Wie ein 7-Zoll-Tablet auf einer Lautsprecher-Box: Der Google Nest Hub ist für 129 Euro erhältlich. | Foto:   Bänsch/tmn

Der sprechende Bilderrahmen

Ausprobiert: Google Nest Hub

Anzeige

Vernetzte Lautsprecher mit einem Display und einem Sprachassistenten wie Amazons Alexa oder Googles Assistant an Bord gibt es viele. Der Google Nest Hub sticht gleich doppelt hervor: Es hat nur einen kleinen Bildschirm – und keine Kamera. Das heißt schon mal, dass man damit keine Videokonferenzen machen kann. Zur US-Markteinführung vor gut einem halben Jahr hob Google aber auch den Datenschutz-Aspekt hervor: Ohne Kamera könnten Nutzer eher geneigt sein, das Gerät sogar im Schlafzimmer aufzustellen.

Seitdem ist einiges passiert: Vor kurzem hat Google mit dem Nest Hub Max eine größere Version vorgestellt. Sie hat nun nicht nur eine Kamera, sondern auch die Gesichtserkennung FaceMatch, dank der jedem Nutzer im Haushalt speziell auf ihn zugeschnittene Informationen angezeigt werden sollen. Dieses Gerät kommt im Sommer für gut 200 Euro auf den Markt, aber zunächst nur in den USA, Großbritannien und Australien.

Google Nest Hub erkennt Stimmen

Beim Original-Hub für 129 Euro lassen sich die Antworten des Google Assistant zusammen mit den Inhalten auf dem Bildschirm personalisieren: mit Hilfe der Stimmerkennungsfunktion VoiceMatch. Die Stimmsignatur wird beim ersten Mal im Nutzerprofil auf Googles Servern gespeichert und muss daher nicht auf jedem weiteren Gerät neu erfasst werden. Somit können mehrere Personen in einer Familie oder Wohngemeinschaft den Google Nest Hub nutzen, ohne dass vertrauliche Informationen wie Kalender-Einträge für die anderen einsehbar wären. Noch ein Datenschutz-Feature: Das Mikrofon kann man mit einem Schiebe-Schalter abklemmen.

Datenschutz-Feature: Beim Google Nest Hub lässt sich das Mikrofon mit einem Schiebe-Schalter ausstellen. Foto: Bänsch

Beim Hub fällt zunächst einmal auf, wie zierlich er ist. Im Prinzip sieht er aus, als hätte man ein 7-Zoll-Tablet mit breitem Rahmen um das Display auf einem kleinen Lautsprecher angebracht. Google gab sich dabei besonders Mühe, die Fotos auf dem Display gut aussehen zu lassen: Unter anderem soll ein Sensor dafür sorgen, dass die Helligkeit an die Lichtverhältnisse angepasst wird. Die moderate Bildauflösung von 1024 zu 600 Bildpunkten wirkt dabei nicht problematisch. Wird es dunkel im Raum, schaltet der Hub von einer Diashow in den Nacht-Modus mit schwarzem Bildschirm und grauer Digital-Uhr.

Assistent findet die passenden Bilder

Komplett macht die Bilderrahmen-Funktion die Möglichkeit, Bilder aus dem Cloud-Dienst Google Fotos abrufen zu lassen – sowohl aus einzelnen Alben als auch aus der gesamten Sammlung. Der Assistant ist ziemlich gut darin, auf Sprachbefehl hin bestimmte Bilder aufs Display zu bringen, egal, ob es um Fotos aus einem Urlaubsort oder Aufnahmen einer einzelnen Person geht. Dafür arbeitetet im Hintergrund Googles Software daran, die Fotos zu katalogisieren.

Das Beispiel demonstriert exemplarisch das Wichtigste, was man über den Google Nest Hub wissen muss: Er ist vor allem für Leute, die in der Google-Welt leben. Das Gerät ist umso nützlicher, je mehr Dienste des Internet-Konzerns man nutzt – Kalender, Karten, E-Mail, YouTube. Dann funktioniert es zum Beispiel, sich die Route zum nächsten Termin auf der Karte anzeigen und auf das Smartphone überspielen zu lassen. Oder auf eine personalisierte YouTube-Playlist zuzugreifen.

Bild und Ton für Streaming zu schwach

Man kann die Videodienste Zattoo und Maxdome direkt auf das Hub-Display bringen und neben YouTube Music auch das Angebot des Musikstreaming-Marktführers Spotify einbinden. Allerdings ist der Bildschirm eher klein und hat zu niedrige Auflösung, um ohne Not darauf fernzusehen. Und der kleine Lautsprecher klingt zu schwachbrüstig für echten Hörgenuss. Aber er ist ausreichend, um sich zum Beispiel Kochrezepte vorlesen zu lassen.

Der Nest Hub bietet übrigens auch an, eine Verbindung mit dem Streamingdienst Netflix herzustellen, aber die Sache hat einen Haken. Man kann darüber dann nur die Netflix-Apps steuern, die auf anderen Geräten laufen, etwa auf Googles Streaming-Gadget Chromecast oder einem vernetzten Fernseher. Auf dem Display des Google Nest Hub selbst landen die Netflix-Videos nicht.

Die Bezeichnung Hub trägt das Gerät, weil man damit auch Smarthome-Technik wie vernetzte Lampen, Thermostate oder Schlösser steuern soll. Ein wichtiger Unterschied zur Konkurrenz wie Amazons erfolgreichem Echo Show ist aber, dass das Google-Gerät nicht die Aufgaben eines klassischen Smarthome-Hubs übernimmt, das Lampen, Heizung und andere Technik ins heimische Netz einbindet. Stattdessen müssen sie bereits eingerichtet und mit dem Google Assistant verbunden sein, um sie mit dem Hub bedienen zu können.

Kann noch mehr: Der größere Google Nest Hub Max, der in Kürze in einigen Ländern auf den Markt kommen soll.  Foto: Edelson / AFP

Warten auf den großen Bruder

Zum US-Marktstart hieß das Gerät noch Google Home Hub, inzwischen band der Internet-Konzern die 2014 gekaufte Smarthome-Firma Nest enger an sich – der neue Name spiegelt das wider. Eigentlich greift die Nest-Integration erst mit dem neuen Nest Hub Max, dessen Kamera gleich als Sicherheitskamera fungieren kann. Google macht keine Angaben dazu, wann das Max-Modell in Deutschland verfügbar sein könnte – und erklärt auch nicht so recht, woran das liegt. Neue Geräte erforderten Aufwand bei der Lokalisierung, heißt es. Aber die Arbeit, passende visuelle Inhalte zu Sprachantworten des Assistenten zu liefern, haben die Entwickler ja schon für den kleinen Googel Nest Hub erledigt.    Andrej Sokolow