Neue Technik: Stadtwerke-Abteilungsleiter Peter Riedinger, Bürgermeister Alexander Uhlig und Stadtwerke-Chef Helmut Oehler (von links) werfen einen Blick in die Anlage zur Aufbereitung des Trinkwassers. | Foto: Rudolphi

Stadtwerke sind Vorreiter

Baden-Badener Trinkwasser wird weicher und PFC-frei

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Bereits seit Anfang August fließt weicheres und nahezu PFC-freies Trinkwasser aus den Hähnen der Baden-Badener Haushalte. Grund ist die neue Anlage zur sogenannten Niederdruck-Umkehrosmose mit Retentataufbereitung, die die Stadtwerke im Grundwasserwerk Sandweier installiert haben.

Die Einspeisung des weichen Wassers erfolgt Zug um Zug

Bis alle Haushalte in den Genuss des weichen Wassers kommen, wird es noch etwas dauern. „Wir können nur Zug um Zug einspeisen, um Eintrübungen zu vermeiden“, erklärte Peter Riedinger, Stadtwerke-Abteilungsleiter Netz und Anlagen Gas, Wasser, Wärme, am Freitag bei der Feier zur offiziellen Inbetriebnahme der Anlage.

Die Anlage bereitet 750 Kubikmeter pro Stunde auf

Kern der Technik sind sechs Racks, die mit dem Verfahren der Niederdruck-Umkehrosmose rund 750 Kubikmeter Wasser pro Stunde aufbereiten. Zuvor ist das Grundwasser bereits durch eine Anlage geflossen, die ihm Eisen und Mangan entzieht. Diese Technik haben die Stadtwerke bereits im vergangenen Jahr installiert und dafür rund 3,5 Millionen Euro investiert.

Das Trinkwasser ist nahezu PFC-frei

Die Aufbereitung durch die Niederdruck-Umkehrosmose reduziert die Wasserhärte von bisher 18 auf künftig sechs bis zehn Härtegrade. Zudem filtert die Anlage das PFC fast vollständig aus dem Trinkwasser.
Das bei diesem Verfahren entstehende und stark PFC-konzentrierte Spülwasser strömt anschließend durch Aktivkohlefilter, um den PFC-Gehalt zu minimieren. Die neu gebaute Anlage mit drei Filtern reinigt bis zu 450 Kubikmeter Wasser in der Stunde.

Das Retentat fließt in den Sandbach

Die Stadtwerke führen das gereinigte sogenannte Retentat über zwei eigens gebaute Leitungen von jeweils 1,8 Kilometern Länge in den Sandbach. „Das in den Bach eingeleitete Retentat hat Trinkwasserqualität und dessen PFC-Gehalt liegt weit unter den Bewertungsgrenzern“, bekräftigte Riedinger. Die Investitionskosten für die Niederdruck-Umkehrosmose und die Retentataufbereitung beziffert er auf rund 3,2 Millionen Euro.

Aktivkohelfilter: Sie reinigen das mit PFC-belastete Spülwasser vor der Einleitung in den Sandbach. | Foto: Rudolphi

Die Anlage ist einmalig in Deutschland

„Diese Anlage ist bislang einmalig in Deutschland“, sagte Bürgermeister Alexander Uhlig. Mit der Investition trügen die Stadtwerke dazu bei, ihren Kunden Wasser als Lebensmittel Nummer eins in höchster Qualität zu liefern. Weitere positive Effekte für die Umwelt kommen hinzu: Neben der niedrigeren PFC-Fracht in den Sandbach entfernt die neue Technik Riedinger zufolge bis zu 1.000 Gramm PFC jährlich aus dem Ökosystem.

Die PFC-Problematik verzögert die Planung

Helmut Oehler, Geschäftsführer der Stadtwerke, wies darauf hin, dass es ursprünglich beabsichtigt gewesen sei, das weichere Wasser bereits zu einem früheren Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Dann sei jedoch die PFC-Problematik in Mittelbaden hinzugekommen und die Stadtwerke hätten ganz neu planen müssen, um diese Herausforderung zu bewältigen. „Wir haben das komplett selber gestemmt“, meinte Oehler voller Stolz.

Kommentar zum Thema: Es ist ein großer Wurf, der den Stadtwerken gelungen ist. Mit der neuen Anlage im Grundwasserwerk Sandweier tragen sie dazu bei, dass künftig deutlich weicheres Wasser aus den Hähnen in den Baden-Badener Haushalten fließt und dieses Wasser nahezu PFC-frei ist. Damit kein Missverständnis aufkommt: Der PFC-Gehalt im Trinkwasser lag auch schon zuvor deutlich unter der sogenannten Bewertungsgrenze.
Im Unterschied zu Investitionen ins Kanalnetz wird der Kunde die jüngsten Ausgaben von rund 6,5 Millionen Euro unmittelbar zu spüren bekommen. Die Zeiten von lästigen Kalkablagerungen in Küche, Bad und WC sowie Kalkflocken im Tee und Kaffee sind künftig vorbei. Zudem können viele Bürger ihre in den Häusern privat installierten Entkalkungssysteme jetzt stilllegen. Mancher wird sich auf das weichere Wasser wohl erst noch einstellen müssen. Spätestens dann, wenn die Waschmaschine überschäumt, weil sie nicht mehr so viele Waschmittel benötigt wie bisher.
Mit der neuen Anlage zur Wasseraufbereitung sind die Stadtwerke Vorreiter in Deutschland. Von der Technik profitieren nicht nur die Kunden, sondern auch die Umwelt, weil sie den Schadstoffeintrag senkt.
Immerhin entfernt sie pro Jahr rund ein Kilo PFC dauerhaft aus dem Ökosystem – wenigstens ein kleiner positiver Beitrag angesichts der PFC-Problematik in Mittelbaden. Das Ganze hat allerdings seinen Preis: Der Kubikmeter Wasser wird künftig 40 Cent mehr kosten.