Der Cineast Bernd Strehhuber fühlt sich im Kinosessel wohl. Als Juror bei beim Filmfestival Independent Days urteilt er über Filme, als Techniker hatte er entscheidend mitgewirkt, KA-WLAN zu etablieren. | Foto: Andrea Fabry

Digitale Köpfe der Region

„Wir wollten das Internet in die Welt bringen“

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Fototermin in der Schauburg – Bernd Strehhuber nimmt für das Bild in einer der vorderen Reihen Platz. „Hier hat man mit den besten Blick auf die Leinwand“, erklärt er. Man darf es ihm glauben: Schon unzählige Male saß der Cineast in diesem Kinosaal. Als Teil der Crew des Filmfestivals „Independent Days“ hat er schon einige Hundert Filme begutachtet, gute wie weniger gute. Würde er alle für ein Festival eingereichten Filme am Stück schauen wollen, es wären gut 34 Tage an zu sichtendem Bildmaterial, erklärt Strehhuber und schmunzelt. Was kann denn da überhaupt noch begeistern? „Wenn es ein Film schafft, neue Stoffe und Ideen aufzugreifen – das ist schon toll und freut mich.“ Schwierig ist es allemal, der 44-Jährige ist anspruchsvoller geworden.

Als der Technikfachmann für das Filmfestival muss er es aber auch sein, die komplexe Technik und die zahlreichen Formate, in denen Beiträge eingereicht werden, haben ihre Tücken. „Vor den Independent Days sitze ich fünf Tage lang im Kino und schaue mir punktuell Filme an, um sie auf Lippensynchronität hin zu überprüfen. Auch kleine Unterschiede zwischen Ton und Bild machen mich wahnsinnig, das geht gar nicht.“ Die Korrektur dessen ist aber relativ einfach. „Die meisten Filme kommen mittlerweile digital, noch vor wenigen Jahren mussten wir mit unzähligen Formaten arbeiten und umgehen“, erinnert er sich.

Wegbereiter in das Internet

Es schwingt ein wenig Nostalgie mit, wenn der in Freudenstadt Geborene auf seine ersten Jahre in Karlsruhe zurück blickt. „Es war nicht alles perfekt, wie es lief, aber ich bin froh, wie es dann gekommen ist.“ Zusammen mit einer handvoll Kommilitonen gründet Strehhuber Ende 1994 den Verein Individual Network Region Karlsruhe, kurz INKA. „Ziel war es, Privatpersonen einen bezahlbaren Zugang zum Internet zu verschaffen“, erklärt er. 35 DM kostete damals das Angebot, zu einer Zeit, in der die meisten Menschen das Internet noch mit Boris Becker („Bin ich schon drin?“) und AOL-CDs in Verbindung brachten. Das Netz wurde noch nicht von allen ernst genommen, Strehhuber aber sah die riesigen Möglichkeiten, die sich boten.

„Ein PC alleine ergibt nur wenig Sinn“, macht er seinen Standpunkt klar. „Nur über die Vernetzung, die Gemeinschaft, lässt sich das Potenzial auch entfalten. Wir wollten das Internet in die Welt bringen.“ Die Hardware des Vereins fand für dieses Anliegen im Rechenzentrum der Universität Platz, die Nutzer wählten sich über ihr Modem oder die ISDN-Leitung dort ein. „Zu den Hochzeiten hatten wir knapp 2000 Benutzer registriert“, erinnert er sich. Für die Kooperation mit dem Rechenzentrum ist er auch heute noch dankbar.

 

 

Die Praxis funktionierte also, die Theorie in den Vorlesungen an der Universität bereitete  Schwierigkeiten: „Plan A, das Studium der Informatik ging nicht auf. Mir war das zu theoretisch, mathematisch hoch anspruchsvoll. Irgendwann kam die Exmatrikulation. Aber ,plan b´ hat funktioniert“, sagt er und spielt damit auf seine Firma an, die diesen Namen trägt. 1995, nach dem er das Studium abgebrochen hatte, macht er sich selbstständig, arbeitet mit seinem Unternehmen und Partnern viel im Auftrag der Deutschen Telekom an Zugang zum Internet über das damalige BTX-System, das damals vor allem vom Staatsunternehmen protegiert wurde. Strehhuber sagt mit einem Schmunzeln: „An das Ende von BTX hat bei denen Niemand glauben wollen, das Internet hingegen war erst einmal nicht wichtig genug für eine eigene Abteilung.“ Erst 1997, so Strehhuber, hatte sich die Einstellung geändert. „Die Telekom begann, bundesweit eigene Internet Einwahlknoten zu schaffen. Als dann Ende der 90er DSL eingeführt wurde, sahen wir uns bei INKA von der technischen Entwicklung überrollt.“

„Zack, da war es!“

Der Verein existiert aber heute noch. Das KA-WLAN gäbe es ohne ihn vermutlich erst sehr viel später: „2003 saßen wir zusammen im Hoepfner Biergarten und fragten uns, warum wir eigentlich an diesem Ort nicht auch das universitäre WLAN Netz benutzen konnten. Wir kannten einen Braumeister bei Hoepfner und nach relativ kurzer Zeit hatten wir im dort den ersten Access Point für das INKA-WLAN. Auch am Marktplatz entstand ein Zugang, der von den Studierenden mitbenutzt werden konnte.“ 2004 zum Stadtgeburtstag realisierte Strehhuber dann zusammen mit der Universität das erste größere WLAN auf der innerstädtlichen Festachse.

„Zack, da war es!“ Dauerhaft sah die Stadt jedoch keinen Nutzen darin und bat um den Rückbau nach den Feierlichkeiten. „Das ging 2006 und 2008 dann wieder genauso. Irgendwann hatte ich dann auch tatsächlich die Lust daran verloren.“ Die Markteinführung des iPhones änderte die Situation: „Der Bedarf an mobilen Zugängen wuchs.Und als dann 2013 Pforzheim das erste innerstädtische WLAN einrichtete, kam der Ball auch in Karlsruhe ins Rollen. Grundlage des Ausbaus war die langjährige Kooperation zwischen INKA und dem KIT.“ Mittlerweile sind zahlreiche weitere Partner über das gesamte Stadtgebiet hinweg am Erfolg beteiligt.

Als Selbstständiger sucht sich Strehhuber immer wieder neue Projekte in der Region. Es ist wie im Kino: Er sucht nach der Idee, die ihn fasziniert.