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Ein Tag, ein Ziel

Ein Besuch in Koblenz – zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Viele kennen von Koblenz nur das Deutsche Eck am Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Wer die Stadt hinter dem Denkmal besucht, bekommt es unter anderem mit einem Lausbuben zu tun.

Blick auf Koblenz und das Deutsche Eck im letzten Abendlicht
Nah am Wasser gebaut: Wegen der verkehrsgünstigen Lage am Zusammenfluss von Mosel und Rhein nahmen schon die römischen Gründer der Stadt die Hochwassergefahr in Kauf. Foto: Yay Images/Imago

Sie ist eine der ältesten Städte Deutschlands und hat bereits über 2.000 Jahre auf dem Buckel: Koblenz, drittgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz.

Schon die Römer erkannten die Vorzüge des Platzes am Zusammenfluss zweier Ströme, gründeten hier eine Siedlung und nannten sie folgerichtig Confluentes.

Den Namen haben die Koblenzer gerade für ihr hochmodernes Kulturforum auf dem Zentralplatz wiederbelebt.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Wie ein Raumschiff schwebt der fünfstöckige Bau mit der transluzenten Hülle am Schnittpunkt zwischen Alt- und Neustadt, bringt Stadtbibliothek, Mittelrhein-Museum und Touristikbüro unter ein Dach. Abends erstrahlen 8.200 Quadratmeter Glas in Pünktchenmuster.

Forum Confluentes am Koblenzer Zentralplatz
Moderne: Unter den jüngsten Bauten sticht das Kulturzentrum Confluentes hervor. Foto: Roswitha Bruder-Pasewald

Kowelenz, wie die Einheimischen ihre Heimatstadt nennen, hat keineswegs nur gute Zeiten erlebt. Mal ächzten die Bürger unter der Knute der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier. Mal bemächtigte sich die französische Revolutionsarmee der Stadt – und sprengte bei ihrem Abzug die Krone von Koblenz, die gewaltige Festung Ehrenbreitstein, kurzerhand in die Luft.

In jener Zeit entstand auch der Begriff des Schängel, jenes knitzen Bübchens, der in Koblenz das Licht der Welt erblickte und dessen Name eine Verballhornung des französischen Vornamens Jean war. Die Koblenzer haben ihrer Lichtgestalt ein Denkmal gesetzt, in Form eines Brunnens im Hof des Rathauses.

Das Bronze-Bübchen blieb sogar von den Metallsammlungen im zweiten Weltkrieg verschont und ist heute das Wahrzeichen der 110.000 Einwohner zählenden Großstadt. Doch Vorsicht: Der Lausbub wird seinem Ruf gerecht. In unregelmäßigen Abständen spuckt der Bengel Wasser und mancher Betrachter ist schon mit nassen Klamotten von dannen gezogen.

Die Kaiserin im Grünen

Kaiserin Augusta muss eine ziemliche Nervensäge gewesen sein. Ihr Gemahl, der spätere Kaiser Wilhelm I., tauft sie in jungen Ehejahren „Feuerkopf“. Reichskanzler Bismarck spricht wenig respektvoll von der „alten Fregatte“. Doch die Koblenzer lieben die Prinzessin aus dem Hause Sachsen-Weimar-Eisenach, die ihre glücklichsten Jahre in der Stadt am Schnittpunkt von Rhein und Mosel erlebt hat, wo ihr Mann Militärgouverneur des Rheinlands und Westfalen war.

Im Kurfürstlichen Schloss – ein wahrlich schmucker Repräsentationsbau, den der letzte Erzbischof und Kurfürst von Trier im späten 18. Jahrhundert erbauen ließ – war viel Raum für ihre liberalen Vorstellungen.

Karte von Koblenz
Koblenz liegt an der Mündung der Mosel in den Rhein. Foto: BNN-Infografik

Am verwilderten linken Rheinufer durfte sich in ihrem Auftrag Peter-Joseph Lenné austoben. Jeden Sommer verbrachte sie eine längere Zeit in ihrem „rheinischen Potsdam“, auch nachdem sie Königin und Kaiserin geworden war. Zum Dank wurde Lennés Landschaftspark, der sich ans Konrad-Adenauer-Ufer anschließt, nach ihr benannt. Dort steht auch das Kaiserin-Augusta-Denkmal – an jenem Platz, wo die Wahl-Rheinländerin 1856 einen Spielplatz für ihre Tochter Luise anlegen ließ.

Kaiserin Augusta-Anlage, Landschaftspark mit Pavillons, Skulpturen und Schwanenteich sowie Rad- und Wanderwegen. Eintritt frei.

Zeitreise in der Festung

Bei Koblenz denken die meisten ans Deutsche Eck mit dem monumentalen Reiterstandbild von Wilhelm I., das Kurt Tucholsky mit einem gigantischen Tortenaufsatz verglich, und an die Festung Ehrenbreitstein. In knapp 120 Metern Höhe thront sie über dem gleichnamigen Stadtteil, ein sternförmiges Bollwerk, das schon lange nicht mehr vor anrückenden Feinden schützen muss.

Eines der Gebäude mit der klassizistischen gelben Fassade wird heute als familienfreundliche Jugendherberge genutzt. Die ausgedehnten Höfe, in denen einst preußische Soldaten aufmarschierten, dienen als Kulisse für Gauklerfeste, Theateraufführungen und Konzerte. Und an den „Stationen der Festungsgeschichte“ machen sich die Besucher zu einer Zeitreise auf.

Mit der Seilbahn zum Balkon von Koblenz

Die Ehrenbreitstein ist der wohl schönste Balkon von Koblenz. Tief unten schiebt sich das Deutsche Eck wie der Bug eines Schiffes zwischen Rhein und Mosel. Frachter ziehen ihre Bahn, Flusskreuzfahrtschiffe legen am Adenauer-Ufer an. Die Türme der romanischen Basilika St. Kastior sowie der Florins- und der Liebfrauenkirche ragen aus dem Häusermeer hinaus.

Die Seilbahn überquert den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein und überwindet dabei eine Höhendifferenz von 112 Metern.
Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Seit mehr als zehn Jahren befördert eine Seilbahn Besucher über den Rhein hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Foto: Thomas Frey/dpa

Seit einem guten Jahrzehnt geht es in wenigen Minuten vom Rheinufer hinauf zur Ehrenbreitstein. Als Koblenz 2011 Gastgeber der Bundesgartenschau war, leistete sich die Stadt eine der modernsten Seilbahnen Europas.

Auch nach Ende dieses Sommermärchens, zu dem über drei Millionen Besucher kamen, schweben die 16 Panoramakabinen lautlos über den Rhein – sicherlich eine der größten Attraktionen im Oberen Mittelrheintal.

Empfehlenswert ist das Kombiticket für die Seilbahn, die Festung Ehrenbreitstein sowie eine einstündige Bootstour auf dem Rhein. Es kostet für Erwachsene 23 Euro, Kinder von sieben bis 17 Jahren zahlen die Hälfte. www.gilles-personenschifffahrt.de

Zu Fuß durch die Altstadt

Von der Talstation der Seilbahn, die in der Stunde bis zu 7.600 Passagiere wegschaufelt, sind es nur ein paar Gehminuten bis in die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, malerischen Hinterhöfen und kleinen gemütlichen Plätzen mit Cafés und Restaurants.

Fachwerkgebäude in Koblenz
Tradition: Den Zweiten Weltkrieg haben nur wenige Gebäude überstanden, trotzdem finden sich in der Altstadt Schmuckstücke wie dieses. Foto: Roswitha Bruder-Pasewald

Wer nun Fachwerkidylle wie in vielen Orten entlang der Mosel oder des Rheins sucht, wird enttäuscht sein – dafür hat der Zweite Weltkrieg zu viele Wunden in das Herz der Stadt geschlagen: Zu 87 Prozent wurde Koblenz damals zerstört. Doch wer mit offenen Augen durch die Stadt wandert, findet ein paar Schmuckstücke – beispielsweise die „Vier Türme“ an der Straße am Plan, die Alte Burg, die einst von einem Wassergraben umgeben war, oder die Historiensäule am Görresplatz, die Koblenz zu ihrem 2000. Geburtstag geschenkt bekam.

Ein Mitmachmuseum für alle Altersklassen ist das Romanticum am Zentralplatz. Hier sprechen Sofas zu den Besuchern, hier lesen Sessel Gedichte vor, hier erzählen Scheinwerfer Sagen, und Kameras verraten Geschichten von Burgen und Schlössern.

In der interaktiven Ausstellung geht es als Passagier eines imaginären Schiffes auf eine nicht alltägliche Zeitreise in das von der Unesco geadelte Obere Mittelrheintal. Wer dabei Lust bekommt, den 65 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rüdesheim und Koblenz mit eigenen Augen zu entdecken, wandert einfach zum Konrad-Adenauer-Ufer. Die Ausflugsschiffe zur Burg Stolzenfels und zu den pittoresken Moselorten warten schon.

Erlebnisausstellung Romanticum, Zentralplatz 1. Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen für den Eintritt sechs Euro, Kinder bis zwölf Jahre einen Euro, Kinder ab 13 Jahren vier Euro. www.romanticum.de

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