So schmeckt Skandinavien
Foto: Adobe Stock/Piotr Wawrzyniuk

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Küche im Norden: Deftiges von Labskaus bis Köttbullar

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Irgendwas muss dran sein am Heimweh nach dem Norden. Schon Die Ärzte hatten ja, wie man als alter Spaßpunker vielleicht weiß, ihre Sehnsucht nach der Nordsee respektive dem Schickimicki-Hotspot auf Sylt in „Westerland“ verbraten. Ach, wo wir gerade beim Braten sind: die schrammelige kleine Hymne des Berliner Erfolgstrios könnte ganz gut als musikalische Begleitung für unseren Bücher-Rundumschlag in Sachen norddeutscher und nordischer Küche herhalten. Wer’s weniger fetzig mag, darf natürlich auch Freddy Quinn schmachten oder Abba die Gute-Laune-Post abgehen lassen, wenn es heißt: Herdfeuer frei für Currywurst und Grünkohl mit Pinkel, Köttbullar und Fiskgratäng. Hier kommt die Küche im Norden.

Das isst Berlin

Kochen bis die Ärzte kommen – das ist eindeutig das Motto des hippen (Fr)ess-und-Brutzel-Schmökers „Das isst Berlin“. Rosemarie Donhauser, Manuela Blisse und Uwe Lehmann haben Deutschlands größtes Kiezdorf kulinarisch ergründet bzw. abgegrast und den Extrakt der kulinarischen Recherchen zwischen zwei Buchdeckel gepresst. Wochenendbrunch und Katerfrühstück, Streetfood, Multi-Kulti, Altberliner Evergreens – das Autorengespann tischt 90 Gerichte auf, die die Berliner Schnauze ebenso bedienen, wie den auf neueste kulinarische Entwicklungen geeichten Gaumen des entdeckungsfreudigen „Invasoren“.

Das isst Berlin
Exotische Novitäten wie Bulgogi mit Kimchi treten hier furcht- und schamlos an gegen Streetfood vom Kaliber Currywurst mit Fritten oder Traditionals wie die olle aber tolle Bulette. Wer die Neu- und Altberliner Leckerbissen nachgekocht hat und nach dem unterhaltsamen Studium der begleitenden Reportagen genau Bescheid weiß, was hinter der stadttypischen Breakfast-Kultur steckt oder wie man der süßen Seite Berlins am besten auf den Leim, äh, Honig geht, der wird kaum anders können als  im Brustton der Überzeugung auszurufen: Ick steh uff Baliiiien! Nur hinfahren ist besser.

Donauser/Blisse/Lehmann: Das isst Berlin – Das Hauptstadt-Kochbuch, Dorling KIndersley, € 24,95

Norddeutsche Heimwehküche

Als Schleckermaul aus dem südwestdeutschen Schlaraffenland tut man sich mit manchem norddeutschen Traditionsessen buchstäblich schwer. Doch es ist nicht alles fett und Labskaus, was die Küche im hohen Norden auffährt und Kraut und Rüben, was auf dem Teller der Hamburger, Mecklenburger und Rügener landet. Im Gegenteil. Bei „Norddeutscher Heimwehküche“ von Christiane Leesker und Vanessa Jansen bekommt man sogar als dem Mediterranen schon so nahe stehendes Südlicht echten Appetit.

Heimwehküche
Fisch muss natürlich sein, egal ob Finkenwerder Scholle, Hamburger Pannfisch oder Aalsuppe aus der Hansestadt. Aber auch Flattermänner und Fleisch sind top: Mecklenburger Gänsebraten, Heidschnucke und Bremer Knipp mit Spitzkohl – da bekommt mancher Nord- und Ostseeurlauber noch im Nachhinein feuchte Augen und einen wässrigen Mund. Zur kulinarischen Reise durch Deutschlands überraschend vielseitigen Norden gehören zudem stimmungsvolle Landschaftsbilder und Erzählungen über die Obsternte im Alten Land oder den legendären Ostfriesentee. Schiff ahoi!

Christiane Leesker/Vanessa Jansen: Norddeutsche Heimwehküche, Dorling Kindersley, € 19,95

So schmeckt Skandinavien

In England kann man alles essen, solange es nicht typisch englisch ist. Das ist, zugegeben, etwas übertrieben. Aber doch sehr nahe an der Wahrheit. Und mit ein Grund, weshalb internationale Küche sich gerade im Melting Pot London so großer Beliebtheit erfreut. Die Dänin Brontë Aurel und ihr schwedischer Mann Jonas zum Beispiel brechen in der Themse-Stadt gleich mehrere Lanzen, und zwar für ganz Skandinavien und seine verschiedenen Küchen.

So schmeckt Skandinavien
Norden

Weshalb ihr Café den irgendwie naheliegenden Namen „ScandiKitchen“ trägt. Dort serviert man den Gästen neben herzhaft belegten Broten, leichten Salaten und Suppen auch Herzhaftes zum Abend samt anschließender süßer Verführung. Womit hier zum Beispiel dänisches Apfeltrifle gemeint ist und nicht was Sie jetzt vielleicht denken. Wie man sich das „ScandiKitchen“ in die eigene Butze holt, liest man im Buch „So schmeckt Skandinavien“ nach. Und wer genau wissen will, wie der Skandinavier als solcher tickt, studiert die Extra-Beiträge zu Traditionen und Festlichkeiten wie Mittsommer, Krebsfest oder schwedischer Weihnacht.

Brontë Aurel: So schmeckt Skandinavien, Dorling Kindersley, € 16,95

www.dorlingkindersley.de