Carsten van Husen zeigt einen Prototypen des Bcon: Rotes Leuchten bedeutet, dass der Bcon aktuell mit keinem Computer verbunden ist. Blau sagt dem Anwender, dass es los gehen kann. Grün bestätigt eine erfolgreiche Verknüpfung. | Foto: Fabry

Gründer Carsten van Husen

Diese Technologie macht den Fuß zu einer Hand

Anzeige

Mit 46 Jahren noch einmal gründen? Carsten van Husen, einst CEO bei der Karlsruher Online-Spielefirma Gameforge, hat den Sprung ins Ungewisse gewagt. Mit der Erfindung Bcon will er den Fuß zur dritten Hand machen.

Im BNN-Gespräch sitzt der Gründer von CapLap, der Firma, die den Bcon auf den Markt bringen möchte, auf dem Hoepfner-Burg-Gelände im gemieteten Konferenzraum, der Teil des CyberLabs ist, einer Initiative des Netzwerks Cyberforum. Hier können Start-ups ein Jahr lang wachsen. Das gebuchte Besprechungszimmer ist so groß wie einst van Husens Eck-Büro. Außer an Tagen mit Terminen arbeitet er heutzutage meistens am Computer im Arbeitszimmer zu Hause und ist dort im virtuellen Austausch mit den Kollegen. Gerade seine jungen Mitarbeiter hätten keine Probleme, mehrere Stunden am Tag online im Video-Chat-System präsent zu sein und dabei dennoch konzentriert zu arbeiten.

Gründen bedeutet viel Arbeit

Am Tag des BNN-Gesprächs liegen viele Nächte mit weniger als fünf Stunden Schlaf hinter van Husen. Schließlich sei ein Start-up mit viel Arbeit verbunden. Nachdenklich berührt der Gründer einen Prototypen des Bcons. Immer wieder bewegt er ihn hin und her, fast unbewusst, und sagt: „Als Kaufmann möchte ich ein Produkt einführen, welches von Leuten gekauft wird. Aber das Entscheidendste ist, dass man etwas schaffen will – das ist es bei mir.“

Neugier auf Neues ist ein Teil von van Husen

Der Wirtschaftsprofi ist ein wichtiger Teil von van Husens Persönlichkeit. Immerhin ist der in Rheinfelden geborene Badener gelernter Bankkaufmann und studierter Manager. Doch so sehr die mathematisch-sachliche Seite in ihm veranlagt ist, steckt auch die Sehnsucht in ihm, Neues auszuprobieren. Im Wehrdienst ist er mit seiner Marineeinheit und der Nato im adriatischen Meer unterwegs. Im Studium führt ihn seine Neugier gleich in mehrere Länder auf unterschiedlichen Kontinenten, unter anderem Chile, Japan und Frankreich. Dieser Entdeckerdrang bringt ihn auch dazu, seinen ersten Arbeitgeber früh zu verlassen, eine Firma zu gründen und schließlich zu verkaufen. Weitere Jobwechsel stehen an, bis er zumindest in einer Branche dauerhaft ankommt: der Spieleindustrie, die nun seit 20 Jahren sein Arbeitszuhause ist. Nach einem Umzug aus München 2005 arbeitet er bis 2016 bei Gameforge in Karlsruhe.

Mit seinem Start-up hat sich viel geändert: „Jetzt ist es etwas Anderes, da zählen die digitalen Ergebnisse und man crowdet vor sich rum. In der Hoffnung, dass es mal wieder etwas Großes wird, was im Moment nur eine Chance ist“, sagt er und spielt mit crowden auf das Crowdfunding an, die Finanzierung eines Produktes von vielen Menschen.

Vor allem für Zocker: der Bcon

Mit dem Bcon läuft eine entsprechende Gründungsrunde bei Kickstarter bis zum 15. Juni. Die Plattform, die aus dem Gedanken heraus entstand, dass Leute eine Idee unterstützen können, habe sich zu einer Hochglanz-Verkaufsfläche mit günstigen Vorverkaufspreisen entwickelt. Um sein Produkt zu bewerben, hieß es für van Husen, seinen Mitgründer sowie für die zwei Mitarbeiter Bilder, Grafiken und Videos zu erstellen und für ständig aktualisierten Inhalt in der vierwöchigen Finanzierungsphase zu sorgen. Täglich spielen etwa zwei Spieler live auf Twitch, einer Videoplattform für Online-Spiele-Fans, um den Bcon in der Anwendung zu zeigen.

Fußbewegungen in Aktionen übersetzen

Bei dem Produkt handelt es sich um eine Steuerung, die vor allem am Fuß, aber auch am Kopf verwendet werden kann. Sie ergänzt übliche Eingabegeräte wie Maus und Tastatur. So kann zukünftig nicht nur die Hand, sondern auch der Fuß bestimmte Befehle und Aktionen auslösen. Dazu erhalten Bewegungen, etwa das Neigen des Fußes, eine Zuweisung zu Tastaturbefehlen. Für Zocker soll dies eine Entlastung sein, weil die zusätzliche Unterstützung helfe, komplexe Spielsituation besser zu meistern.

Der andere Vorteil: „Je älter ich werde, desto mehr habe ich eine Leidenschaft für den guten Zweck.“ Entsprechend freue es van Husen, dass der Bcon auch für Menschen, die an den Händen körperlich eingeschränkt sind, eine Weiterentwicklung sei. Bisher habe es für diese Zielgruppe nur sehr teure Spezialentwicklungen, etwa als Ersatz für Spielemäuse, gegeben. Entstanden sei der Bcon aus einer Idee, Wearables, also am Körper als Accessoires getragene Technologie, als Ausgabegerät zu benutzen. „Wir wollten über das hinausgehen, was die Wearables, meist mit Sensoren, heute schon tun, nämlich Puls messen und so weiter.“

Und wenn es nicht läuft?

Die Kontroll- und Bewegungssteuerung sei als Kommunikationskonzept so neuartig, dass man auch ein Patent eingereicht habe. Wie es mit dem Start-up weitergeht, wird vom Erfolg der Kampagne auf Kickstarter abhängen. Und wenn das Start-up nicht läuft? „Sollte das nicht klappen, lasse ich mich irgendwo wieder anstellen. Dann muss ich mich ein bisschen erholen“, meint van Husen und lacht.

Gründet es sich im Valley leichter?

Oder er würde reisen: Schon nach seiner Gameforge-Zeit ist er ein halbes Jahr lang einmal im Monat für eine Woche in ein neues Land gereist, und auch wenn er schon über 110 Länder erlebt hat, sind da noch genug, die er gerne einmal sehen würde. Allen voran den Kontinent Afrika, von dem er bisher nur Marokko kenne. Zwischendrin schiebe er auch Badeurlaube ein – für seine Frau und seine zwei Töchter, die in Karlsruhe ein Gymnasium besuchen, und die der Hauptgrund für die Gründung in der Fächerstadt seien. Van Husen glaubt fest, dass es Hardware-Gründer in Deutschland nicht einfach haben: „Ich habe häufiger gehört, wenn das was werden soll, dann musst du nach Amerika gehen – ins Silicon Valley. “