Kinderkram
Foto: Dolgachov - Fotolia

Neues aus dem Elternleben

Ein Lanze für Kate

Es gibt ein Foto, das fristet bei uns daheim ein trauriges Dasein. In einem Ordner liegt es, unauffällig zwischen Grußkarten versteckt, hinter Geburtsurkunden, Impfheftchen und Kindergartenanmeldungen. Dabei sollte es eigentlich einen Ehrenplatz haben – schließlich ist es das erste Bild von uns zu dritt.

Ein grausiges Foto

Das Problem ist nur: Zu sehen sind darauf neben einem rosigen und bereits markerschütternd niedlichen Baby sowie einem gut aussehenden jungen Vater, der begeistert in die Kamera lächelt, leider eine aufgedunsene Untote, mit blutunterlaufenden Augen, weißsträhnig durchzogenen fettigen Haaren und stark gräulich schimmernder Haut, die – wie mir versichert wird – ich gewesen bin. „Dieses Foto nehme ich mit ins Grab“, verkündete ich damals einer Freundin. Ein Plan, der nach wie vor besteht.

Dieses Foto nehme ich mit ins Grab

Noch Tage nach der Geburt sah ich zum Fürchten aus – wenn auch mit zunehmend gesunder Gesichtsfarbe. Doch auch jetzt, fast sechs Jahre später, war meine Erscheinung niemals so reizend und frisch, wie die von Catherine, Herzogin von Cambridge, als sie sieben Stunden nach der Geburt ihres dritten Kindes im roten Kleid mit Spitzenkragen, Absatzschuhen, perfekt sitzenden Haaren und stilvollem Make-up mit ihrem Baby auf dem Arm aus dem Krankenhaus trat.

Aufschrei im Internet

Was für ein Aufschrei ging durch das Internet und die Medien! Kate setzt unrealistische Standards für Mütter! Die sieht nur so aus, weil sie von einer Horde Stylisten präpariert wurde! Dies darf nicht die Norm werden!

Diese Aussagen stimmen alle – trotzdem möchte ich eine Lanze für die royale Wöchnerin brechen:

Erstens wäre sie für jede andere Herangehensweise an den nachgeburtlichen Auftritt kritisiert worden – ob ohne Stylisten („Die Herzogin lässt sich gehen!“) oder erst nach ein paar Wochen Ruhe („Undankbare Royals lassen Volk hängen!“).

Zweitens bin ich sicher, dass sie sich – zurück im Palast – in eine Jogginghose geschmissen hat, aus der sie bis zur Hochzeit ihres Schwagers nicht aussteigt.

Und drittens ist an Kates Leben bekanntlich nichts normal.

Kein normales Leben

Deshalb kann man sich eigentlich trösten, wenn man nach der Geburt nicht einer Hundertschaft Fotografen entgegentreten musste, sondern die Wahl hatte, sich Zeit zu lassen, um zombieähnliches Aussehen, Risse und OP-Wunden, hormonelle Weinkrämpfe, Erwachsenenwindeln und Muttermilchflecken unter Kontrolle zu bekommen. Kate hat diese Wahl nicht.