In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd.
In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd. | Foto: Bodamer/Zemlianichenko/dpa/Montage: BNN

Privet Rossija!

„Emergency Room“ auf Russisch

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In Moskau kennt jeder den „Sklif“. Wenn nur wenige Minuten über Sein oder Nichtsein entscheiden, ist das Sklifosowski die erste Wahl. Die berühmte Notfallklinik rettete 2017 mehr als 67 000 Leben. Ihre Mediziner haben einen legendären Ruf, doch es wird ihnen auch viel abverlangt.

Denn sie kann brutal sein, die Zwölfmillionenstadt, in der jährlich im Schnitt 10 500 Menschen im Straßenverkehr getötet oder verletzt werden, sich 370 Menschen vergiften oder umbringen und 7 300 Menschen Opfer von Schwerverbrechen werden. „Ich habe das Gefühl, dass in Moskau nur Säufer, Mörder und Verrückte leben“, gestand mir eine Ärztin in der Notfallaufnahme.

Bestmögliche Hilfe, versichert oder nicht

Als wir uns unterhielten, wurde im Sklif ein 19-Jähriger mit einer Messerwunde eingeliefert. Ihm folgten eine Rentnerin mit gebrochenen Rippen und ein Mann, der im Suff vom Balkon gefallen war. Dass in dem Bau mit 16 OP-Räumen manche Glasscheiben gesprungen waren, hat die Patienten nicht gestört. Sie wussten, dass sie hier die bestmögliche Hilfe erhalten würden, versichert oder nicht. Dafür zahlte der Staat damals den Ärzten 110 Euro im Monat, die Schwestern bekamen 70 Euro, die Extras für die Nachtschichten mit eingerechnet.

Idealisten und Überlebenskünstler

Die russischen Mediziner sind Idealisten und Überlebenskünstler. Um über die Runden zu kommen, fahren manche Taxi, oder verkaufen Bier in Kiosken. Die Russen kennen diese Geldnöte. Es ist deswegen bei einem Arztbesuch durchaus üblich, Pralinen, eine Flasche Likör oder einen Briefumschlag mit Geldscheinen auf dem Tisch liegen zu lassen.