Da schau her: Das 6,47 Zoll große Display des neuen Huawei P30 Pro ist an den Rädern leicht gewölbt, leuchtet hell und bietet einen guten Blickwinkel. | Foto: Till Simon Nagel/tmn

Kamera-Quartett mit Nachtaugen

Ausprobiert: Huawei P30 Pro

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Vier Kameras, fünffacher optischer Zoom, große Lichtausbeute und ein ISO-Wert von 409 600 – Huawei ist beim P30 Pro alles andere als bescheiden. Bei der P-Reihe liegt der Fokus klar auf der Fotografie. Huawei hat hier mit Apples iPhone XS, Samsungs S10-Modellen oder dem Nokia 9 mit Array-Kamera starke Konkurrenz. Das P30 Pro hat daher eine komplett neue Kamera erhalten. Das beginnt beim Sensor der 40-Megapixel-Hauptkamera. Statt der üblichen roten, grünen und blauen Sensorpixel gibt es nun gelbe statt grüne Pixel. Das – so verspricht Huawei – soll für viel mehr Lichtausbeute führen. Geradezu fantastisch klingende ISO 409 600 sollen möglich sein.

Huawei P30 Pro bringt Licht ins Dunkel

Im Praxistest lässt sich das schwerlich überprüfen. Aber die Ausleuchtung von Fotos bei wenig Licht kann sich sehen lassen. Selbst Bilder bei annähernder Dunkelheit zeigen Farben und Details, wo andere Kameras nur unecht wirkende Farben, Schwarz oder Rauschen liefern. Das heißt nicht, dass mit dem Huawei P30 Pro perfekte Bilder im Dunkeln möglich sind, zeigt aber deutlich, wohin die Reise bei der mobilen Fotografie geht.

Aller guten Dinge sind vier: Im eckigen Loch steckt die Telekamera mit einer Brennweite von 125 Millimeter Kleinbild-Äquivalent, eine von insgesamt vier Kameras. Foto: Nagel

Verstärkung erhält die Hauptkamera von einer 20-MP-Weitwinkelkamera und einer Telefotolinse mit fünffacher Vergrößerung. Weil deren viele Linsen zu dick auftragen würden, stecken sie um 90 Grad versetzt quer im Telefongehäuse – Licht fällt über ein Prisma auf den 8-MP-Sensor. Komplettiert wird das Dreiergespann durch eine Time-of-Flight-Kamera. Sie macht keine Fotos, sondern misst die Zeiten, die Licht von den einzelnen Objekten vor der Linse bis zum Sensor braucht. So sind extrem genaue räumliche Messungen möglich.

Superzoom: Das Kameraquartett des P30 Pro erlaubt verlustfreies optisches Zoomen mit fünffacher Vergrößerung. Maximal ist 50-fache Vergrößerung möglich. Foto: Nagel

Besonders der Zoom überrascht

Gemeinsam sorgt das Kameraquartett für viele Möglichkeiten beim Fotografieren – von großen Panoramen über Porträts und Detailaufnahmen bis hin zu Makrofotos. Besonders der Zoom überrascht. Fünffache Vergrößerung ist nahezu ohne Qualitätsverlust möglich. Eine echte Bereicherung im Vergleich zu anderen Spitzenmodelle, die nur zweifache optische Vergrößerung bieten. Bei höherer Vergrößerung greift der so genannte Hybridzoom, der auf eine Mischung aus optischer und digitaler Vergrößerung setzt und maximal das 50-Fache herausholt. Jenseits von Zoomfaktor 10 ist allerdings eine feste Unterlage oder ein Stativ nötig.

Neben optischer Stabilisierung der Kameralinsen kommt reichlich Software zu Einsatz, die Verwackler und andere Bildfehler herausrechnet, Einstellungen an erkannte Motive oder Lichtsituationen anpasst und immer wieder etwas mehr aus einem Bild herausholt. Im Gegensatz zum Vorgänger hat Huawei dazugelernt. Mit den richtigen Farbeinstellungen sehen Fotos deutlich realistischer aus als noch beim P20 Pro, das gern mal durch unecht knallige Farben auffiel.

Mehr als Full-HD-Auflösung

Neben dem beeindruckenden Kamera-Quartett wirken die weiteren Leistungsdaten des Huawei P30 Pro geradezu gewöhnlich. Im Inneren setzt der Hersteller weitgehend auf die schon vom Mate 30 bekannte Hardware. Es gibt den Prozessor Kirin 980, wahlweise 128 oder 256 Gigabyte (GB) Speicherplatz und 8 GB Hauptspeicher. Das 6,47 Zoll große OLED-Display hat etwas mehr als Full-HD-Auflösung und im unteren Bereich einen Fingerabdrucksensor unter dem Glas eingebaut.

Leider nach wie vor ein Problem: Huawei installiert ab Werk etliche Anwendungen vor. Zum Beispiel Amazons Shopping-App im «Top-Apps»-Ordner. Foto: Warnecke

Die Frontkamera ragt am oberen Rand nur minimal ins Display hinein. Das hat Folgen für die Sensorik. Eine aufwendige Gesichtserkennung mit 3D-Erkennung gibt es nicht, nur die leichter zu überlistende Erkennung per einfacher Kamera.

Ton wird im Display erzeugt: Das Huawei P30 Pro hat keinen klassischen Lautsprecher fürs Ohr. Stattdessen tönt es aus dem blau umkreisten Bereich der Anzeige. Foto: Warnecke

Der Blick an den oberen Displayrand offenbart aber mehr: Der klassische Lautsprecher für das Telefonier-Ohr ist verschwunden. Stattdessen wird beim P30 Pro der obere Teil des Displays zur Erzeugung von Tönen genutzt. Das klingt zunächst einmal gut – beim Telefonieren. Spielt man Musik über die Lautsprecher ab, erklingt aber nur am unteren Geräterand Ton. Stereo gibt es nicht.

Lite-Variante kommt später

Neben dem P30 Pro wird es mit dem P30 eine leicht reduzierte Version geben, mit 6,1 Zoll großem Display, etwas weniger Speicher, kleinerem Akku und nur drei Kameras. Außerdem dürfte es wieder ein deutlich günstigeres Lite-Modell geben, zu dem Huawei aber noch keine Details genannt hat.

Verwandtschaft: Nebem dem Huawei P30 Pro (oben) gibt es das kleinere P30 ohne abgerundete Bildschirmränder, ohne Drahtlosladung und mit nur drei Kameras. Foto: Nagel

Huaweis neue P30er gibt es ab rund 750 Euro (P30 mit 128 GB Speicher), knapp 1000 Euro (P30 Pro mit 128 GB Speicher) und rund 1100 Euro für das P30 Pro mit 256 GB Speicher.

Fazit

Schon das Huawei P20 Pro war eine starke mobile Kamera mit Funkanschluss. Das P30 Pro setzt mit der Vierfachkamera, der Lichtstärke und den vielen Möglichkeiten zum nachträglichen Fokussieren und Bearbeiten noch einen drauf. Dass das Smartphone wie nebenher noch voller leistungsstarker Hardware steckt und ziemlich elegant aussieht – geschenkt. Hinter den Möglichkeiten der mobilen Kamera verblasst das alles etwas. Till Simon Nagel