Alberto Rania
Wir fahrn fahrn fahrn auf dem Fischer-Kahn: : Alberto Rania, einziger seiner Zunft am nördlichen Gardasee. | Foto: pr

Der Einzelkämpfer aus Riva

El Pescador Alberto Rania: Fisch ahoi! am Gardasee

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Alberto Rania gab den sicheren Job in der Fabrik auf, um Fischer zu werden. Im windumtosten Norden des Gardasees ist er ein Einzelkämpfer. Bislang hat er die Verwirklichung seines größten Traums nicht bereut.

Alberto Rania sattelte mit 54 noch mal um

Als Alberto Rania beschloss, Schluss mit Fabrik und Fließband zu machen, war ihm klar, dass dies ein Sprung ins kalte Wasser werden würde. Was man ruhig wörtlich nehmen kann. Der Schlaks aus Riva del Garda folgte noch mit gestandenen 54 Jahren dem Lockruf des Lago und damit der Freiheit, wurde Berufsfischer an „seinem“ See. Klares, tiefblaues Wasser, frische Winde, die einem schon mal die Haarbüschel um die Ohren hauen, und die Fischerei natürlich – drei von vielleicht hundert Argumenten, das alte, öde getaktete Leben hinter sich zu lassen und in ein spannendes Abenteuer einzutauchen.

Seltsame Arbeitszeiten und keine Garantie auf Fangerfolg

Reichlich zum Entsetzen von Freunden und Familie übrigens, die ihn, wenn nicht für durchgeknallt, so doch für ganz schön mutig hielten. Einen sicheren Job wie den in der Fabrik im nahegelegenen Arco hängt man nicht einfach an den Nagel. Den tauscht man nicht eben mal für eine Fahrt ins Ungewisse, die nächtens beginnt, wenn der frühe Vogel noch den Wurm von gestern verdaut, mit Arbeitszeiten ohne offiziellen Feierabend und ohne Garantie auf Fangerfolg, der den Lebensunterhalt sichert. Schon gar nicht, wenn man Frau und Teenie-Tochter daheim hat.

Alberto Rania: der Kampf gegen die Naturgewalt

Von den Unbilden der Natur, die in der fjordähnlichen Landschaft im Norden des größten italienischen Sees extrem tückisch sein können, gar nicht zu reden. Plötzlich auftretende Orkanböen und meterhohe Wellen aus dem Nichts fordern jedes Jahr etliche Tote. Unter Surfern, Wasserakrobaten und Wasserratten, die sich für schlauer halten als die Natur.

Alberto Rania
Fishing for compliments: Der Pescador mit einer 12,7 Kilogramm schweren Forelle.

„El Pescador“, wie sich Rania stolz nennt, ist Einzelkämpfer. Schon als er 2015 erstmals die Leinen losmachte, war der Letzte seines Standes am nördlichen Gardasee bereits gestorben. Weiter unten im Süden, wo der See ganz anders ist, nicht spitz zuläuft wie am oberen Ende, stattdessen eine Wampe zeigt und faul zwischen grünen Hügeln den Mediterranen gibt, wo Wetterextreme nicht zum Tagesablauf gehören, ist eine regelrechte Fangflotte auf dem Wasser unterwegs, um Sardinen und Renken, Barsche, Schleien, Karpfen und andere Süßwasserfische an Land zu holen.

Im Süden des Gardasees ist die Arbeit wesentlich einfacher

Fünfzig Fischer teilen sich den weniger strapaziösen Teil des Sees arbeitstechnisch. Rania ist sein Job als One-Man-Show lieber, wenn auch um einiges gefährlicher. Den wackeren Einsiedler, der vor sich hin krebst, spielt er trotzdem nicht. Man kennt sich, tauscht sich immer wieder untereinander aus, zieht Nutzen aus den Erfahrungen der Kollegen.
Rund um Riva ist der inzwischen 57-jährige Rania so oder so ein Unikum. Konkurrenzlos, im besten – und jedem Sinne. Sympathisch. Eifrig. Kompetent.

Alberto Rania
Der „Netzbetreiber“: Alberto Rania bei der Pflege des Arbeitsgeräts.

„Ich arbeite heute mehr als früher und es kommt manchmal auch weniger Geld in die Kasse, aber das ist okay. Kann sein, dass ich am einen Tag zehn Kilogramm Fisch fange, am nächsten 50. An manchen Tagen auch gar nichts“, sagt der „Netzbetreiber“ pragmatisch. Im Umkreis von fünf Kilometern erstreckt sich sein unterseeischer Garten, den er mit so genannten „fliegenden Netzen“ bestellt. Die haben freilich nichts mit fliegenden Teppichen zu tun, sind keine Erfindungen von Märchenonkeln, sondern höchst realer Natur. Sie heißen so, weil sie frei im Wasser schweben. Das ist gut und schlecht zugleich. Sie sind nirgendwo festgemacht, können also schon mal von Wind und Strömung fortgerissen werden. Unschön, wenn es passiert. Und teuer. Aber: Unternehmerrisiko halt.

Alberto Rania
Fisch und Schiff ahoi: der Pescador mit fettem Fang.

Genau dieses spannungsgeladene und mit Überraschungen gespickte Berufsleben ist es, was dem Pescador seit vier Jahren neuen Schwung verleiht. Was natürlich nicht verwundert, wenn man weiß, dass die Fischerei schon immer die größte Passion des Alberto Rania war. Seit gut 50 Jahren ist er quasi auf Du und Du mit Hecht, Sardine und Schleie, in jüngeren Jahren als begeisterter Amateur, heute als Profi mit der „Lizenz zum Töten“ und einer Art „Fischführerschein“ in der Tasche.

El Pescador: frischester Fisch für Gastronomie und Privatleute

In manchen Nächten ist es wie verhext und die Netze bleiben leer, aber meist bleibt genug in den Maschen hängen, um nicht nur ausgewählte Restaurants, wie zum Beispiel die Osteria delle Tre Chiavi, ein mit der Slow-Food-Schnecke geschmücktes Restaurant im nahen Isera, zu beliefern, sondern auch die Fischfeinschmecker in Riva mit frischester Ware zu beglücken. Dann wird aus Albertos dreirädriger Knatterbüchs vom Modell „Ape“ im Handumdrehen ein Verkaufsstand mit Hingucker-Qualitäten. Dienstags und freitags zwischen zehn und zwölf kann man den stets lächelnden Pescador im Parco Brolio direkt am See antreffen.

Alberto Rania
Fisherman’s Friend: Rania mit seinem mobilen Stand.

Man muss sich freilich sputen, denn der Fisch ist schneller verkauft als er gefangen wurde. An manchen Tagen meldet Rania sogar „Ausverkauft!“. Dann heißt es, aufs nächste Mal zu hoffen.

Infos über den aktuellen erhalten Stammkunden per WhatsApp

Wer möchte, bekommt übrigens gleich ein passendes Rezept mit auf den Weg, schließlich war Rania eine Zeit lang auch als Koch tätig: in Deutschland, München und Hamburg die Stationen. Stammkunden informiert der Fischer vom Gardasee per WhatsApp über den aktuellen Fang. Es muss ja nicht gerade eine fast 13 Kilo schwere Forelle wie im vergangenen Jahr sein. Solche Kaventsmänner gehen nicht mal im fischreichen Gardasee alle Tage ins Netz.

Angeklickt

www.albertorania.it
www.gardatrentino.it/de/gardasee

 

Impressionen vom Gardasee