MacBook Pro
Übers Internet konnten Nutzer über das "Jugendwort des Jahres" abstimmen. Nach einem Hackerangriff ist damit aber erstmal Schluss. | Foto: Christoph Dernbach

Hobby-Projekt

Abstimmung zum Jugendwort des Jahres nach Hacker-Angriff abgeblasen

Anzeige

„I bims“, „Smombie“, „Yolo“: Die Wahl zum Jugendwort des Jahres sorgt alle Jahre wieder für Diskussionen. Weil der Langenscheidt-Verlag in diesem Jahr keine Wahl organisiert hat, hat das ein 26-jähriger Mann in seiner Freizeit übernommen – Hacker haben ihm nun aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wie spricht die Jugend? Seit 2008 fragt sich die Redaktion des Langenscheidt-Lexikons sich das jedes Jahr – und lässt eine Jury das „Jugendwort des Jahres“ wählen. Die Gewinner sind meistens umstritten, regen aber immer auch Diskussionen an.

2019 nun gab es vom Verlag keine Ankündigung für eine erneute Wahl. Ein 26-jähriger Fan der Wahl ließ das nicht auf sich sitzen – kurzerhand rief er selbst eine Wahl zum Jugendwort des Jahres 2019 ins Leben. Im Internet konnten die User für ihren Favoriten abstimmen.

Diese Begriffe waren bei der Abstimmung mit dabei:

Tchuligom | Eine humorvolle Art, „Entschuldigung“ zu schreiben
Alman | Ein Mensch mit typisch deutscher Verhaltensweise
Safe | Wenn etwas zu 100% sicher ist
Muss los | Reaktion auf eine peinliche/merkwürdige Situation
Gönnjamin | Person, die anderen etwas gönnt
Ja Moin! | Ausdruck der Verwunderung
Ehre genommen | Ausdruck dafür, dass eine Person eine andere Person vorgeführt hat
Cringe | Ausdruck dafür, wenn man sich fremdschämt
Getriggert | Ausdruck dafür, dass der wunde Punkt einer Person getroffen wurde, die deshalb emotional reagiert
Auf meinen Nacken | Jemandem etwas ausgeben
Kek | Möchtegern/Weichling/Verlierertyp
Flexen | Angeben/Prahlen
Küsse dein Auge | Ausdruck großer Dankbarkeit
Bratan/Bra | Freund/Kumpel
Zu wild | Ausdruck dafür, dass etwas außergewöhnlich gut ist
Habibi | Freund/Kumpel
Cornern | Im Viertel abhängen
Hustlen | Hart arbeiten
Lachkick | Sich über etwas totlachen

Nicht so nice: Zu einer Siegerehrung wird es wohl nicht mehr kommen. Die Seite ist nach einem Hackerangriff vor dem Ende der Abstimmung offline genommen worden. „So Leute, jetzt haben es einige leider geschafft, dafür zu sorgen, dass wir die Wahl zum Jugendwort des Jahres abbrechen müssen“, schreibt sich der Initiator des Projekts den Frust von der Seite. Der 26-Jährige betreibt auch die beliebte Facebook-Seite „Best of Kleinanzeigen“ mit rund 500.000 Followern. Er berichtet von einem „Dauerfeuer von Bot- und Hacker-Angriffen auf die privat aufgebaute Seite sowie auf die Seite seines Helfers, der eine private Medienagentur betreibe. „Ich finde es etwas traurig, dass eine Spaßveranstaltung Menschen anscheinend dermaßen triggert und zu solchen Aktionen veranlasst, bei denen Unbeteiligten ein Schaden entsteht“, heißt es in der Mitteilung.

Bereits vor einer Woche hatte es Ärger rund um die Wahl des Jugendworts 2019 gegeben: Der Organisator hatte den umstrittenen Begriff Buttergolem aus dem Rennen genommen, weil Bot-Nutzer wohl massenhaft für den Ausdruck gestimmt hatten – der nun erfolgte zweite Hackerangriff könnte eine Racheaktion der Buttergolem-Verfechter sein.

Was bedeutet Buttergolem? Ursprünglich ist Buttergolem eine beleidigende Bezeichnung für eine dicke Person. In der deutschen Internetszene wird aber vor allem der höchst umstrittene Youtuber „Drachenlord“ als Buttergolem bezeichnet. „Drachenlord“, der in einem kleinen Dorf in Bayern lebt, ist schon seit Jahren das Ziel groß organisierter Cyber-Mobbing-Aktionen, die auch die Polizei schon häufig beschäftigt haben.

Die bisherigen Gewinner des „Jugendwort des Jahres“:

2018: „Ehrenmann/Ehrenfrau“

2017: „I bims“

2016: „Fly sein“

2015: „Smombie“

2014: „Läuft bei dir“

2013: „Babo“

2012: „Yolo“

2011: „Swag“

2010: „Niveaulimbo“

2009: „hartzen“

2008: „Gammelfleischparty“