Er blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Daniel Caspary war im November bei den Jamaika-Gesprächen dabei.
Zufrieden mit dem Erreichten: Europapolitiker Daniel Caspary.

BNN-Interview

„Es ist machbar, einen Koalitionsvertrag in einer oder zwei Wochen zu schreiben“

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Die Union und die SPD haben bei den Sondierungen zur vertrauensvollen Zusammenarbeit zurückgefunden, sagt der Weingartener CDU-Europapolitiker Daniel Caspary (Foto: Hora), der an den Verhandlungen teilgenommen hat. Im Interview mit Alexei Makartsev erzählt der Vizechef der Landes-CDU, wie die Politiker den Gesprächsmarathon überstanden haben.

Wie haben Sie die finale Sondierungsnacht erlebt?

Caspary: Alle Parteien hatten das Ziel, sich zu einigen. Nachdem die Chefs alleine verhandelt haben, gab es nette Seitengespräche. Die Stimmung zwischen den Verhandlungsteams war gut …

…also besser als in der letzten Nacht der Jamaika-Gespräche?

Caspary: Ja, man hat gespürt, dass alle Teilnehmer eine Lösung im Blick hatten. Der Umgang miteinander war sehr viel partnerschaftlicher als bei den Jamaika-Verhandlungen.

Martin Schulz sprach heute auch von „turbulenten Momenten“. Was war denn so turbulent?

Caspary: Bei Themen wie Energie und Klima gab es eine schnelle Einigung. Bei anderen Fragen war klar, dass die Kompromisse fehlen. Darum wussten wir von vornherein, dass die Nacht mit intensiven Gesprächen gefüllt sein wird. Ich habe mir die ganze Nacht um die Ohren geschlagen und bin froh, dass es bis acht Uhr morgens geklappt hat.

Gab es auch viel Leerlauf?

Caspary: Wenn bei solchen Gesprächen die Arbeitsgruppen getagt haben, dann bekommen die Chefs große Pakete vorgelegt, und es gibt Rückkopplung mit den Teams. In meinem Fall kamen einige Rückfragen zum Thema Europa. Aber 99 Prozent der Zeit sitzt man herum und wartet, um in dem verbleibenden Prozent wieder hellwach zu sein. Wir haben auch einige Partien Karten gespielt, um wach zu bleiben.

Der Schlafmangel erschwert aber rationale Entscheidungen…

Caspary: Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Das ist eine Trainingsfrage. Manche können mit Schlafmangel gut umgehen. Zudem ist man ja nach einer Verhandlungswoche in seinen Themen gut „drin“ und voll konzentriert, wenn es darauf ankommt.

Muten sich die Spitzenpolitiker, die ja nicht mehr zu den Jüngsten gehören, mit derlei 24-Stunden-Marathons generell nicht zu viel zu?

Caspary: Das ist nicht nur eine Altersfrage. Für viele von uns geht es ja ständig hin und her. Armin Laschet pendelt zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen. Annegret Kramp-Karrenbauer, die zwischendurch zu einem Neujahrsempfang im Saarland musste, hatte auf dem Weg nach Berlin einen Unfall und verbrachte zwei Tage im Krankenhaus. Das Arbeitspotenzial in der Politik ist enorm. Darum müssten wir uns in der Tat überlegen, wie man solche Verhandlungsstrecken besser gestalten kann. Was die Kanzlerin angeht, so bewundere ich ihre Kondition und ihr Gespür, Kompromisse zu finden.

Das Thema Europa eröffnet das abgestimmte Sondierungspapier. Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

Caspary: Ja. Das Dokument fängt mit einem klaren Bekenntnis zu Europa an und der Feststellung, dass es Deutschland auf Dauer nur gut gehen kann, wenn es auch unseren europäischen Partnern gut geht. Das ist ein gutes Zeichen: Wir zeigen unseren Partnern, dass uns die EU sehr wichtig ist und machen klar, dass man viele gegenwärtige Probleme nur gemeinsam lösen kann.

Wie schnell könnte eine neue Bundesregierung stehen?

Caspary: Wir haben bei den Sondierungen gesehen, dass man viel erreichen kann. Ich halte es für machbar, einen Koalitionsvertrag in einer oder zwei Wochen zu schreiben. Wir sollten uns nur nicht in Details verlieren, weil nicht alles planbar ist