Der Autor und sein Kater: „Spikey“ ist seit 17 Jahren an Mario Ludwigs Seite. Er nennt den Vierbeiner liebevoll das „Unterhosenmodel“. | Foto: Elisa Reznicek

Neues Buch von Mario Ludwig

Der mit den Tieren spricht

Mario Ludwig kennt die besten Geschichten. Und er erzählt sie auch – zum Glück. Die von Gorilladame „Koko“ zum Beispiel. „Mit Koko kann man richtig kommunizieren“, sagt der Karlsruher Autor. Die kalifornische Affendame weiß etwa, was Weihnachten ist, sie kann Zahnschmerzen benennen und auch erklären, was ein Zebra ist – mittels der Gebärdensprache, die Wissenschaftler ihr beigebracht haben. „Als man Koko ein Bild von einem Zebra zeigte, machte sie erst das Symbol für einen Tiger, dann das Symbol für ein Pferd“, sagt Ludwig und klingt dabei so begeistert-fasziniert, als könne er es selbst nicht recht glauben.

Delfine sind die schlausten Tiere der Welt

Solche Geschichten erzählt er übrigens nicht nur, er schreibt sie auch auf, füllt ganze Bücher damit. Gerade ist sein neuestes erschienen: „Gut gebrüllt! Die Sprache der Tiere“. „Was die Kommunikation betrifft, sind Tiere viel besser aufgestellt als Menschen“, findet der Biologe. Tiere kommunizierten etwa über Töne, die Körpersprache – oder auch mit Hilfe von Körperflüssigkeiten. „Der galizische Sumpfkrebs zum Beispiel“, sagt Ludwig. Der verteidige sein Territorium mit seinem Urin, „so wird ein Blutvergießen vermieden“. „Oder nehmen Sie Delfine, die sprechen sich sogar mit Namen an – mit Hilfe sogenannter Signaturpfiffe.“ Heißt: Ein Delfin ruft einen anderen Delfin mit einem individuellen Pfiff. „Delfine sind aber ohnehin mit die schlausten Tiere auf der Welt“, sagt der gebürtige Heidelberger.

Katzen sind kommunikativer als Hunde

Tiere sind die Leidenschaft des Biologen, schon immer gewesen. Die Wohnung im Karlsruher Westen teilen er und seine Frau sich mit Kater „Spikey“. Und, man ahnt es schon, „Spikey“ ist nicht einfach irgendein Kater. „Er ist ein Unterhosenmodel“, sagt der Biologe scherzhaft. „Das bedeutet, dass er sehr hübsch ist, seine geistigen Fähigkeiten aber begrenzt sind.“ Das sei nicht weiter schlimm: „Ich sage ihm das auch“, erklärt Mario Ludwig und meint das durchaus liebevoll. 17 Jahre alt ist „Spikey“ und der Biologe kann ihn lesen wie ein Buch, weiß mit einem Blick, wie es dem Tier gerade geht. Katzen seien aber auch sehr kommunikative Tiere – „viel kommunikativer als Hunde“. So hätten Katzen ein Repertoire von 100 verschiedenen Lauten. Bei einem Hund seien es gerade einmal zehn.

 


Um die Tiere „lesen zu lernen“ reist der Biologe um die Welt. Den „Elefantenführerschein“ machte er in Thailand („Ich wollte unbedingt lernen, wie man auf einem Elefanten reitet“), Gorillas studierte er in Ruanda („Das sind definitiv unsere Verwandten, nicht primitiver übrigens, nur anders.“). Im Januar badete er mit Pinguinen im südafrikanischen Kapstadt. Und auch wenn er schon viel gesehen hat, Träume hat der 59-Jährige nach wie vor: „Ich möchte unbedingt einmal mit Walhaien schwimmen.“ Auch auf seiner Liste: Komodowarane, bis zu vier Meter große Echsen, die als „die letzten Drachen der Welt“ gelten. „Die würde ich sehr gern mal in Indonesien in freier Natur erleben“, sagt Ludwig.

Häufiger Talkshowgast

Der Tierbuchautor hält auch Vorträge und ist häufig Gast in Talkshows. Dort plaudert er auch schon einmal über das Sexualverhalten der Tiere oder Alkohol- und Drogenmissbrauch im Tierreich. Delfine beispielsweise „kiffen“: „Sie kauen sachte auf Kugelfischen herum und berauschen sich an deren Gift“, erzählt der Biologe. Und: Sie geben den Kugelfisch – der dadurch keinen Schaden davonträgt – reihum weiter. Oder aber Singvögel: „Die sind sehr trinkfest.“ Das zeige sich daran, dass sie im Herbst Unmengen vergorener Beeren essen, „ohne Schlangenlinien zu fliegen“. Möglich macht dies das Enzym zum Alkoholabbau, bei Singvögeln ist dessen Konzentration 14 Mal höher als beim Menschen.

Das treuste Tier? Die Präriewühlmaus

Zum Sexualverhalten der Tiere sagt der Wissenschaftler: „Die Bonobo-Affen sind tatsächlich sexsüchtig.“ Treue gebe es im Tierreich aber durchaus – bei Schwänen, Albatrossen oder Bibern beispielsweise. Das treueste Tier von allen ist aber die Präriewühlmaus: „Sie ist ihrem Partner auch über den Tod hinaus treu“, sagt Ludwig. Der Tod scheint auch Gorilladame „Koko“ zu beschäftigen. Auf die Frage „Wohin gehen Tiere zum Sterben?“ antwortete sie ihren Betreuern in Gebärdensprache mit drei Zeichen: Gemütlich – Höhle – Auf Wiedersehen.

Buchtipps:
„Gut gebrüllt! Die Sprache der Tiere“ ist im Verlag Konrad Theiss, 240 Seiten, 24,95 Euro, erschienen. Ebenfalls lesenswert: „Genial gebaut! Von fleißigen Ameisen und anderen tierischen Architekten“ (Verlag Konrad Theiss, 240 Seiten, 24,95 Euro), „Wildnis Eiche. Faszinierender Kosmos des Lebens“ (Frederking & Thaler, 160 Seiten, 39 Euro).
Infos: www.mario-ludwig.de