Setzen sich für den Nationalpark Schwarzwald ein: Christian Köppel (links) und Hubert Welt vom Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald
Setzen sich für den Nationalpark Schwarzwald ein: Christian Köppel (links) und Hubert Welt vom Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald | Foto: Bernd Kamleitner

Nationalpark Schwarzwald

„Es war eine unglaubliche Pionierarbeit“

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Aus dem Kampagneverein ist ein Förderverein geworden

Er war heftig umstritten, doch die Gegner melden sich inzwischen kaum noch zu Wort: Der Nationalpark Schwarzwald ist gut vier Jahre nach seiner Gründung bei vielen Naturfreunden weit über Baden-Württemberg hinaus zu einem festen Begriff und zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Die höhere Akzeptanz hat auch dazu geführt, dass sich die Arbeit des im Jahr 2011 gegründeten Freundeskreises Nationalpark gewandelt hat: Aus dem Kampagneverein ist ein Förderverein geworden.

Ein erstes Fazit

Gemessen an Zeiten, in denen sich die Natur entwickelt und ein Urwald im Nationalpark entstehen soll, sind vier Jahre natürlich nur ein winziger Ausschnitt. Aber: „Wir sehen, dass sich im Nationalpark was entwickelt und das Interesse der Menschen am Schutzgebiet wächst“, resümiert Hubertus Welt. Auch sein Vorstandskollege Christian Köppel zieht ebenfalls ein positives Fazit: „Es war eine unglaubliche Pionierarbeit!“ Was sie vermissen, ist eine Verbindung der beiden getrennten Schutzgebietsteile. Die Zweiteilung („damit hadern wir nicht“) war beim ersten Nationalpark im Südwesten unumgänglich, weil das Land keine zusammenhängende Waldfläche hatte, die der Mindestgröße an ein solches Schutzgebiet von 10 000 Hektar genügt hätte.

Der Freundeskreis

Mit rund 900 Mitgliedern sind die Freunde des Nationalparks Schwarzwald nach Angaben von Welt und Köppel der größte Unterstützerverein eines Nationalparks in ganz Europa. „Wir wachsen langsam aber stetig“, so Köppel. Das 1000. Mitglied wird im Jahr 2019 erwartet. Rund 60 Prozent der Unterstützer kommen aus der unmittelbaren Region des Schutzgebiets. Im Kern gehe es dem Freundeskreis auch darum, den Menschen zu vermitteln, „dass der Nationalpark Schwarzwald ein Vorteil für die Region ist“.

Naturpark oder Nationalpark?

Naturpark oder Nationalpark? Bei den Begriffen tun sich viele Menschen immer noch schwer. Davon können die Freundeskreischefs ein Lied singen. Manche Menschen würden sogar vom Naturschutzpark sprechen, den es gar nicht gibt. „Das ist aber eine gute Gelegenheit, deutlich zu machen, wo die Unterschiede liegen“, betont Welt. Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist rund 3750 Quadratkilometer groß, der Nationalpark mit seinen 10 000 Hektar liegt im Naturpark. „Das ist eine wunderbare Verzahnung“, meint Köppel. Im Nationalpark heißt das Motto „Natur Natur sein lassen“ – Der Mensch überlässt die Natur sich selbst, Wildnis darf entstehen. Im Naturpark geht es darum, menschliches Handeln und Wirtschaften in Einklang mit der Natur zu bringen.

Neues Besucherzentrum

Die Kostensteigerung für das Besucherzentrum an der Schwarzwaldhochstraße (B 500) am Ruhestein hat viele kritische Stimmen ausgelöst. Welt und Köppel sehen die Investition von über 35 Millionen Euro unter dem Strich aber als eine sinnvolle an. Erhebliche Kosten fielen allein für die Infrastruktur wie Anschlüsse an Strom- oder Wassernetz sowie Parkplätze an. Mit der Dauerausstellung oder dem Skywalk, einem offenen Steg mit Aussichtsplattform auf Höhe der Baumkronen, könne sich der Neubau, der 2020 fertig werden soll, zu einem Besuchermagneten entwickeln.

Rummel und Ruhe

Viele Touristen, die sich in der Natur tummeln wollen – ist das nicht ein Widerspruch zum Anspruch eines Schutzgebiets? „Das ist eine Gratwanderung“, findet Welt. Mit Angeboten könne man den Touristenstrom kanalisieren. Darüber hinaus sei der Nationalpark auch dazu da, bei Menschen ein Bewusstsein für die Schönheit der Natur und deren Schutzbedürftigkeit zu entwickeln.

Verkehrskonzept

Für die Zukunft stellen sich Welt und Köppel den Einsatz von Bussen mit Elektroantrieb vor, die den Nationalpark anfahren. Auch ein Parkplatzbewirtschaftungskonzept sei erforderlich – mit Parkgebühren für die, die mit dem Pkw anreisen. Ein großes Problem sei der Motorradlärm. Hier sollten mehr Kontrollen stattfinden, meinen die beiden Vorsitzenden.

Wildtiermanagement

Ein sehr umstrittenes Thema. Da gehen auch im Freundeskreis die Meinungen auseinander. Der Nationalpark müsse aber die umliegenden Wälder nicht nur vor dem Borkenkäfer schützen, sondern auch vor Verbiss durch Rotwild schützen, räumt Welt ein: „Da ist nachvollziehbar, dass Jagd stattfindet.“ Ein Einwandern von Wolf und Luchs würden Welt und Köppel begrüßen. Halter von Weidetieren müssten dann aber für etwaige Schäden durch Wolf oder Luchs entschädigt werden.

Touristenattraktionen

Mit Interesse verfolgt der Freundeskreis Pläne für Touristenattraktionen im Umfeld des Nationalparks wie den Wildtierpark Alexanderschanze oder die Anima-Tierwelt in Sasbachwalden. Auch der Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach oder der Baumwipfelpfad in Bad Wildbad finden Gefallen. „Alles, was Interesse von Menschen an der Natur erzeugt, finde ich im Grundsatz gut“, meint Welt. Solche Einrichtungen seien ebenfalls ein Beitrag zur Lenkung von Besucherströmen.

Lieblingsplätze im Nationalpark:  Als Vorsitzende des Freundeskreises Nationalpark Schwarzwald kennen sich Christian Köppel (Gaggenau) und Hubertus Welt (Bad Wildbad) im zweigeteilten Schutzgebiet zwischen Baden-Baden und Freudenstadt gut aus. Welches sind ihre Lieblingsplätze?  Christian Köppel: Bei mir ist es der Bannwald Wilder See. Das ist ein Nationalpark im Kleinen. Dort Ruhe und Wildnis zu erleben, das ist ein ganz besonderes Erlebnis. Dazu gehören auch uralte Bäume, darunter die Großvatertanne, die als ältester Baum im Nationalpark gilt. Experten schätzen, dass die Tanne über 250 Jahre alt ist.
Hubertus Welt: Ich wohne in einer Gegend mit viel Wald. Dennoch ist für mich der Aufenthalt im Nationalpark ein ganz besonderes Gefühl: Ich bin in einer Gegend, in der der Mensch nicht mehr eingreift. Was mich fasziniert, ist der Übergang vom Wald zu den Grinden. Diese Flächen finde ich ganz toll. Da geht einem das Herz auf.

www.nationalpark-schwarzwald.de
https://freundeskreis-nationalpark-schwarzwald.de/