Bester Newcomer
Bester Newcomer? Moderator Frank Elstner (r.), immerhin schon 77 Jahre alt, bekommt von Kai Pflaume den YouTube Goldene Kamera Digital Award in der Kategorie «Bester Newcomer». | Foto: Jörg Carstensen

Goldene Kamera Digital Award

«Kein Quotensenior» – Frank Elstner und die Youtube-Stars

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Berlin (dpa) – Frank Elstner bekommt mit 77 Jahren den Preis als bester Newcomer – das ist der Moment des Abends. In Berlin ist am Donnerstag der Youtube Goldene Kamera Digital Award verliehen worden.

Viele junge Internetgrößen sind dabei. Sie haben mit ihren Videos im Netz Millionen von Fans und können eher wenig mit dem klassischen Fernsehen wie aus Elstners «Wetten, dass..?»-Zeiten anfangen.

Im Publikum sitzt also die Generation Youtube. Er sei dankbar, dass das jetzt kein Preis für einen «Quotensenior» sei, sondern ein Preis für die Nähe zum Publikum, sagt Elstner, der neuerdings eine Youtube-Sendung hat. «Ich finde das übrigens so nett, dass Sie mich so nett empfangen, weil die meisten von Ihnen kennen mich gar nicht.»

Sein Kollege Kai Pflaume lobt ihn: «Du stellst immer die richtigen Fragen.» Elstner sei für ihn ein Vorbild, weil der immer alles dafür getan habe, dass sich die Gäste wohlfühlen. Dass Elstner Parkinson hat, sieht man. Na und? Er wiederholt, was er über die Krankheit in einer Talkshow gesagt hat: «Leute, regt euch nicht auf. Dann zittere ich halt.»

Die Funke Mediengruppe hat vor Kurzem angekündigt, dass 2020 die Goldene-Kamera-Gala zum letzten Mal als Fernsehshow im ZDF ausgestrahlt wird. Die Sehgewohnheiten hätten sich über die Jahrzehnte geändert. Es sei Zeit, neue Optionen für die Marke Goldene Kamera auszuloten, heißt es.

Und so geht es am Donnerstag im Berliner Kraftwerk darum, die vielen Seiten von Youtube zu zeigen. Die Botschaft: Es gibt im Netz nicht nur Schminktipps und Katzenvideos. Ausgezeichnet wird beispielsweise Joseph DeChangeman, der sich in der Kategorie Comedy durchsetzt. Bester Informationskanal wird STRG_F: Die Reportergruppe erzähle nicht nur die Geschichte, sondern mache auch die Recherche transparent.

Youtuber Rezo bekommt den Sonderpreis der Jury und bedankt sich per Videobotschaft. Zwei von Internet-Nutzern gekürte Preisträger stehen schon vorher fest: Wincent Weiss («Best Music Act») und Nintendo-Fachmann Domtendo («Let’s Play & Gaming»). Nach etwa anderthalb Stunden ist die von Linda Zervakis und Daniele Rizzo moderierte Show vorbei – das ist deutlich kürzer als die klassische Fernsehpreisverleihung.

Kai Pflaume findet, Youtube sei ein spannender Kanal. Er erzählt am roten Teppich, dass er regelmäßig guckt, was gerade dort interessant oder angesagt ist. «Das ist Jugendkultur, das ist Zeitgeist.» Er sei ein Fan von Youtuber Felix von der Laden. Selbst spielt er nicht viel an der Konsole. Er zocke nicht Fortnite oder Minecraft. «Wenn, dann spiele ich heute noch Fifa.»

Unter den Gästen sind auch einige Influencer. Auf dem roten Teppich erzählt Ischtar Isik (23), wie sie ihrer Oma ihren Beruf erklären würde. «Die fragt sich tatsächlich wirklich sehr oft, was ich da genau mache.» Also: Sie macht Videos und Fotos von sich, gibt Tipps und Tricks und erzählt aus ihrem Leben. Das interessiert genug Leute, dass sie davon leben kann. Die Influencerin durfte sogar Angela Merkel interviewen. Das sei ein sehr interessantes Gespräch gewesen. Wie die Kanzlerin war? «Nett und höflich».

Die Berlinerin Leonie ist erst 15, auf dem roten Teppich ist ihr Vater dabei. Als «Leoobalys» hat sie bei Instagram ähnlich viele Abonnenten wie Merkel – 1 Million, also «übel» viel, wie es auf dem Schulhof heißen würde. Wie sie das geschafft hat? Die Leute mögen wohl, dass sie alles Mögliche mache, sagt sie. Beauty und Schminkvideos, Fußball spielen, Fitness. «Ich glaube, dass ich da eine große Bandbreite anspreche.»

Frank Elstner freute sich schon am roten Teppich, dass er mit 77 Jahren dabei war. «Ist das nicht toll?», fragte er. «Ich finde das fantastisch. Ich habe überhaupt nicht für möglich gehalten, dass Menschen noch so einen Humor haben.» In seiner Internet-Sendung waren schon Moderator Jan Böhmermann und Sängerin Helene Fischer zu Gast.

Bei Youtube sei eine ganze Menge anders als im Fernsehen, sagte Elstner, der im Frühjahr öffentlich gemacht hatte, dass er Parkinson hat. «Man kann viel konzentrierter arbeiten. Ich kann meine Gespräche sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit führen. Und meine Gäste fühlen sich dadurch ganz besonders wohl.»

Ist Youtube nun die Zukunft des Fernsehens? «Da denke ich überhaupt gar nicht drüber nach», sagt Elstner. «Ich denke drüber nach: Wen lade ich als nächsten ein?»