In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd.
In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd. | Foto: Bodamer/Zemlianichenko/dpa/Montage: BNN

Privet Rossija!

Dostojewski fährt heute Taxi

Zwei Namen für die Ewigkeit: Dostojewski, Stalin. Ein Genie, ein Tyrann, die wohl jeder kennt. Doch was machen heute ihre Nachkommen?

Als ich Dmitrij Dostojewski in St. Petersburg getroffen habe, war er 55. Der bärtige Mann mit grauen Haaren und einem stechenden Blick erzählte mir beim Kennenlern-Wodka die Geschichte, wie er beim Roulette in Baden-Baden 30 Mark einsetzte und 150 gewann. Bevor er ging, stellte er sich dem Casinodirektor vor: „Mein Name ist Dmitrij Dostojewski. Mein Urgroßvater hatte hier vor 124 Jahren den Mantel seiner Frau verspielt“.

Dostojewskis Urenkel wohnt im Plattenbau

Dmitrij rauchte stinkende Zigaretten, die er „Puschka“ (Kanone) nannte. Seine Wohnung in einem Plattenbau sah ärmlich aus. Die Möbel waren vom Sperrmüll. Dostojewskis Urenkel kam gerade so über die Runden, indem er mit seinem alten Audi für eine Firma Tütensuppen durch die Stadt fuhr. Heute ist Dmitrij vierfacher Großvater, er träumt davon, einen Film über Dostojewskis Frau Anna zu drehen und schlägt sich, soweit ich weiß, als Taxifahrer durch.

„Die Deutschen sollten Hitler bewundern“

Und Stalins Enkel? Ich lernte ihn 2003 in Tiflis kennen. Das Gespräch mit dem früheren Offizier Jewgeni Dschugaschwili war schwierig. Der seinem Großvater sehr ähnlich aussehende Mann mit Schnurrbart und heiserer Stimme stritt Stalins Terror der 1930-er in Russland glatt ab, und erzählte von seinem Plan, in Georgien ein neues, repressives Regime zu etablieren. „Die Deutschen sollten Hitler dafür bewundern, dass er ihrer Nation zu einer sagenhaften Größe verholfen hat“, sagte mir Jewgenij D. zum Abschied. Er ist 2016 mit 80 Jahren in Moskau gestorben.