Große Schau: Samsungs Galaxy Fold bietet auf seinem 7,3 Zoll großen Innendisplay jede Menge Platz - etwa für Karten. | Foto: Nagel/dpa

Klapphandy mal anders

Ausprobiert: Samsung Galaxy Fold

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Das Samsung Galaxy Fold ist der Beginn einer ganz neuen Smartphone-Klasse. Es ist kein Smartphone, aber mehr als ein reines Tablet. Und doch vereint es die Vorzüge beider Geräteklassen. Zusammenfalten kann man das für rund 2.000 Euro angebotene Gerät auch noch.

von unserem Mitarbeiter Till Simon Nagel

Vielleicht ist das sogar der nächste Evolutionsschritt des Smartphones. Herzstück des Fold ist das 7,3 Zoll große, faltbare Innen-Display, genannt Infinity Flex. Es lässt sich beinahe ganz flach aufeinanderfalten, nur ein kleiner Spalt bleibt am Scharnier zurück. Dazu gibt es ein kleineres Display an der Außenseite.

Diese Bauweise gibt Nutzern ganz neue Möglichkeiten. So lässt sich das Fold wie ein normales Smartphone mit einem schmalen und dafür hohen Bildschirm nutzen. Aufgeklappt ist es ein handliches Tablet mit 7,3 Zoll Displaydiagonale im Format 4,2:3. Beide Nutzungsmodi erlauben ohne große Unterbrechung den Wechsel zum jeweils anderen – und zurück.

Dickes DIng: Es gibt dünnere Smartphones, aber die haben im Gegensatz zum Samsung Galaxy Fold auch kein faltbares Innendisplay. Foto: Till Simon Nagel

Nahtloser Wechsel zwischen Groß- und Kleindisplay

Sucht man auf dem kleinen Display zum Beispiel eine Adresse auf der Karte, wird sofort nach dem Aufklappen ein größerer Kartenausschnitt mit mehr Details auf dem großen Display angezeigt. Oder der Instagram-Feed erstrahlt in bislang unbekannter Schönheit. Wer mag, packt  auch bis zu drei App-Fenster simultan und nebeneinander auf das Display. So muss keiner mehr zwischen Apps hin und her wechseln, um Daten zu übernehmen. Auch in Videospielen oder beim Fotografieren ist ein nahezu nahtloser Wechsel zwischen dem kleinen und großen Display möglich. Bis zum Verkaufsstart Anfang Mai sollen die meisten Android-Apps dieses App-Continuity genannte Wechseln zwischen den Displaymodi unterstützen.

Klappt gut: Im geöffneten Zustand ist das Außendisplay (rechte Seite) des Galaxy Fold nicht aktiv. Foto: Till Simon Nagel

Das Scharnier wirkt stabil

Ein Smartphone zum Falten wirft viele Fragen auf. Wie haltbar mag das wohl sein? Beim ersten Ausprobieren macht das Fold einen stabilen Eindruck. Geschlossen und offen rastet es fest ein, die Geräteteile bewegen sich nur minimal zueinander. Bis zu 200.000 Mal soll sich das Scharnier ohne Murren knicken lassen.

Ein kleineres, eher schmales Display auf der Außenseite gibt Nutzern die Möglichkeit, das Galaxy Fold wie ein ganz normales Smartphone zu nutzen. Foto: Till Simon Nagel

Auch das Display soll durch das Öffnen und Schließen keinen Schaden nehmen. Die Knickstelle des aus Polyimiden gefertigten Kunststoffdisplays ist im Alltag nahezu unsichtbar. Fühlen kann man sie, bei hellen Hintergründen manchmal auch ein wenig sehen. Nach Herstellerangaben wäre sogar ein flaches Aufeinanderfalten möglich. Dann wäre die Knickstelle aber deutlich auffälliger.

Akku lässt sich noch nicht falten

Und was steckt im Inneren? Zunächst einmal zwei Akkus, einer in jedem Geräteteil. Noch lassen sich Smartphone-Batterien nicht falten. Dazu gibt es einen Chip von Qualcomm, der auch den Einsatz in künftigen 5G-Netzen erlaubt, 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 512 GB internen Speicher. Per Fingerabdruckscanner an der Gerätekante wird das Fold entsperrt.

Samsung Galaxy Fold mit sechs Kameras

Für Fotos stehen sechs Kameras zur Verfügung. Als Hauptkamera dient der Drilling aus Weitwinkel, Normallinse und Zoom, der auch in Samsungs Galaxy S10 steckt. Ins große Display ragt eine Doppelkamera für Selfies und Videokonferenzen. Über dem Außendisplay sitzt eine einzelne Kamera.

Voll im Bild: Beim Fotografieren mit dem Galaxy Fold stehen neben der normalen Linse noch eine Weitwinkel- und eine Zoomkamera zur Verfügung. Foto: Till Simon Nagel

Im Test schlägt sich die Kombi gut. Der Wechsel zwischen den Betriebsmodi gelingt intuitiv, der Multi-App-Modus bietet echten Mehrwert. Dazu ist das Galaxy Fold überraschend stabil. Ist das Scharnier einmal eingeschnappt, wackelt es nur bei etwas rabiatem Rütteln. Auch das flexible Display ist von erstaunlich guter Bildqualität. Farbe und Blickwinkelstabilität stimmen.

Eine Unbekannte in der Falt-Gleichung dürfte die Oberfläche des Flex-Displays sein. Sie ist nur aus Kunststoff, und es ist fraglich, wie sehr sie im Vergleich zu Glas-Displays anfällig für Kratzer ist. Gerade auf lange Sicht.

Fans brauchen einen dicken Geldbeutel

Ob sich die Falt-Phones durchsetzen? Das Marktforschungsinstitut Gartner sieht vor allem den hohen Preis als Hemmschwelle für viele Käufer. Auch Samsung sieht eher Chancen beim Klientel mit dem etwas dickeren Geldbeutel. Technikbegeisterte, die auch 8K-Fernseher kaufen, heißt es.

Bis zu fünf Prozent des Hochpreissegments räumen die Analysten den faltbaren Smartphones bis 2023 ein. Und mit dem Huawei Mate X steht auch schon der erste Konkurrent für das Galaxy Fold in den Startlöchern.

Das ebenfalls für dieses Jahr angekündigte Gerät soll rund 2.300 Euro kosten. Mittelfristig rechnet Gartner mit mehr Modellvielfalt und fallenden Preisen – wie bei allen neuen Technologien bislang.

 

Aktualisierung 23. 4. 2019: Wenige Tage vor dem geplanten Verkaufsstart seines neuen 2000-Dollar-Flaggschiffs Galaxy Fold erklärte der Konzern, an dem Gerät seien „weitere Verbesserungen“ nötig. Grund sind Probleme mit den Bildschirmen der aufklappbaren Smartphones. Zuvor hatten US-Journalisten, die vorab Testexemplare des Falt-Handys erhielten, von Problemen mit den Displays schon nach relativ kurzer Nutzungsdauer berichtet, darunter gebrochene oder defekte Bildschirme. Erste Analysen hätten ergeben, dass diese Probleme mit Stoßwirkungen auf die Drehgelenke des Galaxy Fold zusammenhingen, erklärte Samsung. Nun sollten Maßnahmen ergriffen werden, „um den Schutz des Bildschirms zu verstärken“. Technologie-Analyst Rob Enderle kritisierte, Samsung habe den Testern nicht genügend Informationen gegeben – unter anderem dazu, dass eine als permanenter Schutz gedachte Folie auf dem Display nicht entfernt werden dürfe. Dies sei für einen Konzern dieser Größe „vermeidbar“ gewesen. Samsung erklärte nun, neben den Verbesserungen sollten auch die Erklärungen zum Umgang mit dem Bildschirm und der Schutzschicht auf dem Display verbessert werden. Angesetzt war der Verkaufsstart eigentlich für diesen Freitag. Ein neuer Termin soll nun in den kommenden Wochen verkündet werden – wann genau ist bislang allerdings unklar.  AFP