Julian Treichel (re.), Initiator von „Welcome2Work“ ist Pate seines Protegés Rohulla Hakimi aus Afghanistan. | Foto: oef

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Landeskongress shareBW: Hilfe für die ersten Schritte im neuen Leben

Von den mehr als eine Million Menschen, die 2015 als Migranten nach Deutschland gekommen sind, hat bisher jeder Vierte einen Job gefunden. Die Anstrengungen vieler tragen dazu bei. Auch die Gewinner im baden-württembergischen Wettbewerb shareBW in der Kategorie Integration/Participation Welcome2Work haben dazu ihren Beitrag geleistet.

Die prämierte Online- Plattform wurde von Studenten des Karlsruher KIT gegründet und unterstützt seit drei Jahren Geflüchtete bei der Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche. Gleichzeitig organisiert Welcome- 2Work ein ehrenamtliches Patenprogramm, um Bewerbungsunterlagen mit den Geflüchteten anzulegen, sie mit der Bürokratie und dem Arbeitsmarkt in Deutschland vertraut zu machen und sie in diesen zu integrieren.

Die Idee entstand in China

„Mit Hilfe des von uns entwickelten online-gestützten Patenprogramms bringen wir Flüchtlinge mit ehrenamtlichen Paten zusammen“, erläutert Initiator und Projektleiter Julian Treichel. „Mit unserer Plattform Welcome2Work unterstützen wir darüber hinaus die Paten-Tandems durch die Weitergabe unserer Erfahrungen und unseres Wissens. Damit erleichtern wir den Weg des geflüchteten Bewerbers in Arbeit oder Ausbildung.“

20 Paten betreuen die Arbeitssuchenden

Das derzeit sechsköpfige Organisationsteam setzt sich zum größten Teil aus Studierenden der KIT-Fachbereiche Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau zusammen. Aktuell betreuen 20 externe Paten mit Hilfe von Welcome2Work ihre Protegés. Zwölf erfolgreiche Vermittlungen stehen bislang auf der Habenseite. Nicht in Deutschland, vielmehr in China wuchs beim Initiator Treichel die Erkenntnis, dass Flüchtlingen verstärkt geholfen werden muss. Im Zuge eines einjährigen Freiwilligendienstes nach seinem Abitur in einem entlegenen Ort in China unterrichtete er zuerst in einer Grundschule Englisch, bevor er sich einem Straßenkinderprojekt zuwandte.

Weitere Kommilitonen halfen mit

„Die Kinder haben, statt in die Schule zu gehen, Müll gesammelt“, erinnert sich Julian Treichel an die Zustände vor Ort. „Schnell habe ich gemerkt, dass diese Kinder Flüchtlinge aus Myanmar waren.“ Julian Treichel gelang es, in Deutschland 50 Paten zu aktivieren, die mit ihren Spenden diesen Kindern den Schulbesuch ermöglichten. Später, als Student des Wirtschaftsingenieurwesens, engagierte sich Treichel zusammen mit weiteren Kommilitonen in der Flüchtlingshilfe. „Bald erkannten wir, dass die meisten Geflüchteten schnell arbeiten wollen.“

Neugestaltung der Plattform

Das Team entwickelte auf der Welcome2Work-Plattform zunächst eine Jobbörse für Flüchtlinge. Die Hauptaufgabe für Welcome- 2Work in der Zukunft? „Das Fördergeld wollen wir dazu verwenden, um die Plattform neu zu gestalten, über die wir dann unser Patenprogramm managen können“, kündigt Julian Treichel an. Daneben will Welcome- 2Work in Zukunft den Protegés eine App für deren Handy anbieten. „Damit wollen wir ihnen die eigenständige Arbeitsmarktintegration vereinfachen.“ Von Matthias Schöffl