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Die Hunde der Königin

„Erste und letzte Liebe“: Corgis begleiteten Queen Elizabeth II. seit ihrem 18. Geburtstag

Seit ihrem 18. Geburtstag begleiteten viele Hunde Queen Elizabeth II. – bis zu ihrem Tod. Die britische Monarchin machte die Corgis weltberühmt. Sie hinterlässt vier Lieblinge, die ein neues Zuhause gefunden haben.

Lebenslange Zuneigung: Auf dem im Februar 2022 aufgenommenen Bild im Windsor-Palast streichelt Königin Elizabeth II. zärtlich einen ihrer geliebten Hunde, den Corgi Candy.
Lebenslange Zuneigung: Auf dem im Februar 2022 aufgenommenen Bild im Windsor-Palast streichelt Königin Elizabeth II. zärtlich einen ihrer geliebten Hunde, den Corgi Candy. Foto: Steve Parsons / AFP

Die Königin im Himmel, umarmt von Prinz Philip oder unterwegs mit der Kinderbuch-Bärenfigur Paddington. Seit dem Tod von Elizabeth II. werden in den sozialen Medien Zigtausende rührende bis kitschige Zeichnungen dieser Art geteilt und kommentiert.

Es fällt auf, dass an der Seite der kleinen Frau mit den weißen Haaren fast immer ein Hund abgebildet wird. Hellbraunes Fell und große, spitze Ohren: ein Corgi.

Königin Elizabeth II. sitzt mit ihren Corgis auf einer Wiese in Virginia Water bei London.
Königin Elizabeth II. sitzt mit ihren Corgis auf einer Wiese in Virginia Water bei London. Foto: dpa/PA Wire

Sie waren neben der Königsfamilie ihre liebsten Begleiter – fast acht Jahrzehnte lang. Die spätere Monarchin hatte zu ihrem 18. Geburtstag im Jahr 1944 ihren ersten Pembroke Welsh Corgi namens Susan geschenkt bekommen. Die junge Elizabeth hatte sich daraufhin für immer in die kurzbeinigen, intelligenten und munteren Treib- und Hütehunde aus Wales verliebt.

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. Flut von besorgten Fragen zu den Corgis

In ihrem Leben hat die Queen mehr als 30 Corgis oder Dorgis (Kreuzung mit Dackel) besessen. Für viele ihrer Landsleute und die Fans der Royals weltweit gehörten die rassigen Begleiter zur rüstigen Bewohnerin im Buckingham-Palast genauso fest dazu wie ihre Handtasche, die Krone oder ihr markantes Lächeln.

Kein Wunder, dass nach der Todesnachricht aus Schottland das Netz mit den besorgten Fragen geflutet wurde: Was passiert jetzt eigentlich mit den Hunden Ihrer Majestät?

Sie waren ihre erste und ihre letzte Liebe.
Ingrid Seward, Kennerin der Königsfamilie, über die Corgis

„Sie waren ihre erste und ihre letzte Liebe“, sagte kürzlich in einem Interview mit der Zeitschrift Newsweek die Kennerin der Königsfamilie, Ingrid Seward. Diese Liebe nahm ihren Anfang in den 1930ern, als Elizabeths Vater die in England damals seltene Rasse interessant fand und sich einen Hund namens Rozavel Golden Eagle kaufte.

Die junge Prinzessin Elizabeth mit einem ihrer Corgis: Die verstorbene britische Monarchin hatte bereits als Kind die in England früher seltene Hunderasse bewundert. Sie bekam ihren ersten Corgi von ihrem Vater als Geschenk zum 18. Geburtstag.
Die junge Prinzessin Elizabeth mit einem ihrer Corgis: Die verstorbene britische Monarchin hatte bereits als Kind die in England früher seltene Hunderasse bewundert. Sie bekam ihren ersten Corgi von ihrem Vater als Geschenk zum 18. Geburtstag. Foto: dpa/PA Wire

Das unter seinem Spitznamen Dookie besser bekannte Tier des Duke of York hatte laut den königlichen Biografen einen „schrecklichen Charakter“ und war dafür berüchtigt, dass es im Palast mit Begeisterung nach den Höflingen schnappte.

Ein Palastbewohner namens Socken

Doch die Prinzessin fand den Corgi charmant und wollte einen eigenen haben. Und noch viele mehr. Also holte sie später für Susan einen weiteren Hund, Rozavel Lucky Strike. Beide begründeten eine Windsor-Dynastie von Vierbeinern mit 14 Generationen, die Namen wie Socks (Socken), Apollo, Disko und Windsor Quiz trugen. Sie war erst mit dem Tod von Willow 2018 zu Ende gegangen.

Unentbehrlicher Teil der Familie: Seit ihren Kindesjahren wurden die königlichen Kinder Charles und Anne von den Corgis ihrer Mutter begleitet. Das Bild stammt aus einem von der Queen selbst gedrehten Film von einer Ferienreise nach Norfolk im Jahr 1957.
Unentbehrlicher Teil der Familie: Seit ihren Kindesjahren wurden die königlichen Kinder Charles und Anne von den Corgis ihrer Mutter begleitet. Das Bild stammt aus einem von der Queen selbst gedrehten Film von einer Ferienreise nach Norfolk im Jahr 1957. Foto: Queen Elizabeth II / dpa

Über die Hunde der Queen sind viele Geschichten überliefert. Die „Jungs“ und „Mädels“, wie die Königin sie genannt hat, begleiteten ihre Besitzerin per Flugzeug, Hubschrauber, Bahn und Auto angeblich auf jeder Reise im Vereinigten Königreich. Der Buckingham-Palast hat mehr als 770 Räume, doch die Corgis schliefen immer im Schlafzimmer der Monarchin. Zu Weihnachten packte Elizabeth II. für jeden von ihnen in eine übergroße Socke (stocking) ein eigenes Geschenk.

Die Königin wird gebissen

Nicht alle royalen Hunde waren friedlich und gut erzogen. Glaubt man den britischen Medien, soll Susan einmal einen Angestellten angefallen haben, der die Uhren im Palast gestellt hat.

Deren Enkel Whisky biss eine Palastwache in den Hintern. 1991 wurde die Queen selbst an einer Hand verletzt, als sie auf Schloss Windsor einen Kampf zwischen ihren sechs Corgis und zweien Hunden ihrer Mutter schlichten wollte. Die Wunde musste genäht werden, und die Königin nutzte angeblich fortan eine tragbare, ohrenbetäubende Mini-Sirene, um tierische Streitigkeiten aus sicherer Entfernung schnell zu beenden.

Mitheulen erlaubt: Ein Trompeter des Royal Philharmonic Orchestra spielt im Jahr 2000 ein zum Jubiläum der Königinmutter geschriebenes Musikstück dem königlichen Corgy Wendy vor.
Mitheulen erlaubt: Ein Trompeter des Royal Philharmonic Orchestra spielt im Jahr 2000 ein zum Jubiläum der Königinmutter geschriebenes Musikstück dem königlichen Corgy Wendy vor. Foto: Ian Nicholson / dpa

Legendär ist ein Vorfall von 1999, als ein 28-jähriger leitender Palastdiener dem Fraß der königlichen Corgis Whisky und Gin beigemengt hat, um sich über die torkelnden Hunde in Abwesenheit ihrer Herrin zu amüsieren. Der „Landesverrat“, so schreibt die Boulevardpresse, wurde aufgedeckt, der Übeltäter büßte einen Teil seines Gehalts ein und musste fortan einen niederen Job erledigen.

Verdammte Hunde, warum müssen es denn so viele sein?
Prinz Philip zur Queen

Die Hundeliebe der Queen wurde offenbar nicht von allen Familienmitgliedern geteilt. So soll Prinzessin Diana über den „laufenden Teppich“ irritiert gewesen sein, der ständig um sie herum gewuselt hat.

Wie die Biografin Penny Junor schreibt, hat Prinz Philip, der Ehemann von Elizabeth II., mindestens einmal über die Vierbeiner lauthals geschimpft: „Verdammte Hunde, warum müssen es denn so viele sein?“

James Bond in tierischer Begleitung bei den Olympischen Spielen in London

Die Corgis erlangten 2012 Weltruhm als Darsteller in einem witzigen Video zum Beginn der Olympischen Spiele von London: Im sechsminütigen Film sieht man, wie der Schauspieler Daniel Craig in seiner Paraderolle als James Bond die Queen in ihrer Residenz zur Eröffnungsfeier abholt. Sobald Geheimagent 007 den Palast betritt, wackeln ihm zwei Corgis hinterher. Die lebhaften Hunde begleiten 007 und die Queen auf dem Weg zum Hubschrauber, dürfen aber dann nicht mitfliegen, was Bond zu freuen scheint.

Derartige Werbeauftritte der Windsor-Vierbeiner befeuerten zeitweise einen internationalen Corgi-Hype und bescherten britischen Züchtern goldene Zeiten. Die tierbegeisterte Queen hat sich auch selbst als Hundezüchterin verewigt – wenn man den Quellen im Palast glauben darf, zunächst eher unfreiwillig, als in den 70ern ihr Corgi Tiny dem Dackel Pipkin von Prinzessin Margaret einmal „zu nahe“ kam.

Wir haben dafür einen Ziegelstein parat.
Queen Elizabeth II. über das Geheimnis der Dorgi-Zucht

Die Königin war über das Ergebnis der Hunde-Liebschaft angeblich so entzückt, dass sie sich etwa ein Dutzend weitere Dorgis „produzieren“ ließ. Von einem neugierigen Reporter einmal gefragt, wie die Corgi-Paarung mit den deutlich kleineren Dackeln funktioniert, antwortete Elizabeth II. ungerührt: „Ganz einfach, wir haben dafür einen Ziegelstein parat.“

Gassi-Flucht vor schwierigen Gesprächen

Die Hunde waren für die Queen wohl viel mehr als nur ein schöner Zeitvertreib. Laut den Biografen stellten sie für die Monarchin auch eine Verbindung zu ihrem verstorbenen Vater dar und halfen ihr, die Strapazen ihres Jobs besser zu ertragen.

Wie Junor in ihrem Buch „All the Queen’s Corgis“ schreibt, war Elizabeth II. eigentlich ein „sehr schüchterner“ Mensch, dem ständige Kontakte zu Fremden nicht leicht fielen. In besonders schwierigen Situationen soll die Queen sich von ihren Besuchern unter dem Vorwand verabschiedet haben, dass sie mit ihren Hunden dringend spazieren gehen müsse.

Immer mit dabei: Die britische Königin Elizabeth II. hat sich zu Lebzeiten überallhin von ihren geliebten Corgis begleiten lassen, die stets im Schlafzimmer der Monarchin schlafen durften. Das Bild zeigt die Queen mit ihrem vierbeinigen Gefährten Kelpie im Jahr 1998.
Immer mit dabei: Die britische Königin Elizabeth II. hat sich zu Lebzeiten überallhin von ihren geliebten Corgis begleiten lassen, die stets im Schlafzimmer der Monarchin schlafen durften. Das Bild zeigt die Queen mit ihrem vierbeinigen Gefährten Kelpie im Jahr 1998. Foto: epa / dpa

Vier von ihnen haben bis zuletzt die 96-Jährige begleitet: die Corgis Muick und Sandy, der Dorgi Candy und der Cocker Spaniel Lissy. Vor Kurzem wurde bekannt, dass sie nach dem Tod der Königin ein neues Zuhause gefunden haben: Die ersten drei dürfen zu ihrem Sohn, Prinz Andrew, und seiner geschiedenen Frau Sarah Ferguson nach Windsor ziehen.

Die Zukunft von Lissy ist angeblich noch nicht ganz geklärt, möglicherweise wird sie von einem Mitarbeiter des Palastes adoptiert.

Royale Hunde in der Kathedrale nicht geduldet

Zur großen Enttäuschung aller Corgi-Freunde weltweit werden die Lieblinge der Queen bei dem Staatsbegräbnis am Montag in der Westminster Abbey wahrscheinlich nicht dabei sein dürfen. Die strengen Regeln der Kathedrale duldeten keine Hunde in den heiligen Wänden oder auf dem Gelände, berichtete kürzlich der Sender Sky News.

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