Rocken am Samstag, 22. Juni 2018, in Stuttgart: : Ron Wood (von links nach rechts)), Mick Jagger, Charlie Watts und Keith Richards von der englischen Rockband The Rolling Stones.
Rocken am Samstag, 30. Juni 2018, in Stuttgart: : Ron Wood (von links nach rechts), Mick Jagger, Charlie Watts und Keith Richards von der englischen Rockband The Rolling Stones. | Foto: dpa

Jagger und Co in Stuttgart

Das letzte Open-Air der Rolling Stones in Baden-Württemberg?

Die allerjüngsten sind die Herren nun wirklich nicht mehr: Sänger Mick Jagger feiert am 26. Juli seinen 75. Geburtstag, Gitarrist Keith Richards hat den auch noch in diesem Jahr (am 18. Dezember) – und Schlagzeuger Charlie Watts musste sogar an seinem 77. arbeiten: Er saß Anfang des Monats, am 2. Juni, hinter dem Schlagzeug. Da gaben die Rolling Stones im Fußballstadion im englischen Coventry auf ihrer aktuellen „No Filter“-Tour ein weiteres Open-Air-Konzert.

Nach dem Auftritt  in Berlin (22. Juni 2018) und einem Abstecher nach Marseille in Südfrankreich am Dienstagabend (26. Juni 2018) rollt die dienstälteste Rockband der Welt jetzt nach Stuttgart. Rund 40 000 Fans werden zu ihrem Konzert an diesem Samstag in der Mercedes-Benz-Arena erwartet. Es könnte ein historisches Spektakel werden: das vielleicht letzte (Open-Air-)Konzert der Stones in Baden-Württemberg.

Tickets: ab 105 Euro aufwärts

Immer wieder wird darüber spekuliert, wie lange die Herren den Tourstress noch auf sich nehmen. Des Geldes wegen müssten sie sich das nicht mehr antun. Vor allem Sänger Mick Jagger gilt als ein außerordentlich cleverer Geschäftsmann. Finanzielle Sorgen dürften aber auch keinen seiner Kollegen plagen, eher manchen Stones-Fan. Anhänger der Band mussten für eine Eintrittskarte tief in die Tasche greifen. Die „billigsten“ Tickets gab es ab 105 Euro, für sogenannte VIP-Pakete sind bis zu über 1 000 Euro zu berappen.

It’s Only Rock ’n‘ Roll, But I Like It

„It’s Only Rock ‘n’ Roll, But I Like It“ – den Stones-Hit haben viele Fans verinnerlicht und lassen sich auch durch Höchstpreise von einem Besuch eines Konzertes ihrer Idole nicht abschrecken. Ausverkauft ist das Musikspektakel aber noch nicht. Restkarten soll es an der Tageskasse geben. Ein Zeichen dafür, dass die Stones, die es seit dem Jahr 1962 gibt, in der Fan-Gunst doch nicht mehr ganz so hoch stehen wie in früheren Jahren?

1976: Stadionkonzert-Premiere in Stuttgart

Sollte das Konzert am Samstag (22. Juni 2018) wirklich der letzte Stones-Gig im „Ländle“ sein, wäre es nicht das erste Mal, dass Mick Jagger und Keith Richards mit Band in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Geschichte schreiben. Als sie vor fast genau 42 Jahren, am 19. Juni 1976, in der Stuttgarter Fußballarena rockten – die hieß damals noch Neckarstadion – war das eine Premiere: Zum ersten Mal spielte eine Rockband in Deutschland in einem Fußballstadion. Es soll auch das erste Open-Air der Briten in Deutschland gewesen sein.

Mick Jagger, der Sänger und Frontmann der britischen Rockgruppe Rolling Stones, während eines Konzertes der Band im Neckarstadion in Stuttgart (Archivbild vom 20.6.1976). | Foto: dpa

Auf der Setliste vor den damals ebenfalls rund 40 000 Besuchern, darunter sehr viele amerikanische Soldaten aus dem gesamten Bundesgebiet, standen mit „Honky Tonk Women“, „Jumpin’ Jack Flash“ oder „You Can’t Always Get What You Want“ Titel, die an diesem Samstag wieder gesetzt sind. Der Fußballrasen und die zu der Zeit vorhandene Tartanlaufbahn wurden damals übrigens mit PVC-Küchenbelägen abgedeckt, berichtete der Südwestrundfunk.

Rockveteranen mit „gewissen Ansprüchen“

Was die Stones wollen, werden sie am Samstag im Backstage-Bereich auf jeden Fall bekommen. Das Angebot hinter der Bühne wird wohl üppig sein – so wie es in Kreisen von Superstars üblich ist. Konkrete Angaben etwa zur Speisen- oder Getränkeliste oder weiteren Wünschen gibt es nicht. Dass die Rockveteranen „gewisse Ansprüche“ haben, räumt der Sprecher des örtlichen Veranstalters ein: „Die sind aber nicht ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Künstlern in dieser Größenordnung.“

Mick Jagger (l), der Sänger der britischen Rockband Rolling Stones, und der Gitarrist Ron Wood (r) stehen am 03.08.2006 gemeinsam im Stuttgarter Daimler-Stadion im Rahmen ihrer Europatournee mit dem Titel «A Bigger Bang» auf der Bühne. Rechts im Hintergrund Charlie Watts. | Foto: Bernd Weißbrod

Sollten sich die Stars zudem für noble Autos interessieren, wird ihnen sicher ein Empfang bei Daimler oder Porsche ermöglicht. Auch am Sonntag wäre das noch denkbar, denn die Stones werden in Stuttgart übernachten, heißt es. Den legendären Billardtisch gibt es aber nicht mehr, sagte Produktionsleiter Dale Skjerseth vor dem Berliner Konzert dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Jedes Bandmitglied hat im Backstagebereich seinen eigenen Raum

Jedes Bandmitglied habe aber seinen eigenen, nach individuellen Wünschen eingerichteten Raum, in dem es sich warmspielen sowie um Klamotten, Haare und Make-up kümmern kann. Eine Lounge mit speziellen Möbeln sei auch abgeschafft worden, „um weniger Ballast zu haben“. Dafür gibt es aber einen Proberaum, den die Stones jederzeit nutzen können.

Rock und Religion

Das Open-Air-Konzert im Jahr 1976 war übrigens nicht der erste Auftritt der Stones in der Schwabenmetropole. Beim Stones-Konzert am 20. September 1970 waren allerdings Rock und Religion unter einen Hut zu bringen, wie der Musikjournalist Christoph Wagner in seinem Buch „Träume aus dem Untergrund“ (Silberburg-Verlag, 2017, 24,90 Euro) berichtet.

Das undatierte Archivbild aus der Zeit zwischen 1963 bis 1969 zeigt die „Rolling Stones“ in ihrer ursprünglichen Besetzung (von r. im Uhrzeigersinn): Charlie Watts, Keith Richards, Brian Jones, Bill Wyman und Mick Jagger. | Foto: dpa

Weil in der Halle 6 am Messegelände Killesberg am Morgen noch der Abschlussgottesdienst für den Europa-Tag der Kolping-Familie anstand, musste beim zuständigen Bischof in Rottenburg erst die Erlaubnis eingeholt werden, dass Licht und Ton für die Stones bereits in der Nacht zum Sonntag installiert werden durften.

Bischof las Messe im Lichte der Rolling Stones

„Der Bischof hat die Messe um 10 Uhr morgens schon unter dem Lichte der Rolling Stones gelesen“, zitiert Wagner den damaligen Veranstalter Michael Russ. Ministranten räumten die Stühle aus der Halle. Die Stones waren demnach schon damals eiskalte Geschäftemacher: Das Eintrittsgeld betrug 20 D-Mark – der Preis einer Langspielplatte – und damit etwa das Doppelte von dem, was bekanntere englische oder amerikanische Bands zu der Zeit verlangten.

 Schleyerhalle wurde zur Stones-Lounge

Zuletzt spielten die Stones vor zwölf Jahren in Stuttgart: An einem Donnerstagabend, dem 3. August 2006, kamen rund 45 000 Fans in das nicht ganz ausverkaufte Stadion, das damals noch Gottlieb-Daimler-Stadion hieß. Mit 126 Trucks (für die aktuelle Tour sind es deutlich weniger) war der Tross nach Stuttgart gereist. Weil den Stones der Backstage-Bereich im Stadion zu klein war, wurde kurzerhand die benachbarte Schleyerhalle zur „Rolling-Stones-Lounge“ umfunktioniert.

Noch gigantischer war der Auftritt der Rock-Giganten am 29. Mai 1999: Gut 75 000 Fans feierten die Stones beim Europa-Auftakt der „No Security“-Tour auf dem Cannstatter Wasen. Nach etwa zwei Dritteln des Konzerts spazierten Mick Jagger, Keith Richard, Ron Wood und Charlie Watts auf einem über 50 Meter langen und hydraulisch betriebenen Teleskop-Laufgang über die jubelnden Fans hinweg zu einer kleinen Bühne mitten im Publikum, auf der die Band dann weitere Songs spielte.

90 000 Fans in Hockenheim

Noch viel mehr Fans lockten die beiden Stones-Konzerte auf dem Hockenheimring. Am Samstag, 19. August 1995, begann die Kultband ihren Auftritt vor über 90 000 Fans mit dem Uralt-Hit „Not Fade Away“ auf der 80 Meter breiten Bühne, während aus einer 30 Meter hohen Kobra aus Stahl eine Riesenflamme zuckte. Nur drei Tage später, am 22. August 1995, spielten die Stones vor rund 80 000 Menschen auf dem Mannheimer Maimarktgelände.

Über 90 000 Fans der „Rolling Stones“ waren im Sommer 1995 zum Rolling-Stones-Konzert auf den Hockenheimring gekommen. | Foto: dpa

Acht Jahre später, am Sonntag, 22. Juni 2003, feierten wiederum rund 90 000 Fans im Motodrom die Stones an einem herrlichen Sommerabend. Damals war es das siebte Deutschlandkonzert der Briten während der „Licks-World-Tour“. Da wurde erneut richtig geklotzt: Flammen züngelten aus dem Bühnendach, zum Abschluss stiegen Raketen in den Himmel. Im Vorprogramm spielten The Pretenders und die Hardrocker von AD/DC. Als deren Mitwirken bekannt wurde, hatte der Kartenvorverkauf noch einmal kräftig angezogen.

Verkehrschaos in Mannheim

Für viel Wirbel auch außerhalb des Veranstaltungsortes sorgte das Stones-Konzert am 12. September 1998 auf dem Mannheimer Maimarktgelände. Rund um das Areal herrschte ein gewaltiges Verkehrschaos. Tausende Fans kamen zu spät, manche ließen den Wagen einfach auf dem Standstreifen der Autobahn stehen, um noch rechtzeitig zum Konzert zu kommen.

Stones-Frontmann Mick Jagger beim Open-Air-Konzert am 12. September 1998 auf dem Mannheimer Maimarktgelände.
Stones-Frontmann Mick Jagger beim Open-Air-Konzert am 12. September 1998 auf dem Mannheimer Maimarktgelände. | Foto: Bernd Kamleitner

Rund 80 000 Fans verfolgten das Pop- und Glamourspektakel unter grauem Himmel, der seine Schleusen aber nicht öffnete. Das Konzert war bereits am 7. Juni 1998 geplant gewesen, musste dann aber – wie einige andere Auftritte – wegen des Leiter-Sturzes von Keith Richards verschoben werden. Der Gitarrist wollte in seinem Haus in den USA ein Buch aus dem Bücherregal holen. Dabei stürzte er von der Leiter und zog sich einen Rippenbruch zu.

Stones in Stuttgart: Für das Rolling-Stones-Konzert an diesem Samstag (30. Juni) in Stuttgart gelten laut Veranstalter „strenge Kontrollen“. Was das für den Fan bedeutet, liegt auf der Hand: Der Einlass kann auch etwas länger dauern. Unter anderem werden die Eintrittskarten elektronisch geprüft, heißt es. Damit soll wohl verhindert werden, dass Besucher mit gefälschten Tickets ins Stadion kommen.
Für einen schnellen und reibungslosen Einlass empfiehlt der Veranstalter, auf Taschen zu verzichten und nur Eintrittskarte, Mobiltelefon, Schlüsselbund und Geldbeutel bei sich zu tragen. In der Arena sind nur kleine Taschen und Brustbeutel mit der maximalen Größe eines DIN-A-5-Blattes (14,8 x 21 Zentimeter) erlaubt. Verboten sind außerdem unter anderem Powerbanks, Selfie-Sticks, Regenschirme und Getränke in Tetra-Packs, PET-Flaschen, Glasflaschen und Dosen sowie Picknickdecken und Sitzgelegenheiten.
Einlass: 17 Uhr.
Beginn: 19.15 Uhr. Im Vorprogramm spielt die Indie-Rockband The Kooks aus dem britischen Brigthon.
Parken: Um das Stadion stehen rund 12 000 gebührenpflichtige Parkplätze zur Verfügung.
ÖPNV: Der Veranstalter rät den Besuchern, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Mercedes-Benz-Arena anzureisen. Im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS-Gebiet) gilt die Eintrittskarte auch als Fahrschein. Die Sonderlinie U11 bedient die Haltestelle NeckarPark (Stadion).
Ende: Laut Veranstalter ist spätestens um 23 Uhr Schluss. Für die Abreise gilt dann dasselbe wie für die Anfahrt: Die Stones-Fans sollten viel Geduld mitbringen.