Zum Abschluss dankte der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Fuhrmann Pforzheims scheidenden Oberbürgermeister Gert Hager. | Foto: Ehmann

Pforzheims OB zieht Bilanz

Der Abschied fällt kurz und nüchtern aus

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Gert Hager hält Plädoyer für Erfolge

Eine Feier wollte er wegen der Finanzlage der Stadt nicht, eine Würdigung im Gemeinderat schloss er angesichts der zuletzt klaren Positionierung der Gremiumsmehrheit gegen ihn aus: Mit einer letzten Rede im Gemeinderat hat Oberbürgermeister Gert Hager  am Dienstag dennoch eine Bilanz seiner Amtszeit gezogen. In der Abschiedsrede hielt Hager ein Plädoyer für seine Heimatstadt – und für seine Arbeit und Erfolge der vergangenen acht Jahre: Er blicke mit Zufriedenheit auf seine Zeit zurück und übergebe das Amt geordnet an seinen Nachfolger.

Vieles bewegt sich in Pforzheim in die richtige Richtung

„Ich lege es Ihnen wirklich ans Herz, diesen Weg weiterzuführen“, sagte Hager, blickte ernst in die Runde der Gremiumsmitglieder und Bürger auf den Rängen: „Das ist mein voller Ernst.“ Hager nahm Bezug auf die Entwicklung der Stadt Pforzheim, deren Geschicke er 2009 übernahm, die er vor der drohenden Zwangsverwaltung bewahrte und für die er nach den „verheerenden Derivatgeschäften“ von J.P. Morgan und der Deutschen Bank 45 Millionen Euro zurückerstritt. „Vieles bewegt sich in Pforzheim in die richtige Richtung“, betonte Hager und wiederholte selbst noch einmal seine Erfolge, mit denen er jüngst im Wahlkampf vergeblich um die Stimmen der Pforzheimer geworben hatte: etwa 10 000 neue Arbeitsplätze, eine klare Linie in Sachen Wirtschaftsförderung, hohe Investitionen in viele Jahrzehnte vernachlässigte Schulen, der Bau der Westtangente, mehr Beteiligungsformen für Bürger. „Wenn ich alles beschreiben würde, was in meiner Amtszeit als Oberbürgermeister auf den Weg gebracht und vor allem auch umgesetzt wurde, würde dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, beschloss der OB seine Aufzählung.

OB betont die Probleme der Stadt

All das habe er mit nur geringer Nettozunahme der Verschuldung im Haushalt geschafft. „Wer anderes behauptet, hat sich entweder nicht wirklich mit den Finanzen der Stadt befasst oder tut dies wider besseren Wissens“, sagte Hager. Er schlug kritische Töne an, betonte die Probleme der Stadt wie explodierende Sozialkosten – „eine vergleichsweise hohe Zahl an Neubürgern geht zunächst in die sozialen Sicherungssysteme“ – oder die hohe Zahl an fehlenden Kitaplätzen.

Letzte Gemeinderatssitzung für Oberbürgermeister Gert Hager: Acht Jahre lang lenkte der Pforzheimer die Geschicke seiner Heimatstadt. Gestern zog Hager im Gemeinderat Bilanz. | Foto: Ehmann

„Sie wissen es, ich habe mich stets vor Sie gestellt, weil mir völlig bewusst ist, was Sie alle im Ehrenamt für unsere Stadt leisten“, wandte sich Hager schließlich persönlich an die Ratsmitglieder. Der Öffentlichkeit sei oft nicht bewusst, welche Weichenstellungen für die Zukunft der Stadt und entscheidende Beschlüsse im Gemeinderat getroffen würden.
Gert Hager erntete von den Fraktionen kurzen, lauten Applaus für seine gut zehnminütige Abschiedsrede. Die SPD-Fraktion überreichte ihrem Oberbürgermeister einen Blumenstrauß in den Farben des Stadtwappens. „Wir wissen: Es gibt keine offizielle Verabschiedung für uns. Aber es war klar, dass wir heute Danke sagen. Alles andere machen wir in anderer Runde“, sagte deren Fraktionsvorsitzender, Ralf Fuhrmann. Mit einem knappen „Ich danke Ihnen“ nahm Hager wieder Platz am Ratstisch und schloss den öffentlichen Teil seiner letzten Gemeinderatssitzung.