Mit großen Kaffee- und Datenmengen schafft Timm Teubner sein Tagwerk. Am KIT beschäftigt sich der junge Wissenschaftler mit der Sharing Economy. | Foto: ARTIS

Forschung zur Sharing Economy

Timm Teubner ist vom Teilen fasziniert

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Die erste Begegnung findet am Telefon statt, denn Timm Teubner wohnt nicht in Karlsruhe. Seinen privaten Lebensmittelpunkt hat der 32-Jährige in Offenbach bei Frankfurt. Beruflich ist er der Fächerstadt aber seit vielen Jahren treu: Am KIT hat er Wirtschaftsingenieurwesen studiert und promoviert, und dort ist er dieses Sommersemester Vertretungsprofessor für Marketing. „Ich pendle nach Karlsruhe. Unter der Woche habe ich ein Dienstzimmer, aber mein Hauptwohnsitz ist noch in Offenbach, deshalb bin ich freitags immer im Frankfurter Raum. Wir haben da eine sehr gute Home-Office-Regelung“, meint Teubner. Die Entfernung ist für den sportbegeisterten Wissenschaftler kein Problem: Ab und zu fährt er auch mal mit dem Rennrad die gesamte Strecke von Karlsruhe durch den Odenwald bis nach Offenbach. Die Badische Meile in Karlsruhe ist er Anfang Mai mitgelaufen, hat auch schon an Triathlons in Wiesbaden und Herxheim teilgenommen. Im Kraichgau war er aber noch nicht dabei.

Teubners Forschungsthema: Teilen statt Besitzen

Beim zweiten Treffen in Teubners Büro in der Fritz-Erler-Straße in Karlsruhe führt er seine Computerbildschirme vor, die man auch hochkant stellen kann, und zeigt Diagramme zur Sharing Economy – seinem Forschungsfeld. „Auf das Foto muss auch eine Kaffeetasse. Ich bin ein echter Kaffejunkie.“ Gesagt, getan.

Rund um Auktionen drehte sich Teubners erstes Forschungsthema. Studenten wurden als Probanden verkabelt, ihre Herzrate im Auktionsprozess gemessen. „Spannend war: Wenn gegen Menschen geboten wurde, war das Arousal deutlich höher als bei Auktionen gegen den Computer.“ „Arousal“ steht für den Grad der Aktivierung des Nervensystems bei psychologischen Tests. Nur einer von vielen englischsprachigen Fachbegriffen, die Teubner im Gespräch verwendet.

Die Sharing Economy, also das Prinzip „Teilen statt besitzen“, findet Teubner spannend. Beispiele sind Dienste wie die Auktionsplattform Ebay, der Fahrdienst Uber oder Airbnb, die Plattform zur Buchung von privaten Unterkünften. „Mich fasziniert der Wettbewerbsgedanke: Mit den Möglichkeiten des Internets können kleine Unternehmen schnell groß werden und sich auf der ganzen Welt ausbreiten.“ Wenige Design-Entscheidungen würden oft den Erfolg oder Misserfolg bestimmen, etwa bei Airbnb, das Teubner selbst häufig nutzt. „Es geht dabei um das Design der Funktionen und Mechanismen“, erklärt Teubner, „Airbnb hat den Grundsatz ,we design for trust‘.“ Trust – Vertrauen – das sei essenziell bei der Ökonomie des Teilens, bei der Privatleute oder auch kommerzielle Anbieter ihren Besitz anderen zur Verfügung stellen.

Sharing auch bei Sportgeräten möglich

Könnte Teubner nicht auch sein Rennrad mit anderen teilen? „Da sind wir an einem kritischen Punkt: Sharingkonzepte funktionieren vor allem für High Value Assets, also sehr teure Einzelprodukte wie Wohnungen und Autos. Ich glaube, das ist kein Zufall.“ Auch bei Sportgeräten könne das gut funktionieren. „Lokale professionelle Verleihe wie Fahrradverleihe in touristischen Regionen sind dafür ein guter Indikator.“
Teubner kann sich auch vorstellen, im Ausland zu arbeiten. In der Wissenschaft sei der Wohnort ohnehin schwer planbar. „Das kann ja Oslo, Berlin oder sonstwo sein.“ Ein beruflicher Traum wäre die New York University (NYU). „Mein Ziel ist es aber eigentlich, in Europa zu bleiben. Bevorzugt in Alpennähe, wegen der Freizeitmöglichkeiten. Da ist Karlsruhe schon gar nicht so schlecht.“

 

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