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Spürbare Zurückhaltung

Die Corona-Impfbereitschaft sinkt - jeder vierte Deutsche will darauf verzichten

Weltweit arbeiten derzeit zahlreiche Pharmaunternehmen unter großem Zeitdruck an der Entwicklung von Corona-Impfstoffen. Die Regierungen setzen kostspielige Impfstrategien auf. Allerdings steht es für viele Bürger noch gar nicht fest, dass sie sich impfen lassen.

Spürbare Zurückhaltung: Während einige Corona-Impfstoffkandidaten kurz vor der Zulassung stehen, zweifeln offenbar noch sehr viele Menschen, dass die Vakzinen wirklich sicher sein werden. Foto: David Cheskin picture alliance/dpa

Die Bereitschaft der Bevölkerung in Deutschland und anderen Ländern, sich gegen Sars-CoV-2 impfen zu lassen, hat seit dem Sommer abgenommen. Zu diesem Schluss kommt eine neue, national repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar bei jeweils 1.000 Personen in sieben Staaten.

Die Soziologen sehen einen Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Corona-Impfung und genereller Impfskepsis sowie dem verbreiteten Misstrauen in die staatliche Politik.

Mehr als jeder Vierte Deutsche will keine Corona-Impfung

Die jüngste Ankündigung des Pharmaunternehmens Biontech, dass ihr Impfstoffkandidat zu 90 Prozent wirksam sein soll, war für Kantar der Anlass, die Einstellungen zur Impfung mit einer Erhebung aus dem Juni zu vergleichen. In Deutschland wollen sich derzeit 35 Prozent der Bevölkerung „definitiv“ gegen Corona impfen lassen.

Im Juni waren es noch 39 Prozent. Die Zahl derjenigen, die sich „wahrscheinlich“ impfen lassen ist seitdem um vier Punkte auf 42 Prozent gestiegen. 27 Prozent lehnen dies ab (Juni: 23 Prozent), der Rest hat keine Meinung.

Am stärksten gestiegen ist die Impf-Zurückhaltung ausgerechnet in den USA, die mittlerweile über 250.000 Corona-Todesfälle haben: Nach 47 Prozent im Juni wollen sich heute nur 30 Prozent „definitiv“ impfen lassen. In Frankreich gab es einen Rückgang um acht Zähler auf 21 Prozent, in Italien um fünf auf 38 Prozent.

Die wachsende Sorge scheint mit den Befürchtungen zusammenzuhängen, dass die extrem schnell entwickelten Impfstoffe nicht vollkommen sicher sein würden. Das denken derzeit zum Beispiel sieben von zehn Franzosen. Die Deutschen sind mit 41 Prozent weniger besorgt als Bürger anderer Länder.

Relativ viel Vertrauen in die Bundesregierung

Das uneingeschränkte Vertrauen, dass die eigene Regierung die richtigen Entscheidungen bei der Corona-Impfstrategie macht, ist laut Kantar ein Faktor für die Einstellung der Menschen. Die Deutschen vertrauen ihrer Regierung am meisten – 33 Prozent sagen dies. In den USA sind es nur 15 Prozent. Frankreich ist in der Vertrauens-Rangliste Schlusslicht mit lediglich neun Prozent.

Wichtig ist zudem die grundsätzliche Impfeinstellung. 69 Prozent der deutschen Befragten denken, dass Impfstoffe im Allgemeinen sicher sind. 13 Prozent glauben das nicht. In den USA, Australien und Großbritannien gibt es jeweils mehr Menschen, die dieser Aussage „voll und ganz“ zustimmen. Klarer ist das Stimmungsbild in Deutschland bei der empfundenen Wirksamkeit von Impfstoffen: 76 Prozent glauben, dass sie wirksam sind, nur neun Prozent denken das nicht.

Noch viel Überzeugungsarbeit notwendig

Die Experten halten die Erkenntnisse der Studie für alarmierend. „Wenn weniger als die Hälfte der Bevölkerung einer Nation sagt, dass sie sich ‚auf jeden Fall‘ impfen lassen würde, bedeutet dies, dass die Regierungen eine gewaltige Aufgabe vor sich haben“, kommentierte Emmanuel Rivière, Vorsitzender des „Centre Kantar sur le Futur de l’Europe“. Die Regierungen müssten das Vertrauen in die Impfstoff aufbauen und ihre Nationen mobilisieren, sich tatsächlich impfen zu lassen, schlussfolgerte Rivière.

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