Bürgermeister Andreas Glaser
Erster Tag als Bürgermeister: Andreas Glaser in seinem neuen Büro im Bruchsaler Rathaus. | Foto: Heintzen

Amtsantritt in Bruchsal

Glaser: Zu viel Macht als Finanz-Bürgermeister?

In Bruchsal hat Bürgermeister Andreas Glaser sein neues Amt zum 1. September angetreten. Doch über seinen Verantwortungsbereich ist noch nicht abschließend entschieden. Der ehemalige Stadtkämmerer reklamiert auch in seiner neuen Rolle als Bürgermeister die Zuständigkeit für den Finanzbereich. Nach seinem Willen soll das Schlüsselressort Finanzverwaltung aus dem Dezernat von Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick herausgelöst und künftig seinem Dezernat zugeordnet werden. Ob die Rathauschefin diese Machtverschiebung tatsächlich billigen wird, ist noch unklar.

Kein Bild hängt an den frisch getünchten Wänden des Eckbüros mit Blick zur Stadtkirche. Auch der von Vorgänger Ulli Hockenberger (60) übernommene Schreibtisch ist noch weitgehend leer. Bruchsals neuer Bürgermeister Andreas Glaser steckt trotzdem schon mitten in der Arbeit an diesem 1. September, der seinen Dienstbeginn markiert. Nach einem Wanderurlaub mit der Familie in den Stubaier Alpen warten in Bruchsal die Aktenberge. Viele der Unterlagen sind aber noch in seinem alten Büro der Finanzverwaltung. Der 49-jährige bisherige Kämmerer der Stadt Bruchsal war vom Gemeinderat am 5. Juli mit großer Mehrheit zum neuen Ersten Beigeordneten gewählt worden. (Die BNN berichteten.)

Neue Stelle, alte Probleme

Seit gestern lautet Glasers Stellenbezeichnung deshalb „Bürgermeister“. Die Themen und Probleme sind weitgehend die alten geblieben: Breitbandausbau und die Entwicklung der westlichen Innenstadt beschäftigen ihn an diesem ersten Tag. „Die Arbeit hat heute mit dem Jour-Fixe der Verwaltung zur Bahnstadt begonnen“, erklärt er und legt los: In den nächsten Wochen soll es tatsächlich mit der lange erwarteten Wohnbebauung auf dem ehemaligen Messplatz losgehen, sagt er, und bekräftigt eine entsprechende Aussage von Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause. Der Projektverantwortliche habe bereits konkret ein Bauunternehmen beauftragt. Andere Baufelder seien in der Vorbereitungsphase und mit Investoren werde über weitere Vorhaben verhandelt.

Bürgermeister und OB im Vier-Augen-Gespräch

Ein Vier-Augen-Gespräch steht für Glaser am Nachmittag an. Mit seiner Chefin OB Petzold-Schick gilt es die künftige Dezernatsverteilung zu besprechen. Als neuer Leiter des „Dezernats 2“ will Glaser erklärtermaßen auch die Finanzverwaltung beaufsichtigen, die bislang dem „Dezernat 1“ der OB unterstellt ist. Der Vorteil liegt auf der Hand: Als bisheriger Chef der Finanzverwaltung hat Glaser hier die bestmögliche Expertise. Das könnte aber möglicherweise auch als Nachteil gesehen werden. In kommunalpolitischen Kreisen wurde jedenfalls schon gemunkelt, ob solch ein neuer „Finanz-Bürgermeister“ nicht doch ein bisschen zu mächtig sein könnte? Glaser lächelt solche Bedenken auf sympathische Weise weg. Mit mächtig habe das nichts zutun, allenfalls mit praktisch. Zumal das Finanzressort ausgedünnt ist. Dort fehlt seit Kurzem auch Glasers ehedemer Stellvertreter Alfred Koppitz, der in den Ruhestand ging.

 

OB petzold
Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick. | Foto: htz (Archiv)

Haushalt unter erschwerten Bedingungen

Dabei bleibt viel zu tun: Der kommende Haushaltsplan muss mal wieder unter erschwerten Bedingungen erstellt werden, denn nach jüngsten Prognosen nimmt die Stadt in nächster Zeit weniger Gewerbesteuer ein als eigentlich erhofft. Das erfordert nicht nur Rechenkünste in der Kämmerei, sondern manch kluge Entscheidung an der Rathausspitze. Politische Entscheidungen über Prioritäten sind angesagt. Bürgermeister Glaser stellt schon mal klar: „Für einen genehmigungsfähigen Haushalt werden wir sicher nicht alle gewünschten Projekte schnell umsetzen können.“

In der Bruchsaler Stadtverwaltung gibt es zwei Dezernate, die jeweils von der Oberbürgermeisterin („Dezernat 1“) und vom Bürgermeister („Dezernat 2“) geführt werden. Die OB leitet überdies die Gesamtverwaltung.  Der derzeit gültige Dezernatzsverteilungplan vom 29. April 2014 sieht folgende Aufgabenverteilung vor:
Oberbürgermeisterin: Amt für Familie und Soziales; Finanzverwaltung; Hauptamt; Personalamt; Schul- und Sportamt; Stadtplanungsamt. Zudem zeichnet die OB verantwortlich für diese städtischen Tochterunternehmen: BTMV (Stadtmarketing); Wohnungsbaugesellschaft; Wirtschaftsförderung; Stadtwerke und den Zweckverband Musik- und Kunstschule.
Bürgermeister: Baubetriebshof; Bau- und Vermessungsamt; Ordnungsamt; Rechtsamt; Standesamt.
Zudem gehören zum zweiten Dezernat der Eigenbetrieb Abwasser sowie der Stadtbusverkehr und auch die Zweckverbände Klärschlammverband, Wasserversorgung und die Abwasserverbände.
Über die künftige Verteilung führen die Oberbürgermeisterin und der Bürgermeister derzeit Gespräche. Der künftige Zuschnitt könnte laut Stadtverwaltung nach Befassung im Ältestenrat dem Gemeinderat zur Beschlussfassung bereits in der nächsten Ratssitzung Ende September vorgelegt werden.

Pdf-Dokument: Der bisherige Dezernatsverteilungsplan der Stadt Bruchsal.
Weitere Informationen zur Dezernatsverteilung auf der Website der Stadt Bruchsal.