Der sizilianischen Küche auf der Spur: "Tatort"-Kommissar Mario Kopper alias Andreas Hoppe. | Foto: Cettina Vicenzino

Kochen und Backen

Der „Tatort“-Kommissar und die schöne Italienerin

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Man muss keineswegs ein echter Italiener sein, um zu wissen, was Dolce Vita ist. Was sich am Beispiel des Ex-TV-Bullen Andreas Hoppe festmachen lässt, der eine kulinarische Reise nach Sizilien,  die Heimat seines Kommissars Mario Kopper, unternahm. Andersherum kann das süße italienische Leben, wie es Melissa Forti buchstäblich zelebriert, auch von auswärtigen Einflüssen geprägt sein. Drei brandneue Bücher haben wir für Sie durchgeblättert.

Andreas Hoppe
Der Kommissar und das Mehr: Hoppe/Kopper kann nicht anders, er muss genießen. Foto: Cettina Vicenzino

Das Sizilien-Kochbuch

Zum Teufel auch: jetzt steht der Ludwigshafener „Tatort“ ohne sein Zugpferd Andreas Hoppe in den Boxen. Einfach so hingeschmissen hat der TV-Liebling, fast punktgenau zum 20. Dienstjubiläum. Und lässt Ulrike Folkerts quasi im tiefen Odenthal zurück. Kein schmucker Satans-Alfa mehr (Kennzeichen LU-ZF 4!), hinter dessen Lenkrad der Kommissar von Einsatzort zu Einsatzort, von Brudermord zu Meuchelmord düst.

Andreas Hoppe reist nach Sizilien

Aber: Teufelsbraten, der der 1,93-Meter-Hüne mit Berliner Schnauze nun mal ist, macht er dort weiter, wo Italien im „Tatort“ bisher aufhörte, nämlich beim Genuss. Schließlich blieb ja während 90 Minuten Ermittlungsarbeit und Verbrecherjagd nur selten Zeit für die wahren Genüsse aus der Heimat des Halbsizilianers Mario Kopper. Dafür ist nun sein Darsteller Hoppe privat zum Halbitaliener mutiert, „schulte um“ zum Kochbuchautor. „Das Sizilien-Kochbuch“ dürfe, so der Ex-„Bulle“, als herzliche Reminiszenz an Super-Mario verstanden werden, mit dem er, Andreas, 20 Jahre sein Leben – zumindest vor der Kamera – teilte (schluchz!). Doch genug war offenbar genug, und so halten wir nun ein liebevoll gestaltetes Werk in Händen, dessen Töpfe und Pfannen mit allen sizilianischen Wassern gewaschen sind.

Hoppe, der kulinarische Reiter

Mit einem Hoppe als kulinarischem Reiter, den so schnell nichts aus dem Sattel haut. Weder ein, zwei Gläschen Nero d’Avola noch eine Handvoll extrem bissfester „Totenknochen“ (Gebäck).

Sizilien
Ganz lässig, wie man es von ihm kennt, beschreibt der leidenschaftliche Hobbykoch, was ihm, dem Nordlicht mit Südmagnetisierung, so alles auf seiner lukullischen Abenteuerreise durch das geschichtsbefrachtete Eiland untergekommen ist. Inklusive der hübschen Reisebegleitung Maria, in die er sich fast ein wenig verliebt und derentwegen er sich zum Schluss als gefühlstrunkener Poet geriert. Bisschen pathetisch, das. Könnte aber schlimmer sein …

Sizilianerin leistet Schürzenhilfe

Ganz ohne fremde Schützen- und Schürzenhilfe ging die Neuinkarnation von Signore Hoppe, der nun schon mal Hut statt Käppi trägt, freilich nicht ab. Die waschechte Sizilianerin Cettina Vicenzino hat ihm mit traditionellen Rezepten aus der Familienkladde und anderswo abgeguckten Zubereitungen auf die Sprünge geholfen und diese auch noch fotografisch ganz schnuckelig inszeniert.

Sizilien: die echte Küche

Appetit auf sizilianische Traditionals wie Insalata di Ceci (Kichererbsensalat), Maltagliati con l’aggrassatu (Pastafetzen mit Rindfleisch-Kartoffel-Soße), Sarde a beccafico (gefüllte Sardinen) oder Granita di fichi (Feigengranita) bekommt man da schon vom Hinschauen. Tonno alla menta und Pizza siciliana dürfen in solch einem Werk natürlich nicht fehlen.

Viel Plus, wenig Minus

Und da wären wir schon beim dicken Plus und einem kleinen Minus des Sizilien-Kochbuchs: während der Thunfisch, wie es sich für höchsten Genuss gehört, nur kurz von jeder Seite gegrillt wird (so ist er innen herrlich zart und man erspart ihm das Schicksal einer Schuhsohle), wird beim Pizzateig dasselbe wie in fast allen Kochbüchern falsch gemacht: zu viel Hefe, kein Vorteig, zu kurze Gärzeit, Teig aufs kalte Blech, zu wenig Backhitze. Man könnte fast glauben, dass da immer einer vom anderen abschreibt.

Einladung erwünscht

Trotzdem: ein schönes Buch für Fans der armen, aber an feinen Speisen reichen Insel. Und für Hoppe/Kopper-Fans sowieso Pflichtlektüre. Das Dolce Vita zwischen pastaschwangerem Syrakus und liebestrunkenem Marzamemi zelebriert der Hoppe-Kopper so offen und ehrlich, dass man sich gerne zu ihm und seinen neuen Freunden an den Tisch setzen, sich neben ihn an den Herd stellen möchte.

Andreas Hoppe/Cettina Vicenzino: Das Sizilien-Kochbuch, Südwest Verlag, € 24,99

www.randomhouse.de

Melissa Forti
Die schöne Konditorin aus Sarzana: Melissa Forti in ihrem Tea Room. Foto: Danny Bernardini

Backen

Man könnte sie als Mischwesen aus Amy Winehouse und Enie van de Meiklokjes bezeichnen: Melissa Forti ist tätowiert wie ein Popstar, rockt die Hütte und bäckt wie eine Besessene Kuchen, Torten und anderen süßen Krimskrams. Diese „Hütte“ nennt sich beschaulich nach englischer Art „Tea Room“ und befindet sich im Städtchen Sarzana an der italienischen Riviera zwischen der Hafenstadt La Spezia und dem Marmorzentrum Carrara.

Die Vintage-Ästhetik

In barocker Vintage-Ästhetik präsentiert die schöne Römerin dort opulente Schöpfungen wie kandierte Maronen-Tarte, Feigen-Mascarpone-Kuchen oder Orangen-Meringue-Torte, außerdem traditionelle italienische Süßwaren wie Cantuccini, Tiramisù und Parrozzo.

Melissa Forti
Getreu dem gerade eben erfundenen Motto: „wenn du in die Ferne schweifst, vergiss nicht die schönen Rezepte von dort“, hat die „tattooed lady“ mit dem pechschwarzen Haar auch süße Verheißungen aus ihren Interims-Wahlheimaten Los Angeles und London mit ans Mittelmeer gebracht, die sie nun ihrem kaloriengewaltigen Gesamtbackwerk hinzufügt.

Viel Lob von TV-Koch Tim Mälzer

Nachzulesen in ihrem Buchdebüt „Backen – Dolci, Tartes und zauberhafte Kuchen“, von dem Kochathlet Tim Mälzer schwärmt: „Mehr Italien kann man in ein Stück Kuchen nicht reinbacken.“ Schätze mal, dass der Hanseat an der süßen Kosmopolitin noch anderes attraktiv gefunden hat. Aber: seine Sache. Sicher ist: die Verführungskunst muss oral stattgefunden haben (pfui, nicht wie Sie jetzt vielleicht denken!). Man darf jedenfalls durchaus kräftig einstimmen in Herrn Mälzers Lobgesang auf Signora Forti und ihre Backwaren. Und beim nächsten Riviera-Urlaub einen kleinen Schlenker zu machen, wäre auch nicht die schlechteste Idee. Vielleicht trifft man ja die adrette Bäckerin persönlich an …

Melissa Forti: Backen – Dolci, Tartes und zauberhafte Kuchen, Prestel Verlag, € 32,–

www.randomhouse.de

Italian Food

Gräfe und Unzer hat das Glück, zahlreiche renommierte Autoren mit Schwerpunkt italienische Küche auf seiner Honorarliste zu verzeichnen (u.a. Cornelia Schinharl, Tanja Dusy, Hans Gerlach). Mit dieser geballten Man- & Woman-Power im Rücken hat der Münchener Verlag nun ein Italien-Büchlein mit Rezepten zusammengestellt, das insbesondere dem jüngeren Publikum, das Spaghetti mit Ketchup und Pizza bolognese bislang für italienische Gerichte hielt, kulinarisch den echten Kick verschaffen will.

Sizilien

Einfach (und) gesund

60 einfache Rezepte mit Fisch (Endivien-Risotto mit Venusmuscheln) und Fleisch (Kürbis-Hähnchen-Lasagne mit Ricotta), aber auch „Veggie“-Sachen (Pasta genovese) stehen auf dem Plan. Außerdem erfahren „Neu-Italiener“ etwas über vier Genussregionen überwiegend im Norden Italiens, wo man gerne der Schlemmerei frönt. Ob man freilich in der Emilia-Romagna mit Spaghetti bolognese etwas anfangen kann? In seiner peppigen Art ist „Italian Food“ jedenfalls sicher gut geeignet, um hungrige Italian-Food-Fans auch mal in die Küche und damit an den Herd zu locken.

Italian Food, GU, € 9,99

www.gu.de