Für die Übernahme des städtischen Campingplatzes am Achernsee gibt es offenbar erste Interessenten. | Foto: Michaela Gabriel

Anlage am Achernsee

Erste Interessenten für Campingplatz in Achern

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Von Michaela Gabriel
Es gibt Interessenten für die Übernahme des Campingplatzes am Achernsee. In diesen Tagen steigt Matthias Heußer als Leiter des städtischen Eigenbetriebs „Campingplatz und Strandbad am Achernsee“ in konkrete Gespräche ein.

Potenzial erkannt

Sieben Anfragen habe der Eigenbetrieb auf eine Anzeige in einer Fachzeitschrift  erhalten, erklärt Heußer auf Anfrage. Die Zeitschrift hat als Zielgruppe „innovative Camping-Unternehmer“ definiert. Der eine oder andere dieser Leser sieht offenbar Potenzial im Campingplatz am Achernsee. „Es gab inzwischen mehrere Besichtigungen, und wir führen jetzt weitere Gespräche mit den Interessenten“, so der Verwaltungsleiter der Stadtwerke Achern. Man werde versuchen, eine gemeinsame Basis mit möglichen neuen Betreibern des Platzes zu finden. Über die Ergebnisse werde man dann den Gemeinderat und den Ortschaftsrat von Großweier informieren.

Verpachtung oder anderes Betreibermodell

Denkbar sei  eine Verpachtung oder ein anderes Betreibermodell. „Die Pachtlösung wäre die einfachste, aber nicht unbedingt die beste“, so Matthias Heußer.
Die Lage nahe der Autobahn und direkt am See ist ein Pluspunkt für den Campingplatz. Allerdings sind die Zufahrt und der Rezeptionsbereich nicht mehr repräsentativ und die Gastronomie müsste freundlicher gestaltet werden, weiß man bei den Stadtwerken. Auch eine Erweiterung der sanitären Anlagen stehe an. Insgesamt muss ein Millionenbetrag investiert werden, den entweder die Stadt Achern oder ein neuer Betreiber in die Hand nehmen muss.

Trend zum luxuriösen Camping

„Die Camping-Bewerter kommen jedes Jahr“, weist Heußer auf die nahende Saison hin. Beim Trend zum luxuriösen Camping könne der Platz am Achernsee derzeit nicht mithalten. Beispielsweise gebe es keine festen Hütten für Touristen, die ohne Wohnwagen oder Zelt anreisen.

„Von Dauercampern geprägt“

Was es dagegen in großer Anzahl gibt, sind ausgebaute Hütten von Dauercampern. Der ADAC Campingführer, der dem Platz drei von fünf Sternen gibt, betont das sogar: „Von Dauercampern geprägt“, schreibt er in seiner Bewertung. Diese bezahlen für ihren Platz je nach Größe zwischen 968 und 1 430 Euro, ihre Übernachtungszahlen gelten jedoch nicht als touristische Kennzahl.

Zäune und feste Einbauten

Rund 350 dauervermietete und mit Wohnwagen und Vorzelten dicht bebaute Plätze gibt es am Achernsee. Dem stehen rund 100 nummerierte Stellplätze für Touristen gegenüber und etwa weitere 100 auf der Zeltwiese, die nicht unterteilt ist. Mit Jägerzäunen, Lattenzäunen oder Kunststoffzäunen markieren die Dauercamper ihr Reich. Viele haben feste Rollläden, Fenster und Türen an ihren Vorzelten und Dachrinnen, die Regenwasser ableiten.

Nicht alle Mieter sind einsichtig

„Es wurde zum Teil zu groß gebaut. Das wollen wir nicht mehr“, sagt Matthias Heußer über Rückbauaktionen, die in jüngster Zeit stattgefunden haben. So achte man jetzt verstärkt darauf, dass Entwässerungsgräben frei bleiben. Gebe ein Dauermieter seinen Platz auf, so müsse er alle Aufbauten abräumen oder sie auf die vorgeschriebene Größe zurück bauen. Nicht alle Mieter seien dabei einsichtig.

Ein komplett abgeräumter Stellplatz zwischen den Domizilen von Dauer- campern: Hier hat ein langjähriger Mieter den Campingplatz am Achernsee verlassen.
Ein komplett abgeräumter Stellplatz zwischen den Domizilen von Dauercampern: Hier hat ein langjähriger Mieter den Campingplatz am Achernsee verlassen. | Foto: Michaela Gabrieö

Kein Wohnungsersatz

Vom Platz verwiesen habe man noch niemand, versichert Matthias Heußer. Aber man lege Wert darauf, dass der Campingplatz am Achernsee nicht als Wohnungsersatz diene. „Es ist eine Freizeitanlage. Das sind wir unseren Gästen schuldig.“ Deshalb habe man sich von einem Teil der Dauercamper die Mietverträge ihrer Erstwohnsitze vorlegen lassen. „Wir haben von allen Nachweise bekommen“, sagt der Campingplatz-Leiter.