Kommentar
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Essen macht Schlagzeilen

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Suppenküchen und Tafelläden an allen Ecken eines der reichsten Länder der Welt. Wer hätte sich das träumen lassen. Wenn 80 Augenpaare gebannt auf zwei Stück Fleisch und vier Sechserpack mit Eiern blicken, dann ist jedem klar, dass es auch an diesem Tag wieder Gewinner und Verlierer geben wird.

Zank und Streit ums Essen – nicht nur in Essen

An den Theken kostenloser Essensausgaben kommt es deshalb zuweilen auch zu Zank und Streit. Die einen drängeln sich vor, die anderen stecken zurück. Alte gegen Flüchtlinge, Mütter gegen Geringverdiener, Kranke gegen Arbeitslose.

Staatsbürgerschaft ist kein Kriterium

Bis sich ein überforderter ehrenamtlicher Helfer nur noch dadurch zu helfen weiß, dass er für eine Übergangszeit die Staatsbürgerschaft zum entscheidenden Kriterium macht.

Während sich Mitarbeiter in den Tafeln bundesweit wacker schlagen und den Mangel menschlich korrekt und an der Bedürftigkeit orientiert verwalten, macht nun die eine Tafel in Essen Schlagzeilen, weil sie bei der Wahl ihrer Mittel völlig daneben gegriffen hat.

Der eigentliche Skandal aber ist ein anderer. Offenbar ist die Versorgung der Ärmsten nur noch über Spenden und Ehrenamt sicher zu stellen.

Die Tafel ist eingepreist

Eigentlich sollten die Tafeln helfen, Lebensmittel vor der Vernichtung zu retten und Menschen am Ende der Einkommensskala einen zusätzlichen Becher Joghurt oder frisches Obst zu bescheren.

Doch längst sind die Tafeln eingepreist in die Transferzahlungen. Hartz-Sätze rechnen fest damit, dass sich die Leistungsempfänger bei den Ehrenamtlichen bedienen können.

Wenn die Tafel-Manager durch Weitsicht und persönlichen Einsatz verhindern können, dass sich die Ärmsten um Eier und Fleisch prügeln, dann ist das ein Beweis ihrer pädagogischen Fähigkeiten.

Sozialstaat versagt

Ihre Aufgabe ist es eigentlich nicht. Vielmehr wird deutlich, dass hier ein Sozialstaat versagt.