Kriegsstraße
DER GRAUE BLOCK an der Kriegsstraße steht vor dem Abriss. Noch bestimmen der seit drei Jahren leer stehende linke Teil des Klotzes und die Baustelle für den Autotunnel die Szenerie der City-Autobahn. Doch 2022 soll dort alles anders sein: Ein Hotel mit ansprechender Architektur und ein Boulevard mit Bäumen und Gleisen sind angekündigt. | Foto: jodo

Viele Pläne für große Häuser

„Hotelstadt“ Karlsruhe spielt Bauplatz-Monopoly

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In der Hotellandschaft der Fächerstadt ist Bewegung. Die Übernachtungszahlen haben stark zugelegt, und die Wirtschaftsförderung propagiert – gestützt auf ein Gutachten – den Bau von fünf großen Hotels mit zusammen rund 1 800 Betten, um den bis 2030 prognostizierten Bedarf zu decken.

Dabei dreht sich das Standort-Karussell. Ein Dutzend Bauplätze an herausgehobenen Stellen wird diskutiert. Mehrere Investoren haben feste Bauabsichten, etwa in Nähe des Hauptbahnhofs und an der Kriegsstraße.
Das alte „Residenz“ vom Baujahr 1919 ist geschlossen. Im früheren Prachthotel am Bahnhofplatz hat sich eine Hostelkette fürs billige Übernachten nur sechs Jahre lange gehalten. Gleichzeitig aber boomt Karlsruhe auch bei den Übernachtungen.

Mehr Touristen

Die Zahlen der Geschäftsreisenden und der Touristen legen seit einigen Jahren ständig zu. Gestützt auf ein Gutachten zur Entwicklung der Karlsruher Hotellandschaft propagiert die städtische Wirtschaftsförderung deshalb den Bau mehrerer großer Hotels bis 2030, um der erwarteten Nachfrage zu entsprechen.

Mehr Bettenburgen?

„Nach dem Hotelgutachten braucht Karlsruhe bis 2030 etwa 900 Zimmer mehr“, meint die Stadtverwaltung. Dies entspricht einem Zuwachs von 1 800 Hotelbetten. Dabei hat man bald ein Dutzend möglicher Standorte für Bettenburgen von Format ausgeguckt.

 

Residenzhotel
MIT 99 JAHREN steht das Residenzhotel auf der Westseite des Bahnhofplatzes leer. In dessen Nähe werden gleichzeitig vier neue Hotelstandorte gehandelt. | Foto: jodo

 

Mehr Qualität und Quantität

Beim Ausbau Karlsruhes als moderne Residenz für Touristen, Kongressgäste und Geschäftsleute geht es laut Gutachten mit entscheidend um die Qualität des Zimmerangebots und die Quantität unter einem Dach. Kleine Häuser gebe es genug unter den rund 75 Hotels in der Fächerstadt, große Vielsternhäuser aber fehlten.

Modernisierung?

Ob dabei auch die Modernisierung des alten „Residenz“ – gegenüber vom Schlosshotel einst eine der ersten Adressen der Fächerstadt – durch einen Investor eine Rolle spielen kann, scheint noch offen.

Vier Bauplätze um den Bahnhof

Allein in unmittelbarer Nähe des „Residenz“, also um den Hauptbahnhof herum, nennt das Wirtschaftsdezernat der Stadt derzeit drei, vier Bauplätze, die jeweils für ein großes Hotel geeignet seien: In der Victor-Gollancz-Straße, direkt am Bahndamm und nur einen Steinwurf vom „Residenz“ entfernt, wollen die Investoren GeRo Real Estate AG und Fay Projects GmbH einen Gebäudekomplex mit Hotel hochziehen. Noch läuft dafür das Bebauungsplanverfahren. Die Stadt sieht dort schon 180 Zimmer kommen.

Übrigens gibt es außer dem Schlosshotel am Bahnhofplatz und dem Ibis-Hotel schräg gegenüber in der Poststraße auch schon hinter dem Hauptbahnhof mit dem B&B-Hotel an der Schwarzwaldstraße zwei weitere Vielbettenhäuser um den Hauptbahnhof.

Hotels in Zwillingstürmen?

Hinterm Hauptbahnhof geht es jetzt mit den Hotelplänen weiter: Die Westfläche des neuen Boomfilets „Hauptbahnhof Süd“ – noch in städtischer Hand – gilt als Optionsfläche für ein Hochhaus mit Hotel. Gleiches gilt für den rund 75 Meter hohen Zwillingsturm auf der Ostseite des Geländes, auf das der Großinvestor Dommermuth eine Option hat.

Hotel am Wasserturm?

Dazu kommt noch der Bauplatz um den alten Wasserturm etwas weiter östlich an der Fautenbruchstraße. Der Plan des Karlsruher Projektentwicklers Friedrich Georg Hoepfner sieht auch dort einen Hotelbau vor. Das Grundstück ist mittlerweile an einen anderen Investor verkauft.

Hotel beim Nymphengarten

Immerhin so gut wie sicher kommt ein neues Hotel an die bis 2022 umgebaute Kriegsstraße. Der Freiburger Investor Hans-Peter Unmüßig hat die Bauplanung eines Hotels der Kette „Motel One“ mit 280 Zimmern schon weit vorangetrieben: Nach dem Abriss des Teilblocks gegenüber dem Nymphengarten soll dort der Hotelneubau 2022 in Betrieb gehen.

Hotel am Ettlinger Tor?

Der gleiche Investor hat auch das Postgiroamt am Ettlinger Tor gekauft, also ebenfalls am kommenden Boulevard „Kriegsstraße“ gelegen. Dort wünscht sich nicht nur die städtische Hotelförderung eine repräsentative Herberge gegenüber vom Staatstheater.

Hotel am Europabad?

Drei weitere Hotelstandorte sind in der Diskussion: Die Planungen sind dazu aber noch nicht spruchreif. Die städtischen Bäderbetriebe können sich ein Hotel direkt beim Europabad vorstellen. Auch für den Europaplatz gegenüber der Postgalerie gibt es Hotelpläne, genauso wie für eine Übernachtungsstätte am Technologiepark.

Außerdem macht die Entwicklung nicht vor etablierten Häusern halt. Beispielsweise möchte sich das Hotel Eden an der Bahnhofstraße in der Südweststadt einen Erweiterungsbau in den Garten setzen. Diese Nachverdichtung wollen Nachbarn aber verhindern.