Das Verfahren gegen eine Bande, die JVA-Häftlinge mit Drogen versorgte, wurde mit dem psychiatrischen gutachten fortgesetzt. Die Plädoyers des Staatsanwalts und der Verteidiger folgen.
Das Verfahren gegen eine Bande, die JVA-Häftlinge mit Drogen versorgte, wurde mit dem psychiatrischen Gutachten fortgesetzt. Die Plädoyers des Staatsanwalts und der Verteidiger folgen. | Foto: Thienes

Plädoyers im Prozess um JVA

Zwölf Jahre für Drogenboss?

Zwölf Jahre Gesamtfreiheitsstrafe erwarten den Hauptangeklagten Igor, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht im Verfahren vor der Schwurgerichtskammer des Karlsruher Landgerichts. Igor soll der Kopf der Bande gewesen sein, die Insassen der JVA Bruchsal von 2012 bis 2015 mit Drogen versorgte (die Rundschau berichtete).

Auch forderte der Staatsanwalt sieben Jahre Gesamtfreiheitsstrafe für Olga als zentraler Organisationsfigur. Sie hatte beispielsweise Männer mit „Torpedos stopfen“ lassen, wie die Szene-Sprache den Vorgang des Drogenschmuggels im Körper nennt.

Zwei Anwälte fordern Freisprüche

Der Staatsanwalt plädierte sodann, gegen Yuri drei Jahre Haft zu verhängen und zwei Jahre gegen Pjotr (alle Namen geändert), die einzige Strafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.
Die Verteidiger dieser beiden Angeklagten plädierten dagegen, ihre Mandanten beide vom Vorwurf mittäterschaftlichen, bandenmäßigen Drogenhandels freizusprechen.

Der Rechtsanwalt Yuris  führte zur Begründung an, die Identifizierung seines Mandanten sei nur über Hörensagen erfolgt und ohne objektive andere Beweismittel. Der Hauptbelastungszeuge habe sich hierfür selbst lediglich auf eine Aussage Olgas gestützt. Und auch Olga habe ihn nur auf polizeilichen Vorhalt bei ihrer Vernehmung als den gesuchten genannt. Auch gebe es keine Querverbindungen zu ihm in den Protokollen der Telefonüberwachung.

Keinerlei Tatherrschaft mangels Einfluss auf Drogenmengen oder Geldbeträge und auch sonst keine Kenntnisse habe sein Mandant gehabt, führte der Verteidiger Pjotrs aus. Sein Mandant sei als Drogenkurier „missbraucht“ worden. Eine Tatherrschaft sei aber für den Vorwurf des mittäterschaftlichen Begehens erforderlich, sonst bleibe allenfalls der Vorwurf der Gehilfentätigkeit. Und auch Kenntnisse seien für ein vorsätzliches Handeln unumgänglich, aber hier nicht belegbar. Sein Mandant sei instrumentalisiert worden.

Positive Prognose
„mit Bauchweh“

Auch hatte Hartmut Pleines, gerichtspsychiatrischer Gutachter, die Schuldfähigkeit Igors und Yuris zu bewerten, denn diese beiden Angeklagten seien schwer heroinabhängig.

Bezüglich der Erfolgsaussichten einer weiteren Behandlung Igors erinnerte der Sachverständige an vorangegangene, die gescheitert waren. Dennoch sehe er diesbezüglich, wie auch hinsichtlich der Gefahr künftiger Straftaten, eine nicht gänzlich schlechte Prognose. Er fasste es Igor betreffend so zusammen: „Mit einer komplexen Strategie ist es eventuell möglich, einen Fuß in die sehr knapp geöffnete Tür zu bekommen“, wenn auch „mit Bauchweh“.

Auffällige Persönlichkeit,
aber schuldfähig

Schuldfähig seien beide, so der Sachverständige. Weder Igor noch Yuri zeigten alle Merkmale typischer Persönlichkeitsstörungen, wie sie infolge Drogenkonsums eintreten könnten. Zwar zeige Igor deutliche persönliche Defizite, sei aber „kein eiskalter, empathie- und verantwortungsloser Mensch“, er sei im Gegenteil aktuell emotional ansprechbar und habe inzwischen zwei Jahre Drogensubstitution durchgehalten.