Trump in Großbritannien
Großbritanniens Premierministerin Theresa May und US-Präsident Donald Trump unterhalten sich auf dem Landsitz Chequers. | Foto: Jack Taylor/PA Wire

Kommentar

Der launische Gast

Mit einigen wenigen Worten hat Donald Trump die sogenannte „spezielle Beziehung“ zwischen Großbritannien und den USA, die die Inselbewohner seit Jahrzehnten selbst in den stürmischen Zeiten nachts ruhig schlafen lässt, in ihren Grundfesten erschüttert. Die beispiellose Düpierung der Gastgeberin Theresa May durch den wankelmütigen Macho aus Washington ist ein weiteres Signal an die Europäer, dass sie sich auf diesen US-Präsidenten nicht verlassen können.

Da wäre erst einmal Trumps herablassende Kritik der britischen Brexit-Strategie, die man nur als rüde Einmischung in die Politik eines souveränen Staates bezeichnen kann. Belehrend im Ton und vernichtend in seiner pauschalen Ablehnung des britischen Wunschkatalogs für die EU, versetzt der launische Milliardär der ohnehin gefährlich wankenden May einen gewaltigen politischen Schlag.

So heftig war diese Verbalattacke, dass sich die Chefin der Konservativen davon womöglich nicht mehr erholen wird. Denn die britischen Regierungschefs, die in Washington keinen Rückhalt haben, haben im Königreich erfahrungsgemäß eher kurze Karrieren. Dass Trump überdies Mays einflussreichem Rivalen Boris Johnson öffentlich Premierqualitäten attestiert, dürfte jetzt den Machtkampf bei den Tories vor dem Hintergrund des noch ungeregelten EU-Abschieds erst recht anheizen.

Festzuhalten bleibt auch, dass Trump seiner außenpolitischen Taktik treu bleibt. Provozieren, für Chaos sorgen, Druck machen, dann sich unschuldig geben: Das einzig Berechenbare bei diesem US-Präsidenten ist seine Unberechenbarkeit.