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Volkstrauertag am 14. November

Gräber von tausenden Gefallene mahnen im Elsass zum Frieden

15.472 deutsche Gefallene haben am Ostrand des kleinen Kur- und Badeorts Niederbronn-les-Bains im Nordelsass ihre letzte, würdige Ruhestätte gefunden. Ein Besuch auf dem Soldatenfriedhof.

Jeder Grabstein kennzeichnet den Ruheplatz von vier Gefallenen: Es sind Tausende Grabsteine. Foto: Volker Neuwald

Die Feuchtigkeit der Nacht liegt noch schwer über den Grabfeldern. Es ist nass, kalt und bewölkt, die letzten Farbtupfer des Herbstes sind am Verblassen: Novemberstimmung auf dem deutschen Soldatenfriedhof bei Niederbronn-les-Bains im Nordelsass.

Wer dieses Areal betritt, die banalen Alltagssorgen hinter sich lassend, der erkennt, wie wichtig ein Volkstrauertag ist – jedes Jahr aufs Neue.

15.472 deutsche Gefallene haben am Ostrand des kleinen Kur- und Badeorts Niederbronn-les-Bains im Nordelsass auf einer Hochfläche ihre letzte, würdige Ruhestätte gefunden.

Das Gräberfeld ist in 46 Blöcke unterteilt. Die Einzelgräber, mit Steinkreuzen aus grünlich schimmernden Granit gekennzeichnet, tragen auf beiden Seiten die Namen von je zwei Toten.

Jedes Kreuz kennzeichnet damit den Ruheplatz von vier Menschen. Liegende Namenstafeln kennzeichnen die Lage eines Gruppengrabs mit mehreren Toten.

Manche Soldaten sind anonym bestattet

Der Blick schweift über die vielen tausend Kreuze, die im Morgendunst dunkel schimmern. Zu dieser Tageszeit wirken sie fast wie feldgraue Uniformen, die anonym in Reih und Glied stehen. Erst beim Nähertreten entschlüsseln sich die Buchstaben zu Namen.

„Ein unbekannter deutscher Soldat“ steht dort – seine Identität wird sich nie mehr feststellen lassen. Den Angehörigen fehlt ein Ort zum Trauern.

An gleicher Stelle ruht Schütze Walter Bayer. Ein Name, immerhin. Geboren am 17. April 1927, gefallen am 15. März 1945. Man beginnt fast automatisch zu rechnen: Bayer wäre knapp einen Monat später 18 geworden.

Im Mai endete der Krieg, sein Leben hätte beginnen können. Stattdessen endete es am 15. März – irgendwo und irgendwie, Details sind nicht bekannt. Eine von Abertausenden Tragödien.

1944/45 stießen US-Streitkräfte an Metz vorbei in Richtung Saar und Rhein vor. Die Wehrmacht leistete erbitterten Widerstand, es kam zu schweren Kämpfen mit unzähligen Toten.

1966 wurden Kriegsgräberstätte der Öffentlichkeit übergeben

In den Départements Bas-Rhin und Moselle lagen danach viele tausend deutsche Gefallene auf 774 Gemeinden verteilt, und innerhalb der Gemeinden wiederum verstreut auf Feldern und Wiesen, an Wegrändern und in Wäldern.

Der US-Gräberdienst legte am Ortsrand von Niederbronn zunächst für eigene und deutsche Opfer einen provisorischen Friedhof an. Nach dem Krieg betteten die Amerikaner ihre Toten nach Saint-Avold im Département Moselle um. In Niederbronn verblieben 1.089 deutsche Gefallene.

Nach Angaben des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde im deutsch-französischen Kriegsgräberabkommen von 1954 Niederbronn zum deutschen Sammelfriedhof für die Toten aus den beiden Départements bestimmt.

Aus den 774 Grablegeorten bettete der Volksbund 1961 Tausende weitere deutsche Gefallene um. Am 1. Oktober 1966 wurde die Kriegsgräberstätte der Öffentlichkeit übergeben.

1994 wurde eine Begegnungs- und Bildungsstätte gebaut

40 Jahre später hatten sich in den Grabsteinen Risse gebildet. Durch die fortschreitende Verwitterung war ein Großteil der Inschriften nicht mehr zu entziffern. Die Grabsteine wurden in den Jahren 2012 bis 2016 blockweise ausgetauscht.

Optisch prägnant sind das Hochkreuz, das in der Mitte der Anlage steht, sowie das Ehrenmal. Dabei handelt es sich um einen Rundbau aus rotem Vogesensandstein mit 18 Metern Durchmesser. Das kuppelförmige Dach ist mit Blei verkleidet und ruht auf Stahlbetonpfeilern. Durch eine kreisrunde Öffnung in der Dachmitte gelangt Licht in den ansonsten fensterlosen Innenraum, in dem jeder Schritt nachhallt.

Dort befindet sich das Kameradengrab. Zwischen Hochkreuz und Ehrenmal stehen sieben Steinblöcke mit Namen. Sie stehen stellvertretend für die fast 800 Umbettungsorte.

Direkt neben dem Friedhof hat der Volksbund 1994 eine Begegnungs- und Bildungsstätte für Jugendliche geschaffen und im Jahr 2000 erweitert.

Das Centre International de Rencontre (CIAS) trägt den Namen des elsässischen Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer. Jugendliche, aber auch Erwachsene werden in friedenspädagogischen Seminaren betreut und informiert.

Neues Online-Angebot eingerichtet

Seit Dezember 2020 gibt es auch ein Online-Angebot namens „Kriegsgräberstätte digital“. Neben einer virtuellen Führung ist eine Reflexion in der Gruppe anhand von Besucherheften möglich. Das CIAS besitzt Hunderte dieser Hefte, die in rund 50 deutschen Kriegsgräberstätten in 13 Ländern auslagen.

BNN und BT

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Gemeinsam kann man der Frage nachgehen, was Menschen aus England, Frankreich, Griechenland denken und fühlen, wenn sie auf einer deutschen Kriegsgräberstätte stehen.

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