STAATSEIGENES GASTHAUS UND HOTEL: 1681 wurde das unter Denkmalschutz stehende Lokal der Badischen Staatsbrauerei Rothaus zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Bis 2007 nutzte es die Karlsruher Leben als Domizil für ihre Mitarbeiter. | Foto: pr

Der Brauereigasthof Rothaus ist wahrlich kurios

Ein staatseigenes Hotel – nicht nur für Bier-Fans

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In welchem Drei-Sterne-Hotel gibt es denn so was? Das Bier aus der Minibar ist umsonst. Hinter dem modernen Bett hängt ein auf alt getrimmtes, dekoratives Eichenbrett – in das der Name der benachbarten Firma eingebrannt ist. Und dann schlummert der Gast auch noch auf Kissen, bestickt mit dem badischen Wappen.

BETT FÜR BIER-FANS: 26 Zimmer hat der Brauereigastof. Foto: pr

Willkommen im Brauereigasthof Rothaus! Er gehört mit seinen 26 Zimmern der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG, also dem Steuerzahler. Und was den freuen wird: Der Gasthof ist profitabel, wie die Brauerei selbst, auch wenn die Jahr für Jahr ein kleines Staatsgeheimnis zu Gewinn und Ausschüttung macht. Von einer Dividendenzahlung in zweistelliger Millionenhöhe an das Land ist die Rede.

Pressesprecherin Jennifer Maurer zeigt vom Gasthof hinüber auf den Schornstein der Brauerei, den ein weißer Kreis ziert. „Das ist die 1 000-Meter-Marke.“ Eine höher gelegene Brauerei existiert in Deutschlands nicht. Mit Weihenstephan und Hofbräu gibt es ohnehin nur zwei weitere staatseigene Brauereien in Deutschland. „Die haben meines Wissens aber keine Zimmer“, sagt Oliver Rumpf.

DIE HÖCHSTGELEGENDE DEUTSCHE BRAUEREI: Rothaus überweist dem Land jedes Jahr eine üppige Dividende. | Foto: TMBW Christoph Düpper

Der 41-jährige Hotelbetriebswirt ist gebürtiger Brandenburger – und in Baden glücklich geworden. Er lebt Rothaus, ist als Chef der Brauereigasthof Rothaus GmbH neben Restaurant und Hotel unter anderem auch für die Brauereibesichtigungen, den modernen Fan-Shop und das Bier-Museum „Zäpfle-Heimat“ zuständig. Netto schreibe die GmbH pro Jahr knapp vier Millionen Euro Umsatz. 80 festangestellte Mitarbeiter gehören zu seinem Team.

EIN BRANDENBURGER IN BADEN: Oliver Rumpf ist Naturparkwirt und Hotelier. | Foto: din

Rumpf führt mit strahlenden Augen durch das urige Lokal – wo er als Naturparkwirt Wert auf regionale Zutaten legt und das Rothausbier in vielen Gerichten eine schmackhafte Zutat ist. Oben, in den Etagen mit den Zimmern, geht er an Vitrinen vorbei, in denen Bollenhüte und längst ausgediente Brau-Utensilien ausgestellt sind. An den Wänden ist immer wieder unverputzter Schwarzwälder Granit zu sehen – das Haus steht unter Denkmalschutz. Es wurde 1681 zum ersten Mal urkundlich als „Zum Rothen Haus“ erwähnt, ist also deutlich älter als die Brauerei. Heinrich Hansjakob war hier, Friedrich Nietzsche auch. Zudem alle Ministerpräsidenten, Hartmut Engler von Pur, der Sänger Max Mutzke, Ex-Porsche-Mann Wendelin Wiedeking, Prinz Max von Baden, Alex Möller, der frühere Bundesfinanzminister und Chef der Karlsruher Lebensversicherung. „Als Wirt ist man da schon stolz“, sagt Rumpf. Die Zimmer selbst sind übrigens auf dem neuesten technischen Stand. Erst 2014 wurden sie grundlegend renoviert.

„Karlsruher Leben“ pachtete über Jahrzehnte das staatseigene Hotel

Alex Möller hatte in einem zum Gasthof gehörenden Nebengebäude ein eigenes, integriertes Haus. Von 1952 bis 2007 hatte das Versicherungsunternehmen den Gasthof von der Brauerei gepachtet. Die Mitarbeiter konnten dort günstig nächtigen, außerdem hielt die Assekuranz in Rothaus Seminare ab. Rumpf war in dieser Zeit bereits als Restaurantleiter im Gasthof tätig. Mit dem Verkauf der Karlsruher Leben an den Stuttgarter Finanzkonzern W&W war aber auch das Interesse an diesem urigen badischen Urlaubsdomizil verschwunden.

Dann kam Thomas Schäuble ins Spiel: Der CDU-Landespolitiker aus Gaggenau war bis zu seinem Tod im Jahr 2013 Rothaus-Chef. Er leitete die Wende zur modernen staatseigenen Brauerei mit einem zeitgemäßen Marketing ein. Seitdem hat die Brauerei viel in ihren Brauereigasthof investiert, allein 1,7 Millionen Euro in die 17 Zimmer des Haupthauses samt Dachsanierung und Brandschutz.

Auslastung liegt bei 73 Prozent

Die anderen Gastronomen hier im Hochschwarzwald waren zunächst nicht begeistert – profitierten heute aber vom Magneten Rothaus. So viele Übernachtungsgäste wie anfragen, „können wir gar nicht unterbringen“, sagt Jennifer Maurer. Übers Jahr gesehen liege die Zimmerauslastung bei 73 Prozent, ergänzt Rumpf. „Und das ohne Wellness- und Tagungsbereich.“ Darauf verzichte man bewusst, um den anderen Gastronomen in der Region keine Konkurrenz zu machen. Dennoch buchen unter der Woche auch schon mal Daimler, Bosch oder Siemens die Zimmer. Am Wochenende kommen vor allem Urlauber, „vom Motorradfahrer bis zum Wanderer“, sagt Rumpf. Haupteinzugsgebiet ist der Südwesten. Die Gäste bleiben im Durchschnitt 1,87 Tage.

BLITZEBLANK: Zum Erlebniskonzept der Staatsbrauerei gehören unter anderem Brauereibesichtigungen, der Braugasthof, der Shop und das Museum „Zäpfle-Heimat“. | Foto: TMBW Christoph Düpper

Es sind auch viele Karlsruher dabei. „Ihnen habe ich damals ja quasi das Wohnzimmer zerstört“, sagt der Gastronom mit einem Augenzwinkern. Doch viele auch aus der Karlsruher-Leben-Zeit wollten wissen, was aus „ihrem“ Hotel geworden ist. „Ich habe 25 000 Namen in unserer Gästekartei“, sagt Rumpf. Die Karlsruher Gäste könne er aber alle spontan mit ihren Namen begrüßen. Die trinken in der Gastwirtschaft dann übrigens nicht nur Rothaus-Bier, sondern auch „Rothaus Black Forest Single Malt Whisky“ – auch so etwas gibt es hier dank einer Kooperation mit der Destillerie Kammer-Kirsch aus Karlsruhe.

Ökologie ist ein großes Thema in Rothaus. „Wir nutzen in unserem Haupthaus zu 100 Prozent die Abwärme der Anlagen der Brauerei beziehungsweise die Wärme durch die Hackschnutzelanlage“, sagt Rumpf.

GANZ SCHÖN MODERN: Der Gasthof ist älter als die Brauerei, doch die Zimmer wurden erst vor wenigen Jahren grundlegend renoviert. Foto: pr

Der Brandenburger ist glücklich, mit seiner Familie in einer der schönsten deutschen Gegenden zu leben. Und beruflich ist er mit dem Erreichten ziemlich zufrieden. Im vergangenen Jahr hat er in einem Nebengebäude noch neun Zimmer untergebracht, die „Biergits Alpenblick heißen“ – eine Anspielung auf die Frau auf den Rothaus-Flaschen, die Fans der Marke „Biergit Kraft“ nennen. Das ist eine Wortspiel mit alemannischem Element: Bier „git“ (für: gibt) Kraft. „Bei schönem Wetter sieht man von den Zimmern aus bis in die Schweizer Alpen“, schwärmt Jennifer Maurer, eine gebürtige Schwäbin, die ebenfalls aus dem Schwarzwald nicht mehr weg mag. Übrigens: Der Name „Biergit Kraft“ ist in den Rothaus-Zimmern auch in jedem Spiegel eingraviert – in diesem kuriosen Hotel nicht nur für Bier-Fans.

 

Die Badische Staatsbrauerei Rothaus wurde 1791 gegründet, und zwar vom Benediktinerkloster St. Blasien. In Staatsbesitz ist sie seit 1806. Seit 1922 ist Rothaus eine Aktiengesellschaft. Die höchstgelegene Brauerei Deutschlands ist zugleich die größte Braustätte im Südwesten. 2016 kam Rothaus auf einen Umsatz von 75,6 Millionen Euro (plus 1,6 Prozent). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 29,8 Millionen Euro – rund eine halbe Million Euro weniger als im Vorjahr. Die Brauerei hat über 240 Mitarbeiter. Absatzzahlen werden nicht genannt. Die Rohstoffe stammen nach Angaben von Alleinvorstand Christian Rasch ausschließlich aus Baden-Württemberg. „90 Prozent unserer Geschäfte machen wir hier im Südwesten, nur zehn Prozent außerhalb“, sagte er bei der Bilanzvorlage im vergangenen Mai.