen Identität bedeutet, sondern im Gegenteil aus einer wirklich eigenen, innerlich gefestigten Identität heraus gespeist wird. Am 30. März ist Kinostart dieses Films, dessen hohe Musikalität übrigens von Hauptdarsteller Sakari Kuosmanen bei der Pressekonferenz unterstrichen wurde: Angesprochen auf das Thema “Finnischer Tango” gab er eine spontane Gesangseinlage.