Großer Soldatenara
Papageien wie den Großen Soldatenara gibt es im Loro Parque schon seit 45 Jahren. Als "Papageienpark" gründete der deutsche Geschäftsmann Wolfgang Kiessling die Anlage 1972. | Foto: Jock

Loro Parque auf Teneriffa

Ein tierischer Balanceakt zwischen Unterhaltung und hohem Anspruch

Er gilt als Top-Attraktion Teneriffas: Der Tiergarten “ Loro Parque “ in Puerto de la Cruz, dem touristischen Zentrum im Norden der Ferieninsel. Vor 45 Jahren vom deutschen Geschäftsmann Wolfgang Kiessling als reiner Papageienpark gegründet, liegt der Fokus der Einrichtung zwar nach wie vor auf den intelligenten Vögeln – aber nicht mehr ausschließlich: Orcas, Delfine und Seelöwen, die wie die Papageien täglich bei mehreren Shows die Besucher begeistern, gehören ebenso zum Tierbestand wie Schimpansen, Gorillas, Ameisenbären, Rote Pandas, Riesenschildkröten, Faultiere und Alligatoren. Mehrere Pinguinarten leben in einem Antarktis-Haus, in dem täglich zwölf Tonnen Schnee rieseln, jede Menge weitere Meeresbewohner schwimmen in einem großen Aquarium inklusive Haitunnel. Und der Vogelwelt Australiens können die Besucher in der riesigen Voliere „Katandra Treetops“ auf allen Ebenen direkt begegnen. Als Vertreter der Raubkatzen gibt es weiße Tiger und Jaguare – und neuerdings auch wieder Löwen. Mit der kurzbeinigen Safo, die in den Zoo Karlsruhe kam, hatte 2009 die bis dato letzte Löwin die Insel verlassen.

Ganz nah an den Löwen

Simba lässt seinen Charme spielen: Behutsam nähert sich der Angola-Löwe seinen beiden Damen, drückt seinen Kopf an Sarabi, leckt ihr über das Gesicht und lässt sich auch von ihrem Fauchen nicht beirren. Keinen Meter entfernt drücken Besucher die Nasen an die Scheibe. Handys werden gezückt, die kurze Balgerei, in der auch Sarabis Schwester Malika mitmischt, wird auf die Speicherkarten gebannt. Dann hat Simba seine Mädels überzeugt: Sie machen ihm Platz, so dass er sich zwischen sie kuscheln kann. Sieht sehr harmonisch aus. Die Handykameras klicken.

Angola-Löwen
Neuerdings gibt es auch wieder Löwen im Loro Parque – die hoch bedrohten Angola-Löwen. | Foto: Jock

Auf den König der Tiere kann kein Zoo verzichten

Kein leichtes Unterfangen war es, auf dem 13,5 Hektar großen, ohnehin schon optimal genutzten Parkareal mit seiner üppigen Pflanzenwelt Platz für eine neue Löwenanlage zu schaffen. Am Drachenbaumhügel entstand schließlich, unter Einbeziehung der Insel-typischen Bäume, eine 1 000 Quadratmeter große Buschsavannenlandschaft inklusive Wasserstelle. Für den König der Tiere, auf den kaum ein Zoo verzichten kann.

Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen

Offensichtlich auch nicht der Loro Parque, der als Top-Attraktion Teneriffas in einem Atemzug mit dem Teide-Nationalpark und den traumhaften schwarzen Stränden genannt wird. Der überall auf der Insel hip als „El ‚must’ de Canarias“ gepriesen wird. Und der gerade vom weltweiten Reiseportal TripAdvisor zum „besten Zoo der Welt“ gekürt wurde. Der allerdings auch, anders als die meisten Tiergärten weltweit, nicht auf ein großes Stammpublikum setzen kann: Unter den jährlich rund 1,2 Millionen Besuchern sind die wenigsten Tinerfeños, erklärt der Zoologische Direktor Wolfgang Rades. Touristen, die sich erholen wollen und Freizeitspaß suchen, sind die überwiegende Mehrheit der Gäste. „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen“, sagt Rades. Was heißt: Mehr als viele andere Zoos muss der Loro Parque den Balanceakt zwischen Unterhaltung und dem hohen Anspruch als Lernort und Artenschutzzentrum meistern.

Angola-Löwen sind hochbedroht

Dass Simba mit seiner nahezu blonden Mähne ein wunderschönes Tier ist, fällt auch dem unbedarften Besucher auf. Viel mehr als diese Faszination und das eine oder andere Handy-Foto kann der aber mitnehmen, wenn er auch die mehrsprachigen Tafeln am Gehege liest: Dass speziell der Angola-Löwe hoch bedroht ist, erfährt er. Und dass Simba und seine Damen im Loro Parque nicht nur Botschafter ihrer Art sind, sondern auch mit einem konkreten Freiland-Projekt verknüpft sind: Die Loro Parque Fundación unterstützt das KAZA-Projekt für Löwen im südlichen Afrika. Dieses untersucht die Wanderrouten der Tiere und versucht, konfliktreiche Aufeinandertreffen mit Menschen zu vermeiden.

Gefragte Entdeckungstouren hinter die Kulissen des Loro Parque

Noch viel mehr erfahren können die Besucher, wenn sie sich einer Discovery-Tour anschließen. Gleich bei Öffnung des Parks um halb neun Uhr morgens wartet ein Rudel Scouts auf Interessierte, die zusätzlich zum 35-Euro-teuren Eintritt 11 Euro in den knapp zweistündigen Rundgang mit besonderen Einblicken investieren. Lange dauert es nicht, bis die Touren auf Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Niederländisch und Russisch für diesen Tag ausgebucht sind. 128 000 Besucher blicken jedes Jahr auf diese Weise hinter die Kulissen. Sie schauen bei den Menschenaffen in die Futterküche, in die Technik unter dem Antarktis-Haus und durch die Unterwasserscheiben in die Orcabecken. Scout Sabine Kattwinkel erzählt mit ansteckender Begeisterung vom jungen Orca Adán, der erfolgreich mit der Flasche aufgezogen wurde, und von den Eigenheiten der Gorilla-Junggesellen Schorsch, Rafiki und Co., die vielleicht irgendwann im Zuge des Europäischen Erhaltungszuchtsprogramms in einem anderen Zoo eine neue Gorilla-Dynastie begründen werden. Sie berichtet von der Verbundenheit des Parkgründers Wolfgang Kiessling zu Thailand, die das originalgetreue „Thailändische Dorf“ am Parkeingang erklärt. Und von den Anfängen des Parks 1972 mit 150 Papageien.

4 000 Papageien: Die größte genetische Reserve weltweit

Heute hat der Loro Parque 4 000 seiner Wappentiere in 350 Arten und Unterarten – die größte Papageienkollektion weltweit. Und damit auch die größte genetische Reserve, erklärt Wolfgang Rades. Wobei im Park meist nur jeweils ein Pärchen als Vertreter ihrer Art lebt. Seit 20 Jahren gibt es die Zuchtstation La Vera am Stadtrand von Puerto de la Cruz, wo 3 500 Tiere überwiegend paarweise in ihren Volieren sitzen. Die sind elf Meter tief, drei Meter breit und 1,8 Meter hoch, bieten eine Brutmöglichkeit und Sichtschutz zu den Nachbarn. Zu hören sind diese freilich: Über der gesamten Anlage liegt vielstimmiges Gekrächze. Kuratorin Marcia Weinzettl, ihre beiden Assistenten und 20 Pfleger kümmern sich rund um die Uhr um das Wohlergehen der Papageien.

Bis zu 1 500 Tiere werden hier jährlich nachgezüchtet, darunter auch hochbedrohte Arten. Legendär ist der Erfolg mit den Spix-Aras unter Leitung des heutigen Karlsruher Zoodirektors Matthias Reinschmidt. 15 Jahre lang war dieser im Loro Parque als Kurator und Zoologischer Direktor verantwortlich. Und machte den Park vor allem durch mehrere 100 Fernsehbeiträge in Deutschland sehr populär.

Viele Papageienarten vor dem Aussterben gerettet

Inzwischen wurden alle Spix-Aras zurück nach Brasilien gegeben. Dort solle ein stabiler Bestand aufgebaut werden – mit dem Ziel Wiederansiedlung der in der Natur ausgestorbenen Spezies. Neun weitere Papageienarten wurden definitiv durch die Unterstützung der vor 20 Jahren gegründeten Loro Parque Fundación vor dem Aussterben gerettet, darunter der Blaulatz-Ara und mit dem Lear-Ara ein weiterer blauer Papagei Brasiliens. Zehn Prozent der Eintrittsgelder des Tierparks fließen in die Stiftung, ebenso der Erlös der Abgabe von Nachzuchten an den Heimtierhandel. „Das nimmt den Druck von den Wildpopulationen, da es Tierfängern das Geschäft verdirbt“, sagt Rades. Mehr als 100 Projekte vor allem für Papageien, aber auch für Meeressäuger und nun die Löwen, unterstützte die Stiftung bislang.

Gerettet
Vor dem Aussterben gerettet wurden schon einige Papageienarten durch den Einsatz der Loro Parque Fundacion. | Foto: Jock

„Animal Embassy“

Fakten, die freilich auch der interessierte Besucher im Loro Parque erfährt. Zum Beispiel an der „Animal Embassy“, zu der auch die Discovery Tour führt. Unter einem künstlichen Affenbrotbaum im Stile eines afrikanischen Dorfes gestaltet, sind ein Informationszentrum, die Tierklinik, Labore und eine Forschungsstation, wo das Max-Planck-Institut Papageienarten auf ihre Intelligenz testet. Der Parkbesucher kann – teilweise durch Scheiben – zuschauen. Das gilt auch für die angegliederte Aufzuchtstation für Papageien, die nicht von ihren Eltern versorgt wurden. Nackte Küken, die mit der Pipette gefüttert werden, sind hier ebenso zu sehen wie jugendliche Rabauken, die lernen, sich in der Gruppe zu behaupten.

Aufzuchtstation
In der Aufzuchtstation werden kleine Papageien versorgt, wenn ihre Eltern sich nicht um sie kümmern. | Foto: Jock

Großvolieren mit Hochzeitsabteilen

Viele Pärchen-Volieren wie in La Vera, aber auch große Gemeinschaftsanlagen mit mehreren Papageienarten, gibt es im Park. Letztere sind sowohl für die Besucher als auch für die Tiere attraktiver – sofern diese nicht in Brutstimmung sind. Dann brauchen sie Abstand für ihre Zweisamkeit, weshalb im Loro Parque derzeit mit „Hochzeitsabteilen“ an den Großvolieren experimentiert wird. Zieht sich ein Paar dorthin zurück, geht die Pforte zu, erklärt der Zoologische Direktor. Fakt ist: Selbst der interessierteste Besucher ist irgendwann „papageienmüde“, wenn er an den vielen Pärchen-Volieren entlanggeht, weiß Rades.

Gemeinschaftsvoliere Aras
Gemeinschaftsvolieren sind fürs Publikum und die Tiere attraktiver – sofern die Papageien nicht in Brutstimmung sind. | Foto: Jock

„Nur was man kennt und schätzt, schützt man auch“

Für die Mehrheit der Besucher sind im Loro Parque aber ohnehin vor allem die Shows attraktiv – die 2 600 Plätze im „Orca Ocean“ sind oft alle besetzt. Wer sich dabei begeistern lässt, nimmt auch die Erkenntnis mit, dass es sich um sehr intelligente, faszinierende Lebewesen handelt. „Nur was man kennt und schätzt, schützt man auch“, sagt Wolfgang Rades. Vermittelt wird in jeder Show, dass zwischen Trainer und Tieren eine ganz besondere Beziehung besteht, das Wohlergehen der Tiere oberste Priorität hat und die Forschung im Park allen ihren Artgenossen nutzt. Zusätzliche edukative Elemente gibt es aktuell in den letzten Präsentationen des Tages, die deutlich Richtung Training für den medizinischen Check gehen. „Das wollen wir ausbauen“, sagt Rades.

Mehr edukative Elemente

Diesen Ansatz gibt es auch bei der Seelöwen-Show, die das Publikum mit viel Klamauk zum Lachen bringt. Aber vielleicht auch zum Nachdenken angeregt, wenn eine Seelöwin eine Plastikflasche aus dem Wasser fischt und in einer Tonne entsorgt. Und so die Balance zwischen Unterhaltung und Lernen herstellt: Plastikmüll im Meer ist ein riesiges Umweltproblem.

Hier gibt es weitere Informationen zum Loro Parque.

Seelöwin
Plastik gehört nicht ins Wasser, vermittelt die Seelöwin. | Foto: Jock