Moskau
Zum Start der Fußball-WM blickt die Welt auf Russland. | Foto: Soeren Stache

Kommentar

Ein Land im Rampenlicht

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Vorhang auf für Russland! Die Welt blickt ab sofort gespannt nach Moskau und auf zehn weitere Austragungsorte der Fußball-WM. Einen Monat lang steht das größte Land der Welt im Rampenlicht als Organisator des wohl populärsten Turniers des Planeten. Und noch einer steht mit auf der Bühne des sportlichen Riesenereignisses: Wladimir Putin. Dass Russlands Präsident sein ehrgeiziges Versprechen an die Landsleute erfüllt hat, das Fußballfest nach Hause zu holen, wird den autoritären Staatschef nun mit tiefer Zufriedenheit erfüllen.

Natürlich wird Putin die Chance nutzen wollen, weltweit für sein Land, die Menschen, Kultur und Traditionen – aber auch für seinen politischen Kurs – Werbung zu machen. Man wird wohl in den kommenden Wochen aus dem Kreml keine scharfen Töne hören, keine Angriffe wahrnehmen, die sich gegen das vermeintlich schwache Europa und die aggressiven Amerikaner richten würden. Die Botschaft wird subtiler sein: Seht her, eure Vorstellungen von Russland stimmen nicht, das Land ist stabil und wohlhabend, seine Bürger gastfreundlich, weltoffen und zufrieden. Und das trotz der westlichen Sanktionen seit dem Beginn des Ukraine-Krieges.

Der große Sport war in der Sowjetunion und später in Russland schon immer mit großer Propaganda verbunden. Um sicherzustellen, dass die Atommacht sich weltweit im goldenen Medaillenglanz präsentieren kann, soll der Staat ein ausgeklügeltes, verdecktes Dopingsystem etabliert haben. Seine Aufdeckung durch Whistleblower und investigative Journalisten wird sicher noch eine ganze Weile einen Schatten auf Russlands Spitzensportler werfen. Natürlich ist ein Generalverdacht ungerecht. Doch hat es Moskau leider versäumt, bei der Aufklärung der schweren Vorwürfe aktiv mitzuwirken und so ein Stück verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Vielleicht wird die WM in dieser Hinsicht neue Brücken bauen.

Sie könnte noch mehr bewirken: das Land öffnen, seine politische Isolation aufbrechen und den Prozess der Entfremdung stoppen, der den Beziehungen Russlands mit dem Westen bereits einen großen Schaden zugefügt hat. Es geht darum, Russland wieder als einen Partner zu gewinnen. Und vielleicht einmal als einen guten Nachbarn und Freund.