Ute Klingelhöfer hat als digitale Nomadin gelernt, berufliche Freiheiten zu schätzen. Mittlerweile ist sie Unternehmerin mit Angestellten, reist aber immer noch gerne. Und nimmt die Arbeit dabei mit. | Foto: jodo

Digitale Köpfe der Region

Ausbruch aus der Komfortzone

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„Es war nicht immer gut, es war nicht immer einfach.“ Wenn Ute Klingelhöfer zurückschaut auf die vergangenen Jahre ihrer Selbstständigkeit, kann sie sich an schwierige Zeiten erinnern. Die 30-Jährige führt ihr eigenes Unternehmen Contentwerk, leitet damit ihre Kunden durch den Dschungel der zahlreichen Social Media-Kanäle, hilft ihnen, eigene Strategien für die Onlinewelt zu entwickeln. Und ist dabei selbst auf dem Globus unterwegs. Als digitale Nomadin lernte sie, wie es ist, weltweit unterwegs zu sein, zu arbeiten und seine Grenzen stets auszuweiten.

„Ich war ausgebucht, hatte rund um die Uhr zu tun.“

Den Grundstein dafür legte sie mit dem Studium der Technischen Redaktion an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, dabei hatte sie eigentlich etwas ganz anderes vor. „Meine Pläne waren es, zunächst einmal fünf Jahre ganz klassisch in einem Unternehmen zu arbeiten, als Berater im Bereich der technischen Dokumentation Doch durch verschiedene Praktika änderte sich mein Fokus, ich wollte den Schwerpunkt mehr auf Social Media legen.“ Ein Job für ein großes deutsches Kommunikationsunternehmen bestärkte sie, die Selbstständigkeit zu suchen. Damals musste sie den Umgang mit unzufriedenen Kunden managen, einen Shitstorm im Netz überstehen. „Ich war ausgebucht, hatte rund um die Uhr zu tun. Es war anstrengend, aber mir hat das den Start unglaublich erleichtert. Ich konnte einfach viele Kontakte knüpfen und der Verdienst war auch nicht schlecht.“

Im September 2012 gründete sie Contentwerk, arbeitete als Selbstständige für verschiedenste Unternehmen. „Ich begriff, dass mit den neuen Freiheiten auch neue Herausforderungen kamen. Es bot mir aber auch gleichzeitig mir die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln, meine Komfortzone zu verlassen und auch Gespräche zu führen, die man sich normalerweise nicht wünscht. Spannend und aufregend war diese Zeit.“ Ende 2015 suchte Klingelhöfer eine neue Herausforderung und fand sie in Brasilien. „Drei Monate verbrachte ich dort, arbeitete und traf mich mit Menschen, die Ähnliches ausprobierten“, sagt sie. Nicht von ungefähr kam die lange Reise. Sie war schon häufiger unterwegs. „Ich lerne gerne andere Kulturen kennen, mag den neuen Geschmack fremder Speisen und ich kann in bislang ungewohnten Umgebungen gut abschalten.“

„Nicht jedem Kunden gefiel, dass ich in Südamerika war. Einige konnten ein Urlaubsziel für Europäer, wie es Brasilien ist, nicht mit Arbeit in Verbindung bringen.“ Ferner sei es manchmal gar nicht so einfach gewesen, einen Internetzugang zu finden. Missen möchte sie die Erfahrung aber auf keinen Fall. Nicht nur wegen der vielen eindrücklichen Momente, die sie erlebte: „Ich erinnere mich gerne an den einen Morgen, als wir um 5 Uhr vom Strand hinaus schwammen und eine kleine Gruppe von Delfinen neben uns auftauchte.“ Die Zeit im Ausland half ihr, sich über die Ausrichtung ihrer eigenen Arbeit klar zu werden. „Künftig möchte ich vor allem Onlinetrainings machen, ich kann an ihnen ortsunabhängig arbeiten, ich muss dafür nicht im Büro sein. Und ich achte darauf, solche Kunden zu haben, die auch mit meiner Art zu arbeiten, zurechtkommen. Solche, die es verstehen und auch zu schätzen wissen.“

„Ich habe mich immer gleichberechtigt gefühlt.“

Ganz in der Region unterwegs ist die gebürtige Gießenerin mit den in Karlsruhe von ihr und anderen Frauen neu gegründeten Digital Media Women. „Es ist eine weitere Herausforderung, der ich mich stelle“, sagt sie. Der Verein hat seine Wurzeln in Hamburg, mittlerweile gibt es einige Quartiere in Deutschland, der Karlsruher Spross der Digital Media Women ist der jüngste Ableger. „Wir wollen Frauen ermutigen, sichtbarer zu sein. Ich selbst habe mich immer gleichberechtigt gefühlt, aber gerade bei Vortragsveranstaltungen ist es schon auffällig, dass vor allem männliche Teilnehmer am Podium stehen.“ Klingelhöfer würde gerne in Zukunft mehr Veranstaltungen sehen, die sich speziell an Frauen richten, oder Mädchen. „Eine Programmiernacht nur für junge Frauen, das wäre mal ein Anfang.“ Sie zitiert die Vorsitzende der Digital Media Women, Maren Martschenko: „Die Digitalisierung ist eine Chance für die Gleichberechtigung. Und die Gleichberechtigung eine Chance für die Digitalisierung.“ Gerade in der Kommunikation können Frauen ihre Stärken einbringen. Auch das hat sie auf ihren Reisen über den Globus gelernt.