Neuwagen stehen zur Verladung an einem Terminal in Bremerhaven. Wer in den vergangenen Monaten ein neues Auto bestellt hat, dem fällt es nicht leicht darüber zu sprechen - wenn es sein Diesel ist. | Foto: dpa

Autokauf als peinliche Sache

Es ist aber kein Diesel, oder?

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Größere Anschaffungen sind normalerweise ein gutes Gesprächsthema im Familien- und Freundeskreis. Die neue Küche nach 20 Jahren, frische Sitzmöbel oder auch Elektronik-Geräte stellt man gerne vor. Mit etwas Understatement und Begründungen, warum die Anschaffung jetzt notwendig war. Angeben mit dem allen möchte man ja nicht, aber durchaus in Geselligkeit informieren.

Die etwas peinliche Sache

Nur über eine durchaus interessierende Anschaffung mit längerer Lieferzeit wollte ich in den vergangenen Monaten möglichst nicht sprechen. Es war nicht nur schwierig, sondern sogar peinlich, über die „schmutzige Sache“ zu reden. Sie ahnen schon, es geht um ein neues Auto. Wunderbar sind autofreie Orte wie Venedig oder Braunwald in der Schweiz. Aufenthalte dort bringen Genuss, wunderbar wohl das Leben in so einer Umgebung. Wenn man es sich leisten könnte. Wer weiter in unserer Region mit viel Mobilität wohnt, der kommt nach neun Jahren und Hunderttausenden von Kilometern mit einem Diesel schon mal auf die Idee, einen neuen Wagen anzuschaffen.

Unsicherheit vor dem Kauf

Und die Lust auf einen bestimmten Typen hat sich angesammelt. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Auch wenn man sein Herz nicht an Dinge hängen soll , weil die auf Dauer ja nicht glücklich machen. Im Winter reifte die Entscheidung. Die Ausstattung des nicht nur vernünftigen Wagens aus dem deutschen „Autokartell“ wurde zusammengestellt. Aber das gute Stück noch nicht gleich bestellt. Weil sie losgingen, die Diskussionen um Fahrverbote und neue Abgasbetrügereien. Alle alten Autos, jedoch nicht Lkw und Busse, waren plötzlich Dreckschleudern. Leute, die seit Jahrzehnten und wohl künftig in Diesel-Taxis zu Talkshows fahren, verkündeten das Ende des Verbrennungsmotors. Also hieß es, abwarten und prüfen, welche CO2 und NOx-Werte man mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

Wird man zum Diesel-Dussel?

Wohl in einer Phase der Umnachtung wurde doch bestellt. Jene paar Leute, die vom neuen Auto erfuhren, fragten ausnahmslos zurück: „Es ist aber kein Diesel, oder?“ Dann sagte ich tapfer „doch“ und erzählte saubere Sachen, von SCR-Technik und dass für Abgasreinigung im Wagen mehr Harnstoff stecke als in einem Kleinkrankenhaus. Überhaupt ist ein Benziner schlechter fürs Weltklima. Der Mensch braucht Wissen, Glauben und Dusel. Der alte Wagen hatte Euro-5, zu gut für die jetzt ausgelobten Kaufprämien. Es ist schwierig, derzeit kein Diesel-Dussel zu werden.